55 Kater Leon-Ratekrimis bekämpfen Corona-Frust – inspirierend und kostenfrei

55 Kater Leon-Ratekrimis bekämpfen Corona-Frust – inspirierend und kostenfrei

Inspirieren statt infizieren! Ausnahmesituationen erfordern verstärktes Zusammenhalten und die Bereitschaft zu helfen, wie und wo man kann. Das Corona-Virus hat uns in solch eine Ausnahmesituation katapultiert. Insbesondere für Kinder, Eltern, Betreuungspersonen oder ältere und kranke Menschen kann es frustrierend sein, mehrere Tage ohne soziale Kontakte, Veranstaltungen oder die gewohnten Outdoor-Aktivitäten zu leben.

Um negativen Gedankenkarusellen entgegenzuwirken stelle ich hier für alle kleinen und großen Ermittler, die zum Zuhausebleiben gezwungen sind bzw. derzeit keine Besuche empfangen dürfen als Trost und zur Inspiration 55 meiner Kater Leon-Ratekrimis online.

Alle Geschichten kann man sich einzeln vorlesen lassen: einfach im Inhaltsverzeichnis auf den entsprechenden Link klicken und danach auf den Button „Vorlesen“.

Virtuelle Abenteuer

Machen Sie mit Kater Leon virtuelle Ausflüge, helfen Sie ihm beim Ermitteln und lassen Sie sich zu eigenen Geschichten inspirieren. Die Ratekrimis sollen Sorgen vertreiben und die Vorfreude  auf das wecken, was nach der Quarantäne wieder auf uns wartet 🙂

Der Artikel ist mein virtueller Beitrag zum Graz Kulturjahr 2020, dessen Veranstaltungen wegen Corona zur Zeit nicht stattfinden können.

Auch die soziale Komponente soll nicht zu kurz kommen. Anstatt dass sich Gedanken und Gesprächsthemen ständig nur um Corona drehen, bitte ich Sie zu überlegen, wem diese Geschichten ebenfalls nützen könnten. Bitte schicken Sie dann den Link weiter.

Damit die Geschichten überall und auf allen Medien und auf den verschiedenen Displays bequem zu lesen sind, habe ich sie direkt in diesen Artikel geschrieben. Weil diesmal war es mir wichtig, dass die Geschichten rasch online und vor allem responsiv sind und dass man sie sich von einem Computer-Herrn vorlesen lassen kann.

Die Illustrationen stammen von der Bilderplattform pixabay, konkret vom japanischen Künstler Naobim.

Nun wünsche ich Ihnen trotz aller Herausforderungen eine positive Einstellung und eine kreative Zeit. Frei nach der Devise: Besser anderen helfen, als sich von destruktiven Sorgen lähmen zu lassen, die ohnehin kein Problem auf dieser Welt lösen.

Bleiben Sie gesund und munter!

 

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55 inspirierende Kater Leon-Ratekrimis

Seit 2009 schreibe ich für die Qualitätszeitung „Die Presse“ Ratekrimis. Hunderte sind bis 2016 für Erwachsene in „Die Presse am Sonntag“ erschienen. Ebensoviele wurden bis dato für junge Leser in „Die Presse Kinderzeitung“ veröffentlicht.

Kater Leon inspiriert bereits seit 2008 unzählige Leser zwischen 5 und 99 Jahren zum Schreiben oder Ausdenken von Geschichten.

Früher geschah das mittels Büchern oder in (Schul-)Workshops. Nun lautet die Devise: Kater Leon goes digital…

Viel Vergnügen!

PS: Ich weiß, dass ein Titel in der Regel ohne Satzzeichen endet. Aber der Computer-Vorleser braucht eines, um richtig zu betonen 😉

 

1. Im Traumland.

Kater Leon war so müde. Er sollte eine Fantasiegeschichte schreiben, aber bisher hatte er noch keinen einzigen Buchstaben aufs Papier gebracht. Dabei hatte er alles Mögliche probiert, um seine Kreativität anzukurbeln.

Er war einige Runden im Garten gelaufen, hatte Musik gehört und jede Menge Nüsse geknabbert, die angeblich gut fürs Gehirn waren. Alles bislang ohne Erfolg. Nun versuchte er es mit Recherchen im Internet. Vielleicht kam ihm da etwas Inspirierendes unter? Schließlich landete er auf einer Website über Pandas.

„Ach, sind die süß“, murmelte Leon, als er die Fotos von den entzückenden Tierkindern sah. Im Text stand, dass Panda-Babys ganz klein und nackt auf die Welt kamen. Das war fast nicht vorstellbar, wenn man die kuscheligen Pelzknäuel so sah. So interessant das war, es half Kater Leon aber nicht weiter. Er seufzte. Normalerweise brauchte er für so eine Geschichte nicht einmal zwei Stunden. Leon gähnte.

Unter einem Stapel Papier lugte das Buch Der 35. Mai von Erich Kästner hervor. Er kuschelte sich in den Schreibtischsessel und blätterte darin. Ach, wie schön es doch wäre, wenn er sich in eines dieser riesigen Betten legen könnte, die da im Schlaraffenland herumstanden …

Kater Leon erhob sich und ging zum Schrank, um sich eine Weste zu holen. Aber wieso sah das Möbel plötzlich so anders aus? Und wo war das gesuchte Kleidungsstück? Leon stieg in den Kasten und befand sich plötzlich in einer anderen Welt. Er stand inmitten von Bäumen, von denen Bücher und Texte herabhingen. Kater Leon kam aus dem Staunen nicht heraus. Er nahm ein Blatt Papier, das vor seiner Nase baumelte. „Hier gehts zum Schlaraffenland“, stand darauf. Das war ein idealer Titel für seine Geschichte, dachte er.

„Hallo Leon“, hörte er eine Stimme hinter sich. Da stand Negro Kaballo, das schwarze Rollschuhpferd aus Kästners Geschichte. „Endlich bist du da, wir haben dich schon erwartet“, sagte es.

„Steig auf! Ich bringe dich in die Südsee.“

Neugierig schwang sich Kater Leon auf den Pferderücken und los ging es. Als sie durchs Schlaraffenland rollten, beneidete er die Schlafenden in den großen Betten. Auf die Dauer war das aber wohl auch langweilig. In der automatischen Stadt Elektropolis gefiel es ihm besser und dann kamen sie tatsächlich in die Südsee.

Dort warteten bereits Onkel Ringelhuth, der eine große Ähnlichkeit mit Leons Nachbarn hatte. Neben ihm standen sein Neffe Konrad und die schwarz-weiß karierte Prinzessin Petersilie. Die sah Leons Freundin Tina ähnlich, abgesehen vom Schachbrettmuster auf der Haut.

„Wir streiten gerade, wer den tollsten Urlaub gemacht hat“, sagte Petersilie. „Ich bin überzeugt, dass ich das war. Voriges Jahr war ich nämlich in einem Hotel, in dem es alles gibt, wovon man nur träumen kann: köstliches Essen, ein Wohlfühl-Paradies mit Schwimmbad, Massagedüsen und Whirlpools, für Kinder einen riesigen Abenteuerspielplatz und … „

„Papperlapapp“, fiel Konrad der Prinzessin ins Wort. „Mein letzter Urlaub toppt das alles. Damals gingen wir in den Zoo und da kam gerade ein Panda-Baby auf die Welt. Ach, das war so süß anzusehen. Und es hatte so ein kuscheliges Fell. Danach hat mir mein Onkel eine große Portion Eis spendiert.“ Onkel Ringelhuth lachte.

Als Kater Leon aus seinem Traum aufwachte, wusste er, wer von den beiden geflunkert hatte. Obendrein hatte er nun genug Stoff für eine außergewöhnliche Geschichte.

Wer hat geflunkert?

 

2. Geheimnisvolle Ostergeschenke.

Kater Leon war im Frühlingstaumel. Ostern stand vor der Tür und überall grünte und blühte es. Bald würden er und Mara mit ihren Freunden Tina und Bert im Garten Osternester suchen und das große Osterfeuer bestaunen. Zuvor aber stand das Bemalen der Eier bei Almas Oma auf ihrem Programm.

Das war jedes Mal aufs Neue ein großer Spaß. Nach der lustigen Kleckserei kredenzte die Oma zum süßen Abschluss immer frisch gebackene Osterpinzen und heiße Schokolade. Was für ein Genuss! Nur Bert würde wahrscheinlich wie jedes Jahr Schinken und Kren zur süßen Osterpinze essen. Bert war in der Obersteiermark geboren und aufgewachsen und dort gehörte das zur Tradition.

Kater Leon packte seine Malschürze in die Tasche. Die war schon so bunt bekleckst, dass vom ursprünglichen Blumenmotiv kaum noch etwas zu sehen war. Dann machte er sich auf den Weg. Im Park erfreute er sich an den vielen Krokussen, Primeln und Schneeglöckchen, die bereits überall ihre Köpfe herausstreckten. Was für eine fröhliche Farbenpracht nach dem grauen Winter.

„Hallo Leon, hast du es eilig?“, rief ihm Stephan zu, an dessen Kaffeehaus der Kater gerade vorbeiflanierte. Er blieb stehen und hörte sich an, was Stephan ihm zu sagen hatte. „Seit einigen Tagen liegt jeden Morgen eine Überraschung vor meiner Tür. Vorgestern war es ein Sträußchen Krokusse, gestern ein buntes Osterei und heute ein kleiner Kuchen in Hasenform. Ich wüsste gern, wer mir diese netten Geschenke macht.“

„Hast du schon herumgefragt?“, erkundigte sich Kater Leon.
„Nein, ich hab noch mit niemandem darüber gesprochen“, murmelte Max.

„Hast du denn eine Vermutung, wer es sein könnte?“

Max blickte verlegen drein und räusperte sich. Dann flüsterte er: „Ich hoffe, dass die Geschenke von einem Mädchen namens Sabine sind. Sie kommt oft in mein Lokal, trinkt Cappuccino und liest. Hin und wieder wirft sie mir einen Blick zu, aber sie ist sehr schüchern, weshalb ich bis auf einige beiläufige Bemerkungen noch nie so richtig mit ihr gesprochen habe.“

„Wann kommt denn diese Sabine wieder in dein Lokal?“, fragte Kater Leon. Max blickte nervös auf seine Fingerspitzen. „Ehrlich gesagt sitzt sie gerade drinnen. Drum dachte ich … hm … dass du sie vielleicht jetzt …“, stammelte er. Kater Leon verstand und lächelte. Er würde Max gern helfen. Auch wenn dadurch das Ostereierfärben, Alma und ihre Oma mit den köstlichen Osterpinzen noch eine Weile auf ihn warten mussten.

Gemeinsam mit Max betrat der Katzenermittler das Lokal und bestellte ein Glas Milch. „Dieser Krimi hat mir sehr gefallen“, sprach er Sabine an, als er den Titel ihres Buches erkannte. Das Mädchen blickte hoch und lächelte freundlich.

„Ich mag spannende Geschichten und löse gern Rätsel“, fuhr Kater Leon fort. “Im Moment würde ich gern herausfinden, wer Max immer diese netten Geschenke macht, über die er sich so freut.“ Leon zwinkerte Max zu. Zum Glück sah Sabine nicht, dass dieser rot anlief, weil sie bereits wieder in ihrer Lektüre vertieft war.

„Gell, das sind die Schneeglöckchen, die du vorgestern gefunden hast?“, fragte Kater Leon und deutete auf eine kleine Vase.
„Hast du mir nicht vorhin erzählt, dass es Krokusse waren?“, entfuhr es Sabine. „Entschuldige, eigentlich geht mich das gar nichts an“, machte sie sofort einen Rückzieher und konzentrierte sich wieder auf ihr Buch.
„Nun, ich glaube, damit ist der Fall gelöst.“ Kater Leon zwinkerte Max zu, trank die Milch aus und machte sich endlich auf den Weg, um Ostereier zu färben.

Wodurch hat sich Sabine verraten?

 

3. Der Schinkenräuber.

Die Sonne lächelte freundlich vom Himmel. Im Garten streckten die ersten Blumen ihre Köpfe aus der Erde. Langsam zog der Frühling ins Land. „Leon, komm jetzt endlich!“, sagte Mara. Sie war schon ganz zappelig und wollte endlich ins Freie. Kater Leon hatte es damit nicht so eilig. Egal ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter, er lag am liebsten auf dem Sofa und schmökerte in einem spannenden Buch.

„In einer halben Stunde treffen wir uns mit Fridolin und Jasmin und dann gehen wir gemeinsam auf den Bauernmarkt“, versuchte Mara ihm den Spaziergang schmackhaft zu machen. Widerwillig legte Leon den Krimi weg, den er gerade las und wickelte sich den dicken Schal um. Auch wenn die Sonnenstrahlen stärker wurden, so war es dem Kater noch immer zu kalt. Also zog er sich warm an, weil er sich nicht verkühlen wollte.

Am Bauernmarkt herrschte buntes Treiben. Auf dem großen Platz standen unzählige Holztische und Bänke, die über und über mit verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten aus der Region beladen waren. Obst, Gemüse, Schinken, Speck, frisches Brot, Käse, Mehlspeisen und noch viele andere Köstlichkeiten warteten hier auf die Käufer. Die waren in Scharen gekommen und drängten sich zwischen den Ständen, um die besten Stücke zu ergattern. Einige feilschten noch mit der Bäuerin oder dem Bauern, um einen günstigeren Preis auszuhandeln. Schließlich waren alle zufrieden.

Mara entdeckte an einem Stand Erbsen. Sie liebte dieses Gemüse. Nicht nur, weil man den kleinen runden Dingern so schön nachjagen konnte. Gewöhnlich gab sie die Erbsen über Nacht in einen Topf mit Wasser. Am nächsten Tag bereitete Mara eine köstliche Suppe zu, in die sie Nockerl einkochte. Was für ein Genuss! Mara kaufte ein Päckchen Erbsen und dazu getrockneter Kräuter und Gewürze.

Leon begeisterte sich mehr für die süßen Biokuchen, die eine Bäuerin laut anpries. Sicher kostete sie ihre Mehlspeisen häufig selbst, so rund wie sie war.

Doch was war das plötzlich für ein Tumult?

„So eine Frechheit!“, hörten Kater Leon und Mara einen Verkäufer schimpfen. „Der Hund dort hat meinen Schinken gestohlen!“, jammerte der Mann, als die beiden Katzenermittler ihn fragten, was geschehen sei. Dabei deutete er mit dem Zeigefinger auf einen kleinen Pinscher, der artig vor dem Tisch seines Nachbarn saß und dreinsah, als könnte er kein Wässerchen trüben, geschweige denn einen Diebstahl begehen.

„Was reden Sie denn da?“, ärgerte sich die Hundebesitzerin. „Mein Hund klaut doch nicht. Außerdem ist er viel zu klein für so eine große Schinkenkeule“, wiegelte sie ab. Dann nahm sie ihre Einkaufstasche und ging erbost weiter. Der Hund trottete artig neben ihr her. Der Bauer sah betreten drein. „Sie hat schon recht“, gab er kleinlaut zu. „Die Keule war wirklich groß. Die hätte so ein kleiner Hund nicht ratzfatz auffressen können.“

„Vielleicht war es doch jemand anderer?“, fragte Kater Leon. „Haben Sie denn gesehen, dass es der kleine Hund war?“ Schuldbewusst senkte der Bauer den Blick. „Ich hab nur aus den Augenwinkeln einen Schatten gesehen und als ich das Fehlen des Schinkens bemerkte, intuitiv auf den Hund getippt. Aber es ist auch gut möglich, dass es irgendjemand anderer war“, gab er kleinlaut zu.

„Gibt’s heute keinen Schinken mehr?“, fragte ein junger Bursch enttäuscht.
„Wenn du einen Moment wartest, dann gibt es gleich wieder einen“, sagte Kater Leon und flüsterte Mara etwas ins Ohr. „Bist du ganz sicher?“, fragte sie. Leon nickte.

Daraufhin lief Leon der Hundebesitzerin hinterher und bat sie in ihre Einkaufstasche schauen zu dürfen. Die wollte das zunächst nicht zulassen und versteckte die Tasche hinter ihrem Rücken. Aber die wendige Mara schlich sich von hinten an, lugte hinein und zog gleich darauf triumphierend die Schinkenkeule hervor.

Warum war Kater Leon so sicher, dass die Hundebesitzerin den Schinken in der Tasche hatte?

 

4. Das zerbrochene Straußenei.

Kater Leon und Mara waren schon sehr aufgeregt. Sie durften für einen Tag in die Schule gehen! Die Werklehrerin Susanne hatte die beiden eingeladen, den kreativen Schülern über die Schulter zu schauen. Ostern stand vor der Tür und alle waren gerade emsig dabei, für diesen Anlass kleine Geschenke und Dekorationen zu basteln.

„Was meinst du, Leon, ob auch wir ein Osterei bemalen dürfen?“, fragte Mara. Leon zuckte mit den Schultern. Er hatte keine Ahnung, was im Werkunterricht so vor sich ging, aber er war sicher, dass es Spaß machen würde. Sicherheitshalber packte er seine Malschürze ein. Die war schon so bunt bekleckst, dass vom ursprünglichen Schlümpfe-Motiv kaum noch etwas zu sehen war.

Die beiden Katzen machten sich auf den Weg zur Schule. Kurz nach dem Pausenende trafen sie dort ein. Aber was war das? Anstatt fürs Osterfest zu werken, hatten sich alle Kinder um ein blondes Mädchen geschart. Lydia saß vor einem bunten Scherbenhaufen und weinte. Leon und Mara drängten sich zu ihr durch und erkannten, dass es sich bei den Bruchstücken um ein Riesenei gehandelt hatte.

„Vielleicht war das ein Drachenei?“, mutmaßte Leon aufgekratzt. Mara schüttelte den Kopf. „Ach Leon, deine Fantasie geht wieder mit dir durch. Das ist ein Straußenei. Oder besser, es war eines. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass sein Dotter der Menge von circa 24 Hühnereiern entspricht“, erklärte sie ihrem Freund. Leon staunte nicht schlecht über die Größe so eines Straußeneies.

„Ja, genau“, bestätigte Lydia. „Ich bin extra mit meinen Eltern zu einer Straußenfarm gefahren und habe eines gekauft“, erzählte sie. „Das haben wir angebohrt und Eierspeis für die ganze Familie gemacht. Ich wollte es bemalen, damit ich meiner Oma etwas Besonderes zu Ostern schenken kann. Aber als ich vom Turnen ins Klassenzimmer zurückkam, war es zerbrochen.“

„Vielleicht ist es nur umgefallen?“, rätselte Mara. So ein Luftzug konnte manchmal heimtückisch sein. „Das kann nicht sein“, widersprach Lydia. „Es stand in einer speziellen Halterung. Irgendjemand muss es herausgenommen haben.“

Stellte sich für Leon und Mara nur die Frage, wer dieser Jemand gewesen sein konnte.

„Vielleicht war es Fritz“, flüsterte Lydia ihnen zu. „Der wollte das Ei in die Hand nehmen, aber ich hab es ihm verboten.“

Die beiden Katzenermittler wandten sich an einen sommersprossigen Jungen. Fritz versicherte ihnen jedoch hoch und heilig, dass er erst nach Pausenende, also bereits nachdem Lydia das kaputte Straußenei entdeckt hatte, in den Klassenraum gekommen sei.

„Aber ihr solltet mal Birgit und Jasmin befragen“, sagte er. „Ich habe gesehen, dass die gleich nach dem Turnen in die Klasse gingen und dort ganz wild mit dem Ball gespielt haben. Vielleicht haben sie dabei das Ei kaputt gemacht.“

Mara und Leon bedankten sich für den guten Tipp. Leon ging zu Birgit und befragte sie zum Straußenei. Das Mädchen sah ihn verwundert an. „Ja, es stimmt, dass wir in der Klasse waren, aber wir haben nicht Ball gespielt. Das ist doch verboten und wir haben nicht einmal einen.“ Auch Jasmin wies jede Schuld von sich. Stotternd gestand sie den beiden Katzenermittlern, dass sie in der Pause die Mathe-Aufgabe abgeschrieben hatte. „Ihr könnt mir glauben, ich hatte wirklich keine Zeit, um Ball zu spielen, auch wenn wir einen gehabt hätten.“ Leon sah Mara an.

„Und was ist das?“ Fritz hielt einen Rucksack hoch. Birgit und Jasmin starrten entgeistert darauf und liefen rot an. Als Mara nachsehen ging, war klar, warum: In der Tasche befand sich ein roter Ball!

„Ich glaube, damit ist der Fall gelöst“, freute sich Leon und hoffte, endlich mit dem Basteln beginnen zu können. Doch Mara flüsterte ihm ihren Verdacht ins Ohr.

Wen verdächtigt Mara und warum?

 

5. Schabernack!

Was für ein Tag! Leon hatte viel zu wenig geschlafen, weil er noch unbedingt ein Buch auslesen wollte. Dann träumte er in der Nacht von Fabelwesen und sprechenden Tieren, die sich ständig gegenseitig mit dem Handy anriefen.

„Lasst mich in Ruhe“, murrte Leon, als ihn ein Klingeln aufweckte. Doch es war kein Fabelwesen, das störte, sondern der Wecker. Richtig! Heute waren Mara und er zu einer Führung im Museum eingeladen.

„Puh, schon 9 Uhr“, murmelte Leon schlaftrunken und kroch müde aus dem Bett. Hoffentlich kam er bald in die Gänge, in einer Stunde mussten sie das Haus verlassen. Aber wo war Mara? Sie hatte ihr Bett bereits gemacht und weit und breit war nichts von ihr zu sehen. Komisch. Doch Leon war zu müde, um sich über den Verbleib Maras Gedanken zu machen. Stattdessen schlurfte er in die Küche und bereitete das Frühstück zu. Der Kaffee würde ihn munter machen, war er überzeugt. Und weil man sich hin und wieder etwas gönnen sollte, rührte Leon einen Extralöffel Zucker in das Getränk.

„Riiing“, plärrte der Eierkocher, vor Schreck hätte Leon fast das Kaffeehäferl fallen lassen. Das war noch mal gut gegangen, dachte er und schreckte die Eier mit kaltem Wasser ab. Kurze Zeit später machte Leon es sich am Küchentisch gemütlich und aß sein Frühstück. Aber was war das? Der Kaffee schmeckte scheußlich. Er war nicht süß, sondern – versalzen. Die Eier schmeckten ebenso grauslich, weil sie gesüßt anstatt gesalzen waren.

„Wie konnte das passieren?“, grübelte Leon.

Wahrscheinlich hatte er in seiner Müdigkeit die Behälter vertauscht. „Sachen gibt’s“, dachte Leon, als er die Zeitung durchblätterte. Da war zu lesen, dass man künftig im Internet auch mit Kleingeld bezahlen konnte. Oder dass eine Fluglinie nun auch eine „Tier Business Class“ für den Transport von Hunden, Katzen, Vögeln, Hasen und Ziegen eingerichtet hatte. Um das Wohlbefinden der tierischen Fluggäste kümmerten sich gleich mehrere Stewardessen. Leon war nicht sicher, ob er das alles glauben sollte, was er da las.

„Wo bleibt Mara nur?“, fragte er sich nach einer Weile und sah auf die Uhr. In einer halben Stunde mussten sie los. Leon wollte die Führung im Museum auf keinen Fall versäumen. „Hoffentlich hat Mara unseren Termin nicht vergessen“, murmelte er vor sich hin. Der Kater ging sicherheitshalber ins Vorzimmer, um nachzusehen, ob Mara vielleicht eine Nachricht hinterlassen hatte.

Tatsächlich, da lag ein Stück Papier, auf den eine Notiz gekritzelt war: „Hallo, Leon, wir treffen uns im Museum. Bitte vergiss nicht, karierte Nähseide und Wasserpulver zu kaufen, und bitte ruf diese Nummer an und verlange Herrn Bär.“

Leon hatte keine Ahnung, wo er karierte Nähseide bekommen sollte, oder wer dieser Herr Bär war. Also verschob er den Anruf auf später und ging stattdessen ins Bad. Doch was war das? Aus dem Hahn rann grünes Wasser. Erschrocken fuhr Leon zurück.

Was ist denn heute nur los?, dachte er. „Ob auch das Duschwasser grün ist?“, murmelte Leon und drehte den Hahn auf. Nein, grün war das Wasser nicht, aber bräunlich und es roch … nach Pfefferminze! Und dann entdeckte Leon den Teebeutel, der mit einem Klebeband an der Brause befestigt war. Ein Verdacht machte sich in ihm breit und er schraubte den Wasserhahn vom Waschbecken ab. Siehe da, eine grüne Ostereierfärbetablette purzelte herunter. Flugs lief Leon in die Küche und auch hier bestätigte sich sein Verdacht: In der Zuckerdose war Salz und im Salzstreuer Zucker.

Als er die von Mara angegebene Telefonnummer anrief und einen Herrn Bär verlangte, wunderte er sich nicht, als sich dort ein Herr vom Zoo meldete und lachend fragte: „Wollen Sie den Panda oder den Eisbären sprechen?“ Noch bevor Leon am Kalender nachsah, wusste er, welches Datum war.

Um welchen Tag handelt es sich?

 

6. So eine Bescherung!

Leon war nicht mehr zu halten. Der Muttertag nahte und er und Mara hatten eine Einladung für eine ganz besondere Bastelstunde bekommen. Verena, eine junge Lehrerin, lud sie beide und alle Kinder der Umgebung zu einem kreativen Nachmittag ein, bei dem sie ihnen Tipps und Tricks fürs Herstellen hübscher Geschenke zeigen wollte.

Sie hatte Mara und Leon, die nur ein paar Häuser weiter wohnten, gebeten, ihr beim Ausräumen der Garage zu helfen. Die starke Mara war in ihrem Element. Fleißig half sie beim Aufbau der Tische und Bänke. Der schmächtige Leon stand derweil in der Küche und bereitete kleine Snacks vor.

Denn kreative Arbeit machte hungrig, das wusste Leon aus eigener Erfahrung. Dann platzierte er das Buffet in einer Ecke des Raumes, stellte Ketchup und zwei Krüge mit Himbeersaft und bunte Plastikbecher dazu. Verena und Mara trafen die letzten Vorbereitungen und bauten rund um den Tisch Staffeln mit Leinwänden in verschiedenen Größen auf.

Die beiden Katzen kamen aus dem Staunen nicht heraus, als Verena Reis, bunte Nudeln, Rasierschaum, Strohhalme, Kleber, Pinsel und noch viele andere Utensilien auf den großen Tisch stellte und natürlich Farben in verschiedensten Schattierungen.

Kater Leon bastelt

„Was macht man mit den bunten Nudeln?“, fragte Leon fasziniert.
„Mit denen kann man wunderbare Bilder gestalten, indem man sie auf Karton klebt. Lasst euch überraschen.“ Leon hätte am liebsten sofort begonnen, aber Verena scheuchte die beiden in die Küche.

„Ich habe einen Apfelkuchen gebacken, den müssen wir noch aufschneiden.“ Auch Mara blickte ungeduldig auf die Uhr. Ein wenig mussten sie noch Geduld haben. Brav folgten die beiden Verena in die Küche. Wie gut es dort schon duftete! Weil ihr Mara und Leon so brav geholfen hatten, gab die Lehrerin jedem von ihnen eine Kostprobe. Kaum hatten sie die Kuchenstücke auf den Tellern verteilt, läutete es. Die ersten Künstler stellten sich ein.

„Kommt rein und geht gleich in die Garage“, rief Verena durchs offene Fenster. „Die Gartentür ist offen.“ Dann gingen die drei mit Kuchen beladen in die Garage. Doch dort bot sich ihnen ein trauriger Anblick.

Alles, was sie zu dritt in zwei Stunden so liebevoll hergerichtet hatten, hatte ein Vandale binnen Minuten zerstört, die Malutensilien lagen kreuz und quer, das Buffet und einige Leinwände waren mit Ketchup verschmiert. Verena und die eingetroffenen Kinder starrten sich fassungslos an.

„Wer macht denn so was?“, stammelte die Lehrerin.

„Das war sicher die Trixi“, maulte ein Junge. „Die war so sauer auf Sie, weil Sie ihr auf die Prüfung einen Fünfer gegeben haben.“

„Das war doch bei dir auch so, Georg“, konterte Stefanie, eines der Mädchen. „Stimmt doch, der Georg war total sauer über seinen Fünfer“, wandte sie sich an die Umstehenden, die zustimmend nickten.

„Ja schon, aber deswegen würde ich mich doch nicht um einen lustigen Nachmittag bringen. Außerdem …“ Georg stockte. Mara und Leon spitzten die Ohren. Was wusste er noch?

„Außerdem habe ich gehört, wie die Trixi zu einer Freundin gesagt hat, dass ihr schon etwas einfallen wird, um den Bastelnachmittag zu boykottieren.“ Leon schüttelte den Kopf. „Wie dumm von ihr, das zu sagen. Hat sie nicht bemerkt, dass du mithörst?“

Georg winkte ab. „Trixi hat nicht auf mich geachtet, weil ich beim Buffet gestanden bin und dort herrscht immer Trubel.“ Genau in diesem Augenblick betrat Trixi die Garage und blickte entsetzt auf das Chaos. Alle starrten die vermeintliche Täterin an. Leon flüsterte Mara etwas ins Ohr.

„Wieso hast du uns den Nachmittag versaut?“, fuhr Stefanie das Mädchen böse an. Noch bevor sich Trixi rechtfertigen konnte, meldete sich Leon zu Wort. „Lasst Trixi in Ruhe. Sie hat nichts damit zu tun. Wir wissen, wer es war.“

Wen verdächtigt Leon?

  

7. Dem Pullover auf der Spur.

„Leon und Mara, ihr müsst bitte sofort zu mir kommen! Irgendwer hat meinen neuen Pullover geklaut. Bitte helft mir, ihn wiederzufinden.“ Leons und Maras Freundin Sophie war außer sich. Schließlich hatte sie lange ihr Taschengeld gespart, um das schöne Stück kaufen zu können.

Kater Leon war schon drauf und dran, loszutigern, aber Mara hatte Bedenken: „Meinst du, dass wir uns da einmischen sollen? Wir wissen ja nicht einmal, ob wir Sophie helfen können.“

Normalerweise war es immer Leon, der sehr vorsichtig und zurückhaltend war. Er plante lieber alles genau voraus, und wenn es ging, überlegte er lieber lange, bevor er etwas unternahm. In diesem Fall war es aber anders.

„Wer wagt, gewinnt“, entgegnete Leon. „Wir düsen jetzt sofort zu Sophie und hören uns an, was sie zu sagen hat. Irgendetwas wird uns dann schon einfallen!“ Die Katzendame Mara war rasch überzeugt und schon zogen die beiden los, um das Verschwinden des Kleidungsstücks aufzuklären. Wenig später zeigte ihnen Sophie den Tatort: „Hier auf der Wäscheleine ist mein schöner Pulli gehangen. Keine halbe Stunde später war er weg!“

„Und hast du einen Verdacht, wer es gewesen sein könnte?“, fragte Leon.

Mara sah sich unterdessen um und beobachtete alles ganz genau. Ein Fremder konnte es nicht gewesen sein, stellte sie fest, weil eine hohe Mauer um das Grundstück führte.

„Meine Schulkollegin Lisa war kurz da, weil sie sich ein Buch von mir ausborgen wollte. Danach kam mein Freund Felix auf einen Sprung vorbei“, erzählte Sophie.
„Aber Felix wird doch sicher keinen Mädchen-Pullover klauen!“, gab die kluge Mara sofort zu Bedenken.

„Vielleicht brauchte er ein günstiges Geschenk für irgendwen“, ließ Leon den Einwand nicht gelten. „Sag, Sophie, ist dir etwas aufgefallen? Jeder Hinweis kann uns helfen.“

„Wenn ich nachdenke, hätten beide eine Gelegenheit gehabt“, meinte Sophie. „Lisa hat im Garten gewartet, während ich ins Haus gegangen bin, um das Buch zu holen. Und für Felix musste ich ein Glas Wasser holen, weil er so durstig war.“

„Dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als den beiden einen Besuch abzustatten“, beschlossen Leon und Mara und verabschiedeten sich von Sophie. Wenig später klingelten die beiden bei Lisa.

„Hallo“, begrüßte sie Leon und Mara.

„Kann ich euch irgendwie helfen?“

„Vielleicht kannst du das“, begann Leon. „Lisa ist ein Kleidungsstück abhandengekommen und wir sind auf der Suche danach.“

„Aha, also ihr seid so etwas wie Detektive. Aber warum kommt ihr zu mir? Da seid ihr völlig falsch. Ich habe nämlich Sophies Pullover nicht geklaut. Ihr müsst mir versprechen, es Sophie nicht zu sagen, aber ich finde nicht, dass er so cool ist, wie Lisa meint. Ich würde so einen Pulli niemals anziehen“, raunte sie den beiden Katzen zu.

Das klang plausibel. Warum sollte jemand etwas klauen, was ihm nicht einmal gefiel? Also machten sich Leon und Mara als Nächstes auf den Weg zu Felix.

„Hallo, Felix! Sag, hast du vielleicht versehentlich Sophies Pullover mitgenommen?“, fragte Mara.

„Grüß euch! Sophies Pullover? Ich bitte euch – was soll ich mit einem Mädchen-Pulli anfangen?“

„Vielleicht wolltest du ihn einer Freundin schenken?“, hakte Mara nach.

„Wie bitte? Ich verschenke doch keine gebrauchten Pullover!“ Felix schüttelte verwundert den Kopf. Das klang ebenso einleuchtend wie Lisas Argument. Mara und Leon sahen sich fragend an.

„Dann muss es wohl wer anders gewesen sein“, stellten sie fest. Unverrichteter Dinge zogen sie ab. Sie wollten nochmals zu Lisa gehen und sie fragen, ob es noch einen Verdächtigen gab. Irgendwann spürte Leon, dass Mara ihn zupfte.

„Bitte, Mara lass das. Ich habe im Moment keinen Bock auf Spielchen. Ich überlege noch immer, wie wir diesen Fall lösen könnten …“

„Aber, ich weiß jetzt, wer den Pullover gestohlen hat!“, sagte Mara zufrieden grinsend.

Wer war der Dieb?

 

8. Geisterstunde in der Buchhandlung.

„Schau, Leon, hier können wir mit einer Rutsche in die Kinderbuchhandlung düsen!“ Die rot getigerte Katze Mara hüpfte aufgeregt von einem Bein aufs andere. „Komm, lass uns lieber die Treppe nehmen“, sagte Kater Leon. Wagemutig war er noch nie gewesen und so eine Rutsche war ihm nicht ganz geheuer. Doch die sportliche Mara schwang sich schon hinauf und flitzte ins untere Stockwerk der Buchhandlung. Dort landete sie weich in einem Berg Kissen.

„Das macht Spaß. Das will ich gleich noch einmal machen“, lachte sie und lief an Leon vorbei, die Treppe wieder hinauf. Und schon sauste sie nochmals auf der Rutsche hinunter.

„Wie schön!“, staunte Leon, als er mitten in der Kinderbuchhandlung stand. Was für ein großer Raum voller Regale, über und über voll mit bunten Büchern für Kinder jeden Alters. Hier ließe sich Leon gern einmal übers Wochenende einsperren. Dann würde er sich in die Kissen kuscheln und ein spannendes Abenteuer nach dem anderen bestehen.

Seitdem ihm seine Freundin Mara das Lesen beigebracht hatte, war das Eintauchen in Fantasiewelten zu einer seiner Lieblingsbeschäftigungen geworden, neben dem Schlafen und dem Essen.

Kater Leon liest

Stundenlang konnte Leon nun zu Hause in einer Ecke sitzen und in den Büchern schmöckern. Aber am liebsten löste Leon Kriminalfälle, weil die vom ersten bis zum letzten Buchstaben so spannend waren. Oft wusste Leon schon lange vor dem Ende der Lektüre, wer der Täter war. Aber trotzdem las er jedes Buch immer fertig. Denn ob er richtig lag oder nicht, erfuhr er erst, wenn er die Geschichte zu Ende gelesen hatte.

„Hallo, Mara und Leon, gut, dass ihr so schnell gekommen seid“, wurden sie von Magdalena, der Buchhändlerin begrüßt. Richtig, vor lauter Rutschen und Schwelgen in Fantasiewelten hatten die beiden fast vergessen, dass sie nicht nur zum Vergnügen hier waren. Magdalena hatte sie gerufen, weil sich seit vergangener Woche unheimliche Dinge in der Buchhandlung abspielten.

„Seit einiger Zeit fehlt jeden Morgen ein Buch. Aber im Laufe des Tages steht es plötzlich wieder da. Völlig unbeschädigt. Von unserem Team ist es aber keiner.“ Magdalena erzählte Mara und Leon, dass es sich um die Exemplare einer bekannten Jugendkrimiserie handelte.

„Aber wer außer euch kommt noch in die geschlossene Buchhandlung?“, fragte Mara verwundert. „Das ist ja das Eigenartige. Niemand hat einen Schlüssel. Es ist, als würde ein Geist ein- und ausgehen.“

Mara und Leon warfen sich Blicke zu.

Auch wenn sie schon viele Gespenstergeschichten gelesen hatten, so glaubten sie nicht, dass ein Geist die Bücher geklaut hatte. Sie beschlossen, den Platz, an dem das entwendete Buch für gewöhnlich wieder auftauchte, gut im Auge zu behalten. Es dauerte nicht lange, da hatten die beiden Detektive drei Verdächtige.

Lisa, eine Schülerin, kam jeden Tag nach der Schule in die Buchhandlung und blätterte in den Büchern. Als Leon sie fragte, warum sie denn nie eines kaufte, blickte sie traurig drein: „Ich würde ja gern, aber leider habe ich nicht genug Geld.“

„Ich würde nie etwas mitnehmen, ohne zu zahlen. Schon gar keinen Krimi“, mokierte sich eine ältere Dame, als Mara sie zum verschwundenen Kinderbuch befragte.

Auch der Geschäftsnachbar, ein Wirt, wies sofort jeden Verdacht von sich. „Zwar kann man wegen der Umbauarbeiten in unserem Lokal im Moment über den Keller in die Buchhandlung gelangen. Aber das würde ich niemals ausnutzen. Strenge Rechnung, gute Freunde“, beteuerte er. Magdalena ging zur Kellertür und tatsächlich, sie war nicht abgeschlossen.

„Also, wir wissen schon einmal, dass unser Geist über die Kellertreppe gekommen ist“, stellte Mara zufrieden fest.

„Da haben wir Glück im Unglück gehabt, dass sich jemand nur ein paar Bücher ungefragt ausgeliehen hat“, stellte Magdalena fest. „Aber wer dieser Geist war, werden wir wohl nie erfahren. Wenn ich es richtig verstanden habe, hätte in den letzten Tagen jeder durch den Keller des Wirts in unsere Buchhandlung gelangen und die Bücher kofferweise forttragen können. Heute Abend werden wir absperren.“

„Ich kann dir aber auch sagen, wer sich eure Bücher ausgeborgt hat“, meldete sich Leon zufrieden zu Wort.

Wen verdächtigt Leon?

 

9. In die Irre geführt.

Leon und Mara freuten sich auf eine geführte Abenteuerwanderung durch den Wald. An mehreren Stationen würden sie interessante Informationen über Wasser, Boden, Bäume und Tiere erfahren. „Wenn du nicht so lange getrödelt hättest, könnten wir bereits mit der ersten Gruppe gehen“, wandte sich Leon vorwurfsvoll an Mara.

„Wie oft willst du mir das noch vorhalten? Ich habe doch schon gesagt, dass es mir leidtut. Aber das Buch war gerade so spannend. Da habe ich die Zeit übersehen“, entschuldigte sich Mara zerknirscht.

Leon sah dem Besuchergrüppchen sehnsüchtig nach, das im Wald verschwand. „Was die alles vor uns entdecken werden …“, jammerte er. Walter, der Führer der ersten Gruppe und ein erfahrener Waldpädagoge hatte ihnen erklärt, dass sie große Gruppen aufteilten, weil es sonst an den einzelnen Stationen zu viel Gedränge gab.

Da die beiden Katzen zu spät eingetroffen waren, mussten sie nun mit der zweiten Gruppe gehen, die von Martin, einem Studenten und blutigen Anfänger begleitet wurde.

Doch dann war es auch für sie so weit. Mara schickte einen dankbaren Blick zum Himmel. Endlich, so dachte sie, würde Leon zu jammern aufhören.

„Mara, schau, das riesige Wasserrad!“, rief Leon begeistert. Auch die anderen Teilnehmer – zwei Familien mit mehreren Kindern – staunten. Weiter ging es auf dem Waldweg.

Martin machte sie auf Tierspuren aufmerksam, erklärte verschiedene Holzarten und erzählte über die Bedeutung des Waldes als Lebensraum für Tier und Mensch. Mara und die anderen hörten aufmerksam zu, während Leon schon wieder herumzappelte. „Wann kommen wir zum Baumtelefon?“, wollte er wissen. Leon hatte darüber im Internet gelesen. Angeblich sprach man in ein Rohr und jemand anders, der weit entfernt bei einem Loch stand, konnte die Worte hören.

„Bei der nächsten Station“, antwortete Martin. „Immer den Pfeilen nach.“ Der Student deutete auf einen Wegweiser, der bei einer Gabelung die Richtung anzeigte.

Doch was war das?

Der Waldweg wurde immer schmaler und mündete schließlich in eine Lichtung. „Immer geradeaus“, versicherte ihnen der Student, doch als nach einer Viertelstunde die nächste Station noch immer nicht in Sicht war, und schon gar kein Baumtelefon, wurde auch er unsicher.

„Wir könnten den Weg zurückgehen“, schlug Leon vor. Doch Mara schüttelte den Kopf. „An diesem Baum sind wir schon zweimal vorbeigekommen. Das heißt, wir laufen im Kreis. Ohne Hilfe finden wir hier nie mehr hinaus.“ Glück im Unglück: Martins Handy hatte Empfang und wenig später stieß Walter samt Anhang zu ihnen und führte sie auf den richtigen Weg zurück.

„Na, da habt ihr aber eine richtige Abenteuerwanderung gemacht“, lachte Peter, ein Junge aus der ersten Gruppe, schadenfroh.

„Mach dich nicht auf Kosten anderer lustig. Wahrscheinlich hast du den Wegweiser umgedreht, damit er in die falsche Richtung zeigt und die Nächsten in die Irre führt“, wies ihn seine Schwester Patrizia zurecht.

Walter begutachtete den Wegweiser. „Du hast recht“, nickte er zustimmend. „Jemand muss hinter mir den Pfeil umgedreht haben. Mir wäre das sonst sofort aufgefallen und ich hätte ihn wieder gerichtet. Kein Wunder, dass sich Martin verlaufen hat.“

„Das kann nur einer von euch gewesen sein. Oder warum habt ihr sonst ständig gekichert?“, fuhr ein Mädchen namens Miriam die Burschen an.

Peter, Florian und Stefan wiesen jede Schuld von sich. „Wir haben über ein Posting auf Facebook gelacht, das uns Stefan auf seinem Handy gezeigt hat“, rechtfertigte sich Peter.

„Das glaub ich ihm nicht“, raunte Leon in Maras Ohr.

„Die Jugendlichen werden doch nicht im Internet surfen, wenn sie hier im wirklichen Leben so viel Interessantes erleben können.“

Mara sah ihn ernst an. „Du wirst es auch nicht glauben, wenn ich dir sage, wer der Täter war.“

 Wen verdächtigt Mara?

 

10. Lindas Geburtstagsstrauß.

Es war ein sonniger Tag. Genau richtig, um endlich wieder einmal den Garten auf Vordermann zu bringen. Als Mara und Kater Leon wenig später im Garten das Unkraut jäteten und die Blumen gossen, staunten sie nicht schlecht, als ein großer Wagen vor dem gegenüberliegenden Haus hielt.

Der Fahrer trug einen regenbogenfarbenen Overall und auf dem Kopf einen Hut mit bunten Blumen. Er zog sich Rollschuhe an, glitt zur Gartentür und klingelte an. In der Hand hielt er einen großen Blumenstrauß.

„Wer ist da?“, hörten Mara und Leon die Nachbarin über die Sprechanlage fragen.

„Ich bringe einen Geburtstagsstrauß für Linda“, antwortete der Mann. Gleich darauf schnarrte der Türöffner und der Blumenbote bahnte sich seinen Weg an Rosensträuchern und Blumenbeeten vorbei zur Eingangstür.

Mittlerweile war seine Ankunft auch anderen Bewohnern aufgefallen. Schließlich sah man in der Wohnstraße nicht oft jemanden in einem solchen Aufzug.

Neugierig blickten die Nachbarn über die Gartenzäune, einige schmunzelten.

„Wusstest du, dass Linda heute Geburtstag hat?“, fragte Mara. „Natürlich! Wir sind doch zu ihrer Feier am Nachmittag eingeladen. Hast du das vergessen?“, erinnerte sie Leon.

Die beiden Katzen beobachteten, wie Linda die Eingangstür öffnete. Der Bote überreichte ihr den Blumenstrauß und sang ihr ein Ständchen, das er mit akrobatischen Tanzfiguren untermalte.

Als er fertig war, applaudierten die Nachbarn und riefen: „Hoch soll sie leben!“ Linda lächelte verduzt, aber glücklich. Als der Bote weg war, machten auch Mara und Leon dem Geburtstagskind ihrerseits ihre Aufwartung. Die Blumen aus ihrem Garten waren zwar nicht so schön wie der Strauß, den Linda soeben bekommen hatte, aber die Freundin freute sich trotzdem sehr.

„Habt ihr eine Ahnung, von wem dieser schöne Blumenstrauß ist?“, fragte sie und sah sich um. „Der Bote hat gesagt, dass sie von einem heimlichen Verehrer stammen.“ Mara und Leon schüttelten die Köpfe. „Hast du denn gar keine Vermutung?“

Linda senkte verlegen den Blick.

„Wenn ihr mir versprecht, es niemandem zu verraten …“ Mara und Leon gaben dem Geburtstagskind ihr Ehrenwort.

„Vielleicht ist der Strauß von Jakob. Zumindest würde ich mir das wünschen“, flüsterte sie. „Aber ich würde mich nie zu fragen getrauen.“ Jakob war gleich alt wie Linda und wohnte im Haus nebenan.

„Lass uns nur machen. Das finden wir sicher rasch heraus“, versprach Mara und schon eilte sie zum Nachbarhaus, wo sie Sturm läutete. Linda und Leon wären am liebsten im Erdboden versunken. Doch weil das nicht ging, verschwanden sie im Vorraum des Hauses. Die Eingangstür ließen sie aber offen, damit sie hören konnten, was Jakob sagte.

„Hallo Jakob, hast du Linda einen tollen Blumenstrauß geschickt?“

„Hallo, Mara! Wie? Warum sollte ich Linda einen Blumenboten schicken? Gäbe es denn dazu einen Anlass?“, fragte er verwundert.

„Wir dachten nur …“ Mara blickte zu Lindas Haus, doch dort war niemand zu sehen. Sie hatte Linda ihr Ehrenwort gegeben, ihre Vermutung nicht zu verraten. „Entschuldige, Jakob, da habe ich mich wohl geirrt. Ich dachte nur … Aber es wird wohl jemand anders gewesen sein …“, versuchte sich Mara herauszureden.

„Schon gut, Mara, kein Problem. Sehen wir uns dann eh am Nachmittag bei Lindas Geburtstagsfeier?“ Mara nickte und kehrte zu Linda und Leon zurück.

„Schade“, sagte Linda und sah enttäuscht drein, dass es nicht Jakob war, der ihr den Blumenboten geschickt hatte.

„Keine Sorge, Linda, er war es schon“, sagte Leon und schmunzelte.

 Was macht Leon so sicher?

 

11. Sattelfest.

Kater Leon und Mara standen vor dem Haus und waren schon sehr aufgeregt. Ihre Freundin Sarah hatte sie in den Reitstall eingeladen, um ihnen bei einem Rundgang die Pferde und die Ställe zu zeigen.

Sarah war seit Langem eine begeisterte Reiterin. Mittlerweile war sie elf Jahre alt und konnte bereits über Hindernisse springen.

Vor wenigen Tagen hatte sie Mara und Leon ihre neue Reitbekleidung präsentiert.

Weil ihre alten Sachen zu klein geworden waren, durfte sie sich einen neuen Helm, Reitstiefel und eine schicke Reithose aussuchen. Auch eine passende Sicherheitsweste hatte Sarah bekommen, damit ihre Wirbelsäule so gut wie möglich geschützt war, falls sie einmal vom Pferd fallen sollte. Das konnte dem besten Reiter passieren.

Besonders freute sich Sarah über einen Sweater und eine Jacke in ihrer Lieblingsfarbe Petrol, die beide mit dem Logo des Reitstalls bedruckt waren. Und schon hörten Leon und Mara eine Autohupe.

„Komm, Leon, Sarah ist schon da. Wir müssen uns beeilen.“ Ungeduldig hüpfte Mara von einem Bein auf das andere. Gleich darauf stiegen die beiden ins Auto von Sarahs Mutter.

Ihre Freundin hatte bis auf den Helm und die Sicherheitsweste die neue Reitbekleidung an und sah richtig sportlich aus.

„Vielleicht kann ich Vroni überreden, dass auch ihr eine Runde reiten dürft“, sagte Sarah. Vroni war die Reitstallbesitzerin und Sarahs Reitlehrerin.

„Ach, wie großartig“, jubelte die sportliche Mara. „Ich wollte immer schon auf einem Pferd reiten.“

„Nur das nicht“, antwortete Leon erschrocken. Er würde sich hüten, auf so ein großes Tier zu steigen. Die waren ihm nicht geheuer: Vorne bissen sie, hinten traten sie und in der Mitte fiel man herunter. Nein, das war viel zu gefährlich.

Abgesehen davon, dass Leon sich nicht vorstellen konnte, überhaupt auf so ein riesiges Pferd hinaufzukommen und schon gar nicht, oben zu bleiben. „Mach dir keine Sorgen, Leon“, sagte Sarahs Mutter. „Du darfst auf einem Pony reiten und natürlich bekommst du von Vroni einen Helm und eine Sicherheitsweste.“

„Es wird dir bestimmt großen Spaß machen“, versicherte Sarah.

Bald kamen die vier beim Reitstall an. Wie grün es hier war.

Vroni lief ihnen aufgeregt entgegen.

„Stellt euch vor, gerade eben habe ich bemerkt, dass jemand bei mir eingebrochen ist und alle Sättel gestohlen hat. Wenn ich die nicht bald finde, muss ich zusperren“, jammerte die Reitstallbesitzerin.

„Ich kann doch keine Reitstunden abhalten, wenn ich keine Sättel habe und im Moment habe ich nicht so viel Geld, dass ich mir neue kaufen kann.“

„Hast du einen Verdacht?“, fragte Leon. Vroni druckste herum. „Nun, ich will über niemanden etwas Schlechtes sagen, aber …“ Leon und Mara blickten sie aufmerksam an.

„Es gibt gleich nebenan einen anderen Reitstall. Der Besitzer, der Michael, hat damals, als ich mich hier angesiedelt habe, überall schlecht über mich gesprochen, weil er Angst hatte, dass ich ihm seine Kunden wegnehme. Aber das ist schon lange her.“

„Wo finden wir seinen Reitstall?“ fragte Mara.

„Einen Kilometer die Straße hinauf“, sage Vroni. „Aber ich bitte euch, sagt Michael nicht, was ich euch erzählt habe. Sonst wird er sauer und macht mir das Leben schwer.“ Kater Leon und Mara gaben ihr feierliches Ehrenwort. Sie spazierten die Landstraße entlang und atmeten die gute Luft tief ein. Wenig später erreichten sie ihr Ziel.

„Hallo“, wurden sie begrüßt. „Ich bin der Michael. Wollt ihr reiten?“
„Ich weiß nicht. Da vorn war ein anderer Reitstall, wo es auch Ponys gab“, sagte Leon.

„Keine Angst, ich helfe dir schon hinauf und glaub mir, das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. So ein Pony ist doch nur etwas für ganz kleine Kinder. Außerdem habe ich erfahren, dass die Reitstallbesitzerin momentan keine Reitstunden abhalten kann, weil ihr die Sättel gestohlen wurden.“

„Ach, woher wissen Sie denn das?“, fragte Mara und glaubte schon, den Täter gefunden zu haben. Der Reitstallbesitzer lachte. „Na, darüber redet doch schon das ganze Dorf.“ Mara blickte enttäuscht drein. Michael hatte recht. Solche Nachrichten verbreiteten sich am Land wie ein Lauffeuer. „Also, wollt ihr jetzt reiten?“

Leon und Mara winkten ab. „Aber danke für Ihr Angebot.“
„Schade, dass wir ihn nicht überführen konnten“, bedauerte Leon, als die beiden zurück zu Vronis Reitstall gingen.
„Konnten wir doch“, grinste Mara.

Warum glaubt Mara, dass es Michael war?

  

12. Ballettgeflüster.

Kater Leon konnte zwar große Sprünge machen, weil seine Beine so lang waren, aber ihm fehlte die notwendige Grazie, um bei Ballettübungen eine gute Figur zu machen. Die anmutige Mara tat sich in der Ballettstunde um vieles leichter und man sah ihr an, dass ihr das Tanzen Spaß machte.

Ihre Freundin Elena hatte sie überredet, sie zu einem Schnuppertraining zu begleiten, und Leon war mit gemischten Gefühlen ihrer Bitte nachgekommen.

„Ich bin sicher, dass euch das Ballett gut gefallen wird“, hatte sie den beiden Katzenfreunden versichert.

„Aber ich will auf keinen Fall so ein Tüllröckchen anziehen“, sträubte sich Leon. Elena lachte und versicherte ihnen hoch und heilig, dass sie kein Tutu, sondern nur Turnhosen anzuziehen brauchten. Nun standen Leon und Mara zusammen mit den anderen Kindern im großen Ballettsaal mit dem glänzenden Parkettboden, auf dem man so wunderbar herumrutschen konnte. Zwei der Wände waren verspiegelt. So konnten sie jede ihrer Bewegungen genau sehen.

„Das ist wichtig, damit ihr eure Haltung korrigieren könnt“, erklärte die Tanzlehrerin Sandrine. Sie musste schon viele Ballettübungen vor dem Spiegel gemacht haben, so elegant, wie sie sich bewegte. Ihr blonder Pferdeschwanz wippte bei jedem Schritt mit.

„Ballett ist die Kunst, mit Musik und Tanz eine Geschichte zu erzählen“, erklärte Sandrine.

Leon wäre trotzdem viel lieber auf dem Sofa gelegen und hätte in einem Buch geschmökert, anstatt hier herumzuhopsen. So viel stand schon mal fest: Mit seinen plumpen Bewegungen, die er im Spiegel sah, würde er so bald zu keinem berühmten Balletttänzer werden.

Zunächst zeigte ihnen Sandrine die fünf Positionen. Fast wäre die eifrige Mara umgefallen, als sie versuchte, ihre Pfoten in die erste Position zu bringen, bei der sich die nach außen gedrehten Füße an der Ferse berühren. Leon versuchte das erst gar nicht. Wahrscheinlich wäre er umgekugelt.

Die Anweisungen der Tanzlehrerin verstanden sie auch nicht alle, weil die Ballettfiguren französische Bezeichnungen hatten. Kniebeuge hieß hier „Plié“ und die Drehung auf einem Bein „Pirouette“. Leon und Mara bemühten sich, eine „Arabesque“ zu machen: Auf einem Bein stehend streckten sie das andere nach hinten aus, was Leon nicht gelingen wollte.

Plötzlich riss ein Mädchen die Tür zum Ballettsaal auf.

„Jemand hat die Blumen von meinem Tutu abgerissen!“, rief sie. Sandrine unterbrach den Unterricht.

„Martha, du sprichst hoffentlich nicht von dem Rock für unsere morgige Aufführung?“, fragte sie. Das Mädchen nickte bekümmert. „Doch, von genau dem. Meine Mutter ist stundenlang gesessen, um die Blüten zu nähen …“

„Jetzt mach nicht so ein Theater“, sagte Tina, ein Mädchen mit langem Zopf. Sie verzog verächtlich das Gesicht. „Wahrscheinlich sieht dein Tutu ohne diese selbst genähten Sonnenblumen sogar besser aus.“

„Tina, reiß dich zusammen. Nicht jeder hat so wohlhabende Eltern wie du, die dir alles, was dein Herz begehrt, kaufen können“, wurde sie von Kathi, einem Mädchen mit Stirnfransen zurechtgewiesen. Tina drehte sich wortlos um, legte ihr Bein auf die Stange vor dem Spiegel und dehnte es.

„Ignorier sie“, flüsterte Kathi Martha zu. „Die ist ja nur neidisch, weil deine Mutter immer so viel für dich macht. Tina kann sich zwar alles kaufen, aber ihre Eltern haben kaum Zeit für sie.“

Mara und Leon wechselten einen Blick und gingen zu Tina. Die machte stur ihre Übungen vor dem Spiegel und tat, als ginge sie die ganze Aufregung nichts an.

„Wieso hast du die Blüten abgerissen?“, fragte Leon das Mädchen.
„Spinnt ihr? Ich vergreif mich doch nicht an so hässlichen Blüten. Meine Eltern haben meine extra bei einem Schneider anfertigen lassen …“
„Tina, leugnen ist zwecklos. Du hast dich vorhin verraten“, sagte Mara.

Wodurch hat sich Tina verraten?

 

13. Das verschwundene Handy.

Dieses Jahr hatten sich Kater Leon und Mara etwas Besonderes für den Frühlingsanfang ausgedacht. Die beiden wollten ihre Freunde mit einer gemeinsamen Schnitzeljagd im Park überraschen. Seit Tagen malten sie Schatzkarten und dachten sich kryptische Hinweise aus. Nun überlegten sie, wo sie diese am Besten verstecken sollten.

„Komm, lass uns in den Park gehen“, schlug Mara vor. Ihr machte es keinen Spaß, sich alles nur in Gedanken vorzustellen und zu planen. Sie gehörte nun mal zu jenen, die immer gleich alles gern ausprobierten und unmittelbar in Augenschein nahmen.

„Aber es regnet doch“, gab Leon zu bedenken. Der Kater wäre viel lieber zu Hause im Trockenen geblieben und hätte sich die tollsten Abenteuer im gemütlichen Wohnzimmer ausgedacht. Doch die energiegeladene Mara ließ ihm keine Ruhe. Sie wollte hinaus, egal ob es draußen regnete oder nicht.

Wie hieß es doch? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Also brachte sie Leon die bunten Gummistiefel und den Regenmantel. Seufzend ergab sich der in sein Schicksal. Manchmal kann Mara ganz schön anstrengend sein, dachte Leon, aber das hätte er nie laut ausgesprochen.

„Ach, jetzt habe ich mein Handy vergessen“, sagte er zu Mara, als er endlich in voller Regenmontur im Vorgarten stand, wo Mara schon ungeduldig von einem Bein aufs andere zappelte, mit dem aufgespannten Schirm über der Schulter.

„Wofür brauchst du denn jetzt dein Handy?“

„Na, wer weiß, vielleicht ruft mich wer an. Und ich könnte die Stellen, wo wir unsere Hinweise verstecken wollen, fotografieren …“, antwortete Leon und lief zurück ins Haus. Keine Minute später stand er wieder mit leeren Händen vor der Tür. „Ich kann das Handy nirgends finden.“

„Das gibt es doch nicht, hast du auch genau geschaut?“, fragte Mara. Sie wusste aus eigener Erfahrung zu gut, dass man immer wieder Sachen übersah oder nicht finden konnte, wenn man schusselig war. „Klar hab ich. Aber es steckt weder in der Ladestation noch liegt es auf der Vorzimmerkommode.“

Wo war das Handy?

Nun ging auch Mara ins Haus zurück, aber auch sie konnte das Handy nicht finden. Die beiden Katzen suchten alles ab, doch das Mobiltelefon tauchte nicht auf. Die beiden überlegten fieberhaft, wo es sein könnte.

„Gestern Abend hab ich mit Anna telefoniert und dann hab ich es in die Ladestation gestellt“, erinnerte sich Leon. „Glaubst du das oder weißt du es sicher?“, fragte Mara nach. „Natürlich weiß ich das sicher. Oder denkst du, dass ich nicht mehr weiß, was ich tue?“, konterte Leon beleidigt.

„Jetzt sei nicht eingeschnappt. Ich will dir ja nur helfen. Und manchmal bist du ziemlich zerstreut. Erinnerst du dich, dass wir deine Sonnenbrille einmal im Kühlschrank gefunden haben?“

„Damals war ich in ein spannendes Buch vertieft … Aber diesmal habe ich nicht gelesen. Ich kann mich ganz genau erinnern, dass ich es in die Ladestation gestellt habe.“

„Bist du sicher, dass du es nachher nicht nochmals benutzt hast?“ Leon dachte nach, dann schüttelte er verneinend den Kopf.

„Vielleicht hat es der Postbote genommen, der heute Morgen den Brief von Martina gebracht hat?“, suchte er nach einer Lösung für das Verschwinden des Handys.

„Aber der kam doch gar nicht ins Vorzimmer, sondern hat mir die Post an der Gartentür gegeben“, schloss Mara diese Möglichkeit sofort aus.

In diesem Augenblick kam ihr Freund Peter des Weges. „Was treibt ihr denn bei diesem Regenwetter? Ihr wollt doch nicht etwa spazieren gehen? Also, ich hätte Lust auf einen gemütlichen Spielenachmittag.“

„Wir haben leider keine Zeit.“ Mara und Leon erzählten ihm, dass das Handy auf rätselhafte Weise verschwunden und unauffindbar war. Peter zückte sein Telefon. „Das ist nun wirklich kein Problem!“, sagte er und tippte emsig darauf herum.

Leon und Mara blickten sich verdutzt an. Dann lachten sie. „Ach du meine Güte, dass wir da nicht selbst darauf gekommen sind!“

 Worauf hätten Leon und Mara selbst kommen sollen?

   

14. Im Zirkus ist was los.

Endlich war der Zirkus in der Stadt. Das große Zelt mit den blauen Streifen war auf einer Grünfläche etwas außerhalb des Zentrums aufgebaut. Drumherum standen Wohnwagen und Transportfahrzeuge. Lamas und Pferde lugten neugierig über den Zaun oder knabberten an Grashalmen. Mara und Kater Leon hatten schon seit Tagen auf die Eröffnungsvorstellung gewartet. Nun war es endlich so weit.

Die beiden kauften ihre Karten bei der dicken Dame im Kassenhäuschen und ein Clown in bunter Montur und mit roter Nase zeigte ihnen die Sitzreihe. Bald darauf ertönte der Gong und der Zirkusdirektor im schwarzen Frack lüftete seinen Zylinderhut und begrüßte das Publikum.

Dann ging es los. Pferde mit bunten Federn am Kopf trabten brav im Kreis durch die Manege. Auf ihren Rücken führten Akrobaten alle möglichen Kunststücke vor. Ihnen folgten Kamele und Hunde. Sogar Ziegen gehörten zum Programm.

Als hoch oben in der Kuppel des Zirkuszelts Seiltänzer turnten, stockte Mara und Leon so manches Mal der Atem. Während eines größeren Umbaus sorgten Clowns dafür, dass dem Publikum nicht langweilig wurde.

Einer von ihnen lief in den hinteren Zuschauerbänken umher und trieb allen möglichen Schabernack mit den Besuchern. Einem Herrn setzte er einen blauen Hut auf, Mara und Leon tutete er mit einer bunten Tröte ins Ohr und kitzelte sie, eine mollige Dame umarmte er und einen Buben zog er an den Haaren. Bei so viel Ablenkung verging den beiden Katzen die Zeit bis zur nächsten Attraktion wie im Flug.

In der großen Pause wollten sich die beiden eine große Tüte Popcorn und Limonade gönnen, um sich für den zweiten Teil der Zirkusvorstellung zu stärken. Doch wo war die Geldbörse geblieben? Leon kramte in seinem Rucksack, aber er konnte das Geld nicht finden. Hinter ihnen hörten sie eine Frau ebenfalls jammern: „Ich finde das Geld fürs Eis nicht mehr“. Es war die mollige Dame, die vorhin vom Clown umarmt worden war.

„Mein Geld ist auch weg!“, hörten Mara und Leon einen Burschen schimpfen und wunderten sich nicht, dass es derselbe war, an dessen Haaren der Zirkusschelm gezogen hatte. Als dann auch noch der Herr, der vorhin den blauen Hut verpasst bekommen hatte, ebenfalls bemerkte, dass sein Portemonnaie weg war, fühlten sich Leon und Mara bestätigt: Der Clown musste ein Dieb sein! Rasch gingen sie zum Zirkusdirektor, erzählten ihm von dem Vorfall und baten ihn, sie zu dem Clown zu führen.

Der Direktor sah sie verduzt an.

„Wir haben in unserem Programm keine Nummer mit einem Clown, der durch die hinteren Zuschauerbänke spaziert und Schabernack mit dem Publikum treibt“, sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf.

„Jetzt ist mir alles klar“, stellte Leon fest. „Ich habe mich schon gewundert, warum der Clown zwar geschminkt war und eine rote Perücke trug, aber mit Jeans und einem schwarzen T-Shirt bekleidet war, anstatt mit so einem typischen bunten und übergroßen Anzug …“

Die beiden Katzenermittler nutzten den Rest der Pause, um sich umzusehen. Gleich mehrere Personen trugen Jeans. Ein paar von ihnen schloss er aber gleich aus. Weder das spindeldürre Mädchen noch die ältere Dame noch der kleine Bub passten ins Täterprofil. Aber zwei Verdächtige gab es: ein Bursch und ein Mädchen, die beide von der Statur her passten. Leon und Mara schauten, ob sie noch Spuren von Schminke in ihren Gesichtern entdecken konnten, aber wenn einer von ihnen der Dieb war, hatte er sich inzwischen gut abgeschminkt.

Mara sprach den Bursch an: „Hast du den Clown gesehen, der in den hinteren Reihen das Publikum unterhalten hat?“ Er sah sie überrascht an.

„Clown? Nein, tut mir leid. Ich habe heute noch gar keinen Clown gesehen. Wann sagtest du, hatte der seinen Auftritt?“

Das Mädchen nickte zustimmend, als sie ihnen die gleiche Frage stellten. „Also ich hab die Clowns in der Manege gesehen. Nur öde Nummern haben die gebracht. Ich frag euch, was soll daran bitte lustig sein, wenn einer über den anderen purzelt?“

„Also, ich hätte da einen Verdacht“, flüsterte Leon Mara ins Ohr.

Wer hat sich verdächtig gemacht?

 

15. Meerschweinchenalarm!

Mara freute sich schon auf die große Meerschweinchenschau, die an diesem Wochenende stattfand. Große und kleine Besitzer zeigten hier voller Stolz ihre kuscheligen Haustiere, die gar so herzig anzusehen waren.

Auch Tina, eine ihrer Freundinnen, würde da sein und ihren Zorro präsentieren, ein besonders hübsches Exemplar eines Rosetten-Meerschweinchens mit den typischen Haarwirbeln.

Neben den vielen Kurz- und Langhaarrassen, die es zu bestaunen gab, wurden interessante Vorträge und Informationen rund um die haarigen Gesellen angeboten. So erzählte etwa eine Frau Doktor über die artgerechte Ernährung und weihte alle, die es interessierte, in die Sprache der Meerschweinchen ein.

Kater Leon war jedoch skeptisch. Er hatte einmal eine unangenehme Begegnung mit Zorro gehabt. Als Tina den beiden Freunden ihr Meerschweinchen zeigte, fand dieses an Leons Katzenhaaren großen Gefallen. Es schnappte blitzschnell zu und ein Büschel von Leons Haaren war ab.

Tina hatte einen Schrei losgelassen und versucht, Zorro die Haare zu entreißen: „Jetzt gib schon her! Oder willst du krank werden?“ Aber das Meerschweinchen kaute und kaute.

Es dachte gar nicht daran, seine Beute wieder herzugeben. Je mehr Tina daran zog, umso mehr presste Zorro Zähne und Lippen zusammen, sodass er ein ganz spitzes Gesicht bekam. Erst als Tina ihn fest anpustete, ließ er die geraubten Haare wieder los.

Als Leon in den Spiegel blickte, stellte er fest, dass der kleine Kerl ihm einen ungewollten Stufenschnitt verpasst hatte. Seitdem ging er auf Distanz mit diesen kauwütigen Nagetieren, deren Schneidezähne jede Woche um zwei Millimeter wuchsen.

Als Mara und Leon zu Tinas Stand kamen, saß die Freundin traurig dort. „Stellt euch vor. Jemand hat Zorros Haarwirbel abgeschnitten, während ich kurz weg war“, jammerte sie. „Schaut nur, wie er jetzt aussieht. Nun haben wir keine Chance mehr, den Liebhaberwettbewerb zu gewinnen.“

Leon fielen die eigenen abgebissenen Haare ein und kurz dachte er, dass es vielleicht doch eine ausgleichende Gerechtigkeit gab. Aber Tina tat ihm leid. Schließlich konnte die Freundin nichts für die Beißwut ihres Zorros.

„Wir werden den Täter schon finden“, versicherten Mara und Leon.

Tina erzählte ihnen, dass sie vor ungefähr einer Viertelstunde Hände waschen gewesen war, während ihr Standnachbar Sebastian auf Zorro aufpasste. Also fragten Mara und Leon zunächst ihn, ob er etwas gesehen hatte.

Sebastian zuckte mit den Schultern.

„Ich war abgelenkt, weil mir ein Freund sein neues iPhone gezeigt hat. Tut mir echt leid, dass ich nichts bemerkt habe. Aber fragt mal die Luisa. Die ist ja immer so eifersüchtig auf die Tina.“

Als Leon Sebastians mickriges Meerschweinchen erblickte, war er nicht sicher, ob nicht eher Sebastian auf Zorro eifersüchtig war. Die drei fanden Luisa im anderen Teil der Halle. Sie reagierte verdutzt, als Mara und Leon sie fragten, wo sie in der letzten halben Stunde gewesen sei.

„Na, hier am Stand bei meinem Gulliver natürlich. Den lasse ich doch keine Sekunde aus den Augen“, gab sie zur Antwort. „Schaut ihn nur an, wie schön er ist. Eine ganz neue und seltene Rasse – ein Lunkarya Meerschweinchen. Ich muss keinem Kontrahenten die Haare abschneiden, um diesen Wettbewerb zu gewinnen.“

Enttäuscht wandte sich Tina ab. „Sie hat schon recht. Wenn ich mir ihren Gulliver im Vergleich zu Zorro ansehe, muss ich zugeben, dass er den ersten Platz verdient – selbst wenn Zorro seine Haarpracht noch hätte …“

Schon wollten die drei unverrichteter Dinge abziehen, aber dann fiel Leon doch noch auf, wer der Täter war.

Wer war der Täter und wodurch hat er sich verraten? 

 

16. Pinguine im Visier.

Kater Leon und Mara waren seit in der Früh auf den Beinen. So ein Ausflug in den Zoo war ganz schön aufregend. Vor allem die Jungtiere hatten es den beiden angetan und die fröhlichen Affen, die sich mühelos von einem Ast zum anderen schwangen. So gelenkig Leon auch war, das hätte er nie und nimmer geschafft und nicht einmal die sportliche Mara konnte da mithalten.

„Mara, ich bin müde! Setzen wir uns hier auf die Bank und rasten wir uns ein wenig aus“, sagte Leon und gähnte. Mara nickte. „Von hier können wir den Tigern, Elefanten und Giraffen zusehen und anschließend gehen wir zu den Pinguinen“, sagte sie. Die Pinguine waren für Leon immer ein besonderes Highlight jedes Zoobesuchs. Für gewöhnlich. Doch diesmal war etwas anders als sonst.

„Hey, ihr da, habt ihr gesehen, wer die ganzen Tintenfische geklaut hat, die der Wärter heute ins Wasserbecken geworfen hat?“, wurde Leon von einem der Pinguine direkt angesprochen. Er schüttelte bedauernd den Kopf.

„Seit einiger Zeit treibt hier ein Fischräuber sein Unwesen. Aber wir kommen immer zu spät“, klagte ihnen Max, der Pinguin, sein Leid.

„Hast du einen Verdacht?“, fragte Leon.

Der Pinguin überlegte. „Hm, da wäre mal Tom, der Angeber. Dann Miriam, die olle Zicke. Und dann noch Bert. Der tut zwar ganz auf Familie und so, als könnte er kein Wässerchen trüben, aber zuzutrauen ist es auch ihm“, zählte der Vogel im Frack alle Verdächtigen auf.

Mara und Leon ließen sich von Max beschreiben, wo sich die möglichen Täter aufhielten. Als Ersten befragten sie Tom, der so dick war, dass er den Eingang einer kleinen Höhle ausfüllte und voller Inbrunst vor sich hinschrie. Wohl um die Pinguinmädchen zu beeindrucken, die ihn aus angemessener Entfernung anhimmelten. Tom schüttelte verärgert den Kopf.

„Wer sagt denn so etwas Blödes? Ich und Fisch klauen? Als ob ich das nötig hätte.“ Dabei deutete er auf seine stattliche Wampe, die für Kater Leon eher ein Motiv als ein Alibi war. „Frag doch lieber mal Bert dort drüben. Seine Gefährtin erwartet Nachwuchs. Da könnte ich mir gut vorstellen, dass sie sich auch den einen oder anderen Extra-Fisch einverleiben will.“

Bert stand stolz auf seinem Nistplatz. „Bald ist es soweit“, sagte er aufgeregt, als die beiden Ermittler sich näherten. Als Mara ihn fragte, ob er vielleicht mehr Fisch benötigte, weil er Nachwuchs erwartete, schüttelte der Pinguin den Kopf.

„Nein, wir haben hier immer genug zu fressen. Da brauchen wir die paar Fische, die der Wärter ins Wasserbecken schmeißt, nicht zu stehlen. Aber hast du schon einmal Max gefragt? Der will sich ständig ein Weibchen angeln. Vielleicht wollte er das eine oder andere mit Fischen bezirzen. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.“ Er gab Laute von sich, die wie Lachen klangen.

Bevor die beiden Katzenermittler zu Max zurückgehen und ihn fragen konnten, stand plötzlich Miriam die Zicke vor ihnen.

„Bist du das, die ständig die Extraportionen Fisch allein frisst?“, fragte Mara unverblümt.

„Was soll ich damit?“, konterte Mara schnippisch. „Ich möchte doch nicht dick werden. Außerdem kriegen wir immer genug zu fressen. Da muss ich doch keinen Tintenfisch klauen.“ Die unfreundliche Art, mit der sie das sagte, erklärte ihren Beinamen.

Mara und Leon gingen zu Max zurück. Vielleicht hatte er nur die anderen verdächtigt, um von sich abzulenken? Doch der Pinguin bestritt vehement, dass er mit dem Verschwinden der Fische etwas zu tun hatte. „Mal ehrlich: Hätte ich zwei Meisterdetektive wie euch gebeten den Dieb zu finden, wenn ich selbst die Fische geklaut hätte?“, fragte er. „Schade, dass nicht einmal ihr den Täter überführen konntet.“ Max senkte enttäuscht den Kopf.

Auch Kater Leon schaute geknickt drein.

„Wer sagt den so etwas? Natürlich wissen wir, wer der Fischdieb ist!“, meldete sich Mara zu Wort und zwinkerte Leon zu.

Welcher Pinguin ist der Fischdieb?

  

17. Die kaputte Violine.

Kater Leon und Mara kamen aus dem Staunen nicht heraus. Ihre Freundin Charlotte hatte die beiden zu einem Konzert eingeladen, bei dem nur junge Musiker spielten. Der Klavierspieler Giacomo wirbelte mit rasender Geschwindigkeit über die Tastatur und auch die beiden Geigerinnen Mary und Anita verwandelten die Noten auf ihren Blättern in wunderbare Musik.

Der Star des Abends war jedoch die junge Chinesin Mai-Lin, die ihren Kopf an die Violine in ihrem Arm schmiegte und mit Fingern und Bogen souverän über die Saiten tänzelte. Kater Leon und Mara saßen mit offenen Mündern da und bestaunten die jungen Musiker, die Stücke von Haydn und Mozart so virtuos spielten.

„Um so gut spielen zu können, müssen die jeden Tag mindestens vier bis fünf Stunden üben“, erklärte ihnen Charlotte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir das tagein, tagaus gefallen würde. Wahrscheinlich wäre ich bald zu faul dazu und würde aufgeben. Ich sitze viel lieber mit meinen Freundinnen zusammen und plaudere.“

Kater Leon und Mara dachten ähnlich. Leon lag vorzugsweise auf dem gemütlichen Sofa im Wohnzimmer und las dort spannende Bücher. Abgesehen davon waren seine Pfoten kurz und dick, womit es nicht einmal die minimalsten Voraussetzungen für ein solches Instrument erfüllte.

Für Mara war so langes Üben auch kein Thema. Viel lieber turnte sie und lief im Freien herum oder spielte mit ihren Freundinnen Ball, als dass es stundenlang in einem Zimmer hätte sitzen wollen, um  immer wieder die Tonleiter rauf und runter zu spielen. Gerade deshalb bewunderten die beiden Katzen die jungen Künstler sehr, die nun hier ihre großen Auftritte hatten.

Als Mozarts Sonate verklungen war, applaudierte das Publikum lautstark und lange. Einige der Zuhörer standen auf und klatschen stehend, womit sie zu verstehen gaben, dass es ihnen besonders gut gefallen hatte.

„Toll war das“, sagte Kater Leon. „Jetzt freu ich mich auf ein Punschkrapferl.“

Leider hatte er Pech.

„Heute wurden mir keine geliefert“, entschuldigte sich die Dame am Büffett. „Aber die Sacherwürfel schmecken auch köstlich.“ Das ließen sich die Naschkatzen nicht zweimal sagen und verzehrten die Süßigkeit mit Genuss.

Als sie nach der Pause wieder in den Konzertsaal zurückkamen, stand Mai-Lin mit ihrem Instrument in der Hand auf der Bühne und weinte. Sofort gingen die Katzenermittler zu ihr, um zu fragen, was passiert war.

„Irgendjemand hat meine Violine kaputt gemacht“, schluchzte Mai-Lin. „Jetzt kann ich den zweiten Teil des Konzerts nicht spielen.“ Tatsächlich hingen mehrere Saiten des Instruments herunter.

„Hast du denn keine Reserve-Saiten?“, fragte Mara.

„Normalerweise ja, aber auch die sind weg. Abgesehen davon würde es viel zu lange dauern, bis ich mein Instrument repariert und gestimmt habe“, sagte Mai-Lin traurig. Kater Leon und Mara sahen sich um.

Giacomo klimperte mit den Fingern auf den Klaviertasten herum. Die beiden Geiger blickten betreten drein. Ob sie das schlechte Gewissen drückte?

„Hat jemand von euch gesehen, wer das war?“, fragte Leon in die Runde. Alle drei schüttelten die Köpfe. „Wir waren während der Pause nicht im Saal“, sagte Tim. Lukas nickte zustimmend. „Ich musste zur Garderobe, weil ich meine Halstabletten im Mantel vergessen hatte.“

„Und ich war beim Büffet und habe mir einen Sacherwürfel gegönnt“, erzählte Tim.

„Stimmt. Ich war auch beim Büffet.“ Giacomo unterbrach sein Geklimper und griff in seine Jackentasche. „Ich habe ein Punschkrapferl gegessen, hier habe ich noch das Papier.“ Er zog ein pickiges Papierl hervor, auf dem noch Spuren der für Punschkrapferl typisch rosafarbenen Glasur zu sehen waren.

„Aber wer war es dann?“, fragte Mara. „Vom Publikum kann es keiner gewesen sein. Alle mussten in der Pause den Saal verlassen.“

„Neid ist etwas Hässliches“, sagte Kater Leon und flüsterte Mara den Namen des Übertäters ins Ohr.

Wer hat die Violine kaputt gemacht?

  

18. Die verschwundene Urkunde.

Endlich war die große Hitze vorüber und der Herbst zog ins Land. Kater Leon mochte diese Jahreszeit besonders gern. Ihm gefiel das prächtige Farbenspiel der Natur so gut. Mit Mara und seinen Freunden Bert, Tina und Benjamin ging er dann oft in den Wald und sammelte bunte Blätter, die sie auf Papier klebten. Oder sie bastelten aus Rosskastanien Steckfiguren und Ketten. Manchmal zogen sie los und sammelten Maroni, die sie dann im Backrohr brieten und genussvoll verspeisten.

Auf dieses Wochenende freute sich Kater Leon ganz besonders. Er und Mara waren von Bert und dessen Eltern eingeladen worden, in die grüne Steiermark zu fahren. Dort lebte Berts Tante Margarete. Ihr Haus lag direkt an der Südsteirischen Weinstraße. Dabei handelte es sich um eine malerische, hügelige Gegend, in der viel Wein angebaut wurde.

Kater Leon drückte seine Nase am Autofenster platt, weil er sich an der schönen Landschaft nicht sattsehen konnte. Berts Tante betrieb eines der vielen Weingüter, die es in dieser idyllischen Region gab.

„Stell dir vor, an der Südsteirischen Weinstraße gibt es rund 950 Winzer, die an die 2.300 Hektar bewirtschaften“, prahlte Bert mit seinem Wissen.

„Wow. Aber wie viel genau ist ein Hektar?“, fragte Mara.

Bert sah sie verduzt an. „Ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmeter“, sprang sein Vater für ihn ein. So eine riesige Fläche konnten sich Kater Leon und Mara nicht einmal mit all ihrer Fantasie vorstellen.

Endlich  trafen sie am Weingut von Margarete ein. Die empfing sie aufgeregt. „Ach wie gut, dass ihr da seid. Stellt euch vor, gerade habe ich entdeckt, dass mir jemand meine Urkunde gestohlen hat, die ich im Vorjahr für einen meiner Weine bekommen habe. Ich war so stolz auf diese Auszeichnung“, jammerte die Tante. „Da oben ist sie gehangen.“ Sie zeigte auf die kahle Wand.

„Aber wer klaut denn eine Urkunde?“, fragte Berts Vater verduzt.

„Das hab ich mich auch schon gefragt“, zuckte seine Schwester Margarete ratlos mit den Schultern. „Es kann nur eine meiner Nachbarinnen, Resi oder Bärbel, gewesen sein. Die waren heute auf einen Kaffee bei mir. Danach war ich im Weingarten. Als ich zurückgekommen bin, hab ich den Diebstahl entdeckt.“ Kater Leon, Mara und Bert liefen gleich los. Resi hängte gerade im Hof Wäsche auf.

„Ja, hallo! Das ist aber nett, dass du wieder einmal vorbeischaust“, empfing sie Bert herzlich.

„Hallo Resi. Du sag, kannst du dir vorstellen, dass die Bärbel heute Vormittag etwas von meiner Tante mitgenommen hat?“, fragte Bert.

„Die Bärbel? Hm, na ja. So gern ich sie hab, aber ich würde es ihr schon zutrauen, dass sie die Urkunde genommen hat. Sie war sehr enttäuscht, dass nicht ihr Wein prämiert worden ist“, überlegte sie laut.

„Und du?“, fragte Bert unverblümt.

Resi lachte. „Geh Bert, was soll ich denn mit noch einer Auszeichnung? Ich hab eh schon so viele. Außerdem steht doch der Wein deiner Tante drauf.“

Der Hof von Bärbel lag auf einer Anhöhe. „Da hat man sicher eine tolle Aussicht“, schwärmte Kater Leon und genauso war es, als sie das Haus erreichten. Auch hier wurden sie freundlich empfangen. „Wollt ihr einen Kürbiskuchen?“, fragte die Nachbarin. Kater Leon, Mara und Bert nickten begeistert.

„Sag, Bärbel, hast du vielleicht die Urkunde von Margarete gesehen?“, fragte Bert kauend.

„Meinst du die, auf die sie so stolz ist? Klar, die hängt bei ihr in der Stube. Ich hab sie vorhin gesehen, als ich bei ihr Kaffee getrunken hab“, nickte Bärbel.

„Na, das war wohl nix“, sagte Bert als er und die Katzenermittler zurückgingen.

„Wieso? Ich weiß genau, wer die Diebin ist“, lächelte Kater Leon.

Welche Nachbarin hat die Urkunde genommen? 

 

19. Kater Leon und die Detektive.

„Ach wie schön“, seufzte Kater Leon überwältigt. Mara hatte ihn in die Oper eingeladen. Nun saß er auf dem roten Samtsitz und konnte sich an den schönen Fresken und den reichen Goldverzierungen an der Decke des Zuschauerraums nicht sattsehen.

Das Opernhaus war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Anders als bei gewöhnlichen Aufführungen herrschte großer Trubel. Die Besucher waren vorwiegend Schülerinnen und Schüler, die aufgeregt schnatternd auf ihren Sitzen hin und her rutschten. Auf dem Programm stand nämlich Emil und die Detektive nach dem Roman von Erich Kästner.

Kater Leon und Mara saßen ganz hinten auf der Galerie. Sie liebten die Geschichten von Erich Kästner. Sie kannten fast alle seine Bücher, natürlich auch die Geschichten rund um Emil und waren schon sehr gespannt auf das Theaterspiel.

Am Vorabend hatte Leon das Buch herausgesucht und es bis spät nachts nochmals gelesen. Viel geschlafen hatte er nicht und war daher sehr müde, aber das konnte seine Begeisterung nicht mindern. Gespannt verfolgten die beiden die Vorstellung und applaudierte laut, als sich der Pausenvorhang schloss.

Am Pausenbuffet herrschte dichtes Gedränge. Kater Leon fiel ein blondes Mädchen auf, das hektisch in seiner Tasche kramte.

„Mein Geldbeutel ist weg“, sagte es zur Buffetdame. „Vielleicht hast du ihn zuhause vergessen? Schau nochmal genau nach“, sagte die zum Mädchen und bediente inzwischen andere Theatergäste, denn die Pause war kurz und die Schlange der Wartenden sehr lang. Sofort waren Kater Leon und Mara zur Stelle. Das Mädchen hieß Veronika. Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, der Geldbeutel ist sicher nicht da. Er ist pinkfarben und nicht zu übersehen. Als ich das Theaterticket herausgenommen habe, war er noch in der Tasche. Jemand muss ihn während der Vorstellung geklaut haben. Gesehen habe ich nichts, weil es im Zuschauerraum so dunkel ist. Ach, mein Magen knurrt und jetzt kann ich mir keine Jause kaufen.“

Kater Leon und Mara hatten Mitleid mir ihr und luden Veronika auf eine Limonade und ein Brötchen ein. Das Mädchen bedankte sich herzlich bei den beiden Katzen. Kauend zeigte sie auf zwei Buben, die etwas abseits standen und miteinander redeten.

„Einer der beiden könnte es gewesen sein“, flüsterte sie. „Klaus und Patrick sind neben mir gesessen und sie hecken ständig dumme Streiche aus.“ Der erste Pausengong ertönte. Viel Zeit blieb den Katzenermittlern nun nicht mehr, um den Dieb zu überführen.

„Hallo, ich bin Leon“, sprach der Kater die beiden Buben an.

„Hm?“, murmelte einer der beiden und biss genussvoll ins Salamibrötchen.

„Veronika sucht ihr Geld. Ihr seid doch während der Vorstellung neben ihr gesessen. Habt ihr vielleicht eine Idee, wo es sein könnte?“ Die beiden blickten zuerst einander an, dann die beiden Katzenermittler und kicherten.

„Ach lieber Leon, ich befürchte, dass du da auf einen von Veronikas Schmähs hereingefallen bist“, sagte Klaus. „Wahrscheinlich hat sie nur gesagt, dass ihr Geld weg ist, damit ihr sie auf die Jause einladet.“ Zum zweiten Mal ertönte die Pausenglocke.

„Ja das stimmt“, pflichtete ihm Patrick bei. „Mir ist schon oft aufgefallen, dass Veronika eine ziemlich fantasievolle Lügnerin ist. Wahrscheinlich besitzt sie nicht einmal so einen rosaroten Geldbeutel, den man ihr klauen könnte“, fügte er lachend hinzu.

Die beiden Katzenermittler überlegten. Waren sie auf einen Schmäh von Veronika hereingefallen? Der dritte Gong ertönte.

Der zweite Akt von Emil und die Detektive wartete auf sie. Alle strömten wieder in den Zuschauerraum. Nun war es höchste Zeit den Dieb zu überführen.

 Wurde Veronikas Geldbeutel gestohlen?

 

20. Der Würstchendieb.

Kater Leon summte fröhlich vor sich hin während er Claras Geschenk einpackte. Zusammen mit Mara und den Nachbarskindern Alice und Gabriel machte er sich bald darauf auf den Weg zur Geburtstagsparty, wo sie von Clara und Freunden aus deren Schulklasse herzlich begrüßt wurden.

Das Wetter war perfekt, um im Garten zu feiern.

Die Kinder spielten Federball, schaukelten und tanzten. Einige halfen Claras Vater beim Vorbereiten der Grillade oder bereiteten in der Küche Salate und Saucen zu.

„Kommt Leon und Mara, lasst uns Trampolin springen“, lud Clara den Kater ein. Ein Golden Retriever-Welpe hopste schwanzwedelnd neben ihnen her.

„Nein, Arthur, da kannst du nicht hinein“, lachte Clara und streichelte dem Hund über den Kopf, bevor sie, Leon und Mara durchs Fangnetz ins Trampolin kletterten. Arthur legte sich ins Gras und winselte herzerweichend.

„Ist er nicht süß? Er will überall dabei sein. Wenn er nur nicht immer so viel anstellen würde“, lachte Clara. „Gestern hat er einen teuren Schuh meiner Mutter zerbissen.“

„Ach Arthur, sei nicht traurig, komm spiel mit uns“, sagte Alice zum winselnden Hund. In dem Moment flatterte ein Schmetterling vor seine Nase und schon lief der Welpe hinterdrein.

„Jetzt freue ich mich auf die guten Grillwürstchen und die Maiskolben“, sagte Clara nach einer Weile. Auch Leons Magen knurrte. Die meisten Kinder saßen bereits an den Tischen, plauderten, naschten von den Salaten und den Kräuterbaguettes.

Arthur lag im Gras und schnarchte. „Nach dem Fressen braucht ein Baby sein Verdauungsschläfchen“, schmunzelte Clara und kraulte Arthurs prallen Bauch. Endlich kam ihr Vater. Er trug eine Schürze auf der Grillmeister stand und kontrollierte, ob die Kohlen des Grills schon heiß genug waren.

„Holt bitte jemand die Würstchen aus der Küche?“

„Aber die habe ich doch vorhin schon herausgetragen“, wunderte sich Alice. „Die müssen da unten auf dem Beistelltisch liegen, gleich neben den Maiskolben.“

„Bist du sicher? Weil da ist nichts. Nur ein leerer Teller“, wunderte sich der Grillmeister.

„Hat irgendwer von euch die Würstchen versteckt?“, fragte Clara. Alle verneinten. Kater Leon und Mara inspizierten den Tatort. Außer einem Stück Speck, mit dem die Würstchen ummantelt waren, fanden die beiden Katzenermittler nichts.

„Wer könnte uns so einen dummen Streich spielen?“, fragte Clara. „Vielleicht war es Christoph? Seine Familie isst doch vegetarisch. Wäre doch möglich, dass er nicht will, dass wir Fleisch essen.“

„Ganz im Gegenteil“, sagte Christoph, als Kater Leon ihn fragte. „Ich hab mich schon so darauf gefreut, weil ich zu Hause so et was nicht zu essen bekomme.“

„Meine Schwester Tina war ziemlich böse, weil sie keine ihrer Freunde einladen durfte“, fiel Clara eine weitere Verdächtige ein.

„Jetzt sitzt sie wahrscheinlich in ihrem Zimmer und ist beleidigt.“

Leon und Mara gingen ins Haus und klopfen an die Tür der Schwester.

„Lasst mich in Ruh. Ich hab keine Lust auf die bescheuerte Geburtstagsparty. Ich komm erst raus, wenn alle weg sind“, maulte Tina.

Bevor Kater Leon und Mara wieder nach draußen gingen, schauten sie in der Küche nach, ob die Würstchen vielleicht doch noch da waren.

„Nichts. Schade, dass wir nicht Arthurs Futter grillen können, da hätten wir genug davon“, murmelte Clara enttäuscht und zeigte auf die volle Futterschüssel.

„Mach dir keine Sorgen“, ertönte in diesem Moment die Stimme ihrer Mutter. „Papa ist schon losgefahren und wird gleich mit neuen Grillwürstchen da sein.“

„Problem gelöst“, freute sich Kater Leon. „Und obendrein weiß ich auch, wer der Würstchendieb ist.“

Wer hat die Grillwürstchen geklaut?

 

21. Das verschwundene Kastanientierchen.

Über den Hügeln schwebte der Nebel. Die bunten Blätter der Bäume bedeckten die Gehwege. „Was haltet ihr davon, wenn wir heute in den Park gehen und Bastelmaterial sammeln?“, schlug Lehrerin Marie vor.

„Aber es ist doch so kalt da draußen“, jammerte Konstantin.

„Ach Konsti, es macht doch Spaß hübsche herbstliche Dekorationen zu basteln“, versuchte Kater Leon den Stubenhocker von den Vorzügen eines Herbstspaziergangs zu überzeugen. Die anderen Kinder waren leichter zu begeistern.

„Genau, Konsti! Jetzt sei nicht so eine Spaßbremse“, lachte dessen Sitznachbarin Marlene. „Mach deine Jacke zu und zieh die Mütze über die Ohren, dann hast du es schön warm.“

Bald darauf gingen alle in den Park. Nach dem Spaziergang versammelten sich die Kinder wieder im Klassenzimmer. Dort präsentierten sie ihre reiche Beute, die aus bunten Blättern, Kastanien und Steinen in allen Größen und Formen bestand.

Als alle auf ihren Plätzen waren, holte Lehrerin Marie buntes Krepppapier, Karton, Zahnstocher, Stifte, Acrylfarben, Kleber und Bohrer aus dem Schrank, in dem sie das Bastelmaterial aufbewahrte.

„Bitte passt auf, dass ihr mit dem Bohrer nicht abrutscht und euch weh tut“, mahnte sie zur Vorsicht.

„Ich möchte ein Kastanientierchen basteln“, sagte Konstantin.

„Und ich einen Igel“, überlegte Kater Leon. Im Hintergrund spielte leise Musik und während die Kinder bohrten, klopften, klebten und malten. Obendrein blieb genug Zeit, um miteinander zu reden und zu lachen.

„Kann ich bitte aufs Klo?“  meldete sich Konstantin. „Ich bin mit meinem Kastanientierchen schon fertig.“ Die Lehrerin nickte. Als er wenig später ins Klassenzimmer zurückkehrte, blickte er sie verwundert an.

„Haben Sie meine Bastelarbeit genommen? Mein Kastanientier ist nicht mehr da“, fragte er. Lehrerin Marie schüttelte verneinend den Kopf.

„Aber wer war es sonst?“ 

„Das bildet er sich wahrscheinlich nur ein“, flüsterte Lorenz, ein anderer Mitschüler, zu Kater Leon. „Das weiß ja jeder, dass der Konsti gern irgendwelche Geschichten erfindet.“

Aber Leon glaubte Konstantin, der jammerte: „Ich wollte meine Bastelarbeit meiner Mutter schenken. Die liegt gerade im Krankenhaus. Ich versteh nicht, warum es jemandem Spaß macht, mich so zu ärgern.“ Der Katzenermittler inspizierte den Tatort, konnten aber keinen sachdienlichen Hinweis finden.

„Hast du etwas Verdächtiges bemerkt?“, fragte er Konstantins Sitznachbarin Marlene.

„Leider nicht. Ich war drüben bei Theresa und habe ihr geholfen, Steine zusammenzukleben“, beteuerte sie.

„Das stimmt doch gar nicht“, fuhr Lorenz dazwischen. „Du warst nur einen kurzen Moment weg. Du hättest sehr wohl Zeit gehabt, das hässliche Kastanientier mit den schief angepickten Augen zu klauen. Wahrscheinlich, damit du was von Konsti hast, was du auf dein Nachtkasterl stellen kannst. Weil das weiß ja jeder, dass du in ihn verknallt bist“, lachte er. Marlene senkte verlegen den Blick. Ihre Wangen wurden rot.

„Leon, es wird wohl am besten sein, wenn du in Marlenes Rucksack schaust“, schlug Lorenz vor und grinste.

„Das werde ich nicht“, sagte Kater Leon.

„Ich kann mir schon denken, dass ich das Kastanientierchen darin finden werde. Aber ich weiß auch, dass es nicht Marlene war, die es hineingetan hat.“

Wen verdächtigt Kater Leon? 

 

22. Leons Leseabenteuer.

Kater Leon konnte es nicht erwarten zur Autorenlesung zu gehen. Nur von Mara, die ihn begleiten wollte, war noch immer weit und breit nichts zu sehen.

„Ja, wo bleibt sie denn nur?“, murmelte Kater Leon. Er stieg ungeduldig von einem Fuß auf den anderen und lief dann den Gehsteig auf und ab. Bereits in einer Viertelstunde ging die Veranstaltung los und Kater Leon wollte auf keinen Fall zu spät kommen.

„Entschuldige Leon, aber ich habe den Bus verpasst“, schnaufte Mara, als sie endlich vor ihm stand. „Wenn wir laufen, schaffen wir es noch rechtzeitig“, sagte Kater Leon und los gings.

In der Buchhandlung saßen die Kinder auf Kissen oder kleinen Stühlen. Alle redeten aufgeregt durcheinander. Leon und Mara setzten sich auf eine Decke am Boden.

„Ruhe bitte!“ Die Buchhändlerin Lore schlug mit einem Löffel gegen ein Glas, um sich Gehör zu verschaffen.

Hinter ihr nahm eine rothaarige Frau im vorbereiteten Polstersessel Platz. Mit einem Mal waren die Kinder still und sahen erwartungsvoll auf das Podest.

„Seid herzlich willkommen!“, begrüßte Lore die jungen Besucher. „Ich freue mich, dass ihr so zahlreich zu der heutigen Lesung gekommen seid. Die bekannte Kinderbuchautorin Mimi Lupe wird eine Rätselgeschichte aus ihrem Buch Pauli sucht den verlorenen Schatz vorlesen und danach wird sie sich gemeinsam mit euch auf Tätersuche begeben. Ich wünsche euch allen viel Spaß.“

Applaus!

Die Autorin setzte die Brille auf. Dann nahm sie ihr Buch zur Hand. Es hatte ein hübsches himmelblaues Cover in dessen rechtem oberen Eck eine Sonne prangte, die wie eine Orange aussah. Unten schaute ihre Hauptfigur Pauli durch eine Lupe. Kater Leon hatte das Buch im Sommer geschenkt bekommen und es bereits mehrmals gelesen. Es handelte sich um spannende Abenteuergeschichten.

Er hatte das Buch im Rucksack dabei, weil er nach der Lesung zur Autorin gehen und sie um eine persönliche Widmung bitten wollte.

Kater Leon, Mara und die anderen Kinder hörten Mimi Lupe aufmerksam zu.

„Pauli hatte ein Problem. Der wertvolle Schmuck der Schlossherrin war gestohlen worden. Niemand wusste, ob ein oder mehrere Täter zugeschlagen hatten und auch die Tatzeit war nicht bekannt. Diesmal entwickelten sich die Ermittlungen für Pauli besonders schwierig. Wie sollte er den Verdächtigen geschickt Fragen stellen, wenn er selbst kaum etwas über den näheren Hergang des Diebstahls wusste?“ Den letzten Satz hatte Mimi Lupe geflüstert und nun machte sie eine bedeutungsvolle Sprechpause. Es war mucksmäuschenstill in der Buchhandlung. Man hätte eine Stecknadel fallen hören.

„Die Geschichten sind noch spannender, wenn sie vorgelesen werden“, raunte Kater Leon Mara zu. Doch die hörte ihn nicht, weil auch sie die Autorin gebannt anstarrte. Die fuhr nun mit dunkler Stimme fort: „Pauli verdächtigte drei Personen, die alle die Möglichkeit gehabt hatten, den Schmuck zu stehlen. Da war das Dienstmädchen Magda, das bitterlich weinte und beteuerte, sie habe noch nie in ihrem Leben etwas Unrechtes getan. Dann war da der fesche Kutscher Clemens, den Paulis Ermittlungen schwer in seiner Ehre kränkten. Sofort konnte er ein Alibi liefern: Just zur Tatzeit hatte er die Pferde im Stall versorgt. Ja, und dann war da noch der Gärtner Lukas. Auf den ersten Blick ein düsterer Geselle mit bleichem Gesicht, der einen schwarzen Hut trug. Alle, die Pauli im Dorf zu Lukas befragte, trauten dem Gärtner sofort zu, ein Dieb zu sein.“

Als Mimi Lupe das Buch mit einem Knall zuklappte, zuckte Kater Leon zusammen.

„Nun, was meint ihr? Habt ihr aufmerksam zugehört? Wer von den Dreien hat den Schmuck geraubt?“, fragte die Autorin und lächelte in die Runde.

Kater Leon hob die Hand. 

Wer hat den Schmuck gestohlen?

 

23. Kaufrausch!

Minus 30 Prozent! Minus 50 Prozent! Überall im Bekleidungsgeschäft hingen große Schilder, die die Kundschaft anlockten. Mara brauchte dringend eine hübsche Bluse. „Leon, bitte begleite mich“, bettelte sie.

Kater Leon, der einkaufen gar nicht mochte, ließ sich schließlich überreden. Allerdings war der Zeitpunkt, den sich Mara für ihren Einkaufsbummel ausgewählt hatte, nicht ideal. Überall zwischen den Kleiderstangen drängten sich Frauen und Mädchen, die ebenfalls auf Schnäppchenjagt waren.

„So wie sich manche hier aufführen, könnte man meinen, dass sie zuhause nichts mehr zum Anziehen haben“, stellte Kater Leon fest.

Vor allem eine Dame trieb es im wahrsten Sinn bunt: Auf ihrem Arm trug sie bereits  unzählige Stücke, aber sie hatte noch immer nicht genug. Sie war offenbar in einem Kaufrausch, in dem sie nichts anderes mehr wahrnahm. Nicht einmal, dass sie mit einem spitzen Kleiderhaken Leons Ohr streifte. „Aua! Bitte passen Sie doch etwas auf! „ Der Kater wich zurück. „Sie könnten ja jemandem ein Auge ausstechen.“

Entgeistert starrte die Frau Leon an. „Steh halt nicht so dumm herum“, fauchte sie zurück und zupfte an der Bluse, die Mara in der Hand hielt.

„Das ist meine“, stellte Mara klar und deutlich fest und entzog der Frau die hübsche Bluse mit dem Blumenmuster. Sie hatte sich auf den ersten Blick in das schöne Stück verliebt und obendrein kostete es nur noch zehn Euro. Jetzt musste sie nur noch passen. Ein Rock kam ebenfalls auf Maras Probierstapel.

Kater Leon Ratekrimi

„Kann ich vor dem Geschäft auf dich warten?“, jammerte Kater Leon.

„Wie stellst du dir das vor?“, lachte Mara. „Ich möchte ja, dass du mir sagst, wie die Sachen passen. Ich kann doch damit nicht vors Geschäft laufen.“ Seufzend ergab sich Leon in sein Schicksal und wartete bei den Umkleidekabinen auf Mara.

„Es ist jedes Jahr dasselbe!“, murrte die Verkäuferin Lore, die gerade diesen Bereich betreute. Kater Leon hatte sie bei einem seiner früheren Besuche kennengelernt und er kannte die Verkäuferin nur als Frohnatur.

Im Moment wirkte sie sehr genervt.

„Wir ordnen die Kleidungsstücke unentwegt und jetzt schau dir bitte einmal an, was da schon wieder für ein Durcheinander herrscht. Man könnte meinen, eine Horde Wildschweine ist bei uns eingefallen“, sagte sie zu Leon. Der musste bei dieser Vorstellung schmunzeln und erzählte Lore flüsternd von seinem Erlebnis mit der unhöflichen Frau von vorhin.

„Ich weiß, wen du meinst“, seufzte Lore. „Diese unfreundliche Person probiert ein paar Kabinen weiter einen riesigen Berg Klamotten an. Meinen freundlichen Hinweis, dass sie nur fünf Kleidungsstücke in die Kabine mitnehmen darf, hat sie einfach ignoriert.“ Mara kam mit der geblümten Bluse aus der Umkleidekabine.

„Die passt dir ja wie angegossen“, kam Kater Leon seiner Beratertätigkeit nach.

„Da hast du aber Glück, dass du die noch ergattert hast, weil das die letzte Bluse dieser Kollektion ist. Drum ist sie ja auch so günstig“, ergänzte Lore. Mara hängte das hübsche Stück zurück in die Kabine und kam gleich darauf mit dem Rock heraus, den sie vor dem großen Spiegel begutachtete. Auch der Rock bekam von der Verkäuferin und Kater Leon einen Daumen hoch.

„Gehen Sie bitte auf die Seite, ich hab es eilig. „Die Frau von vorhin drängte sich mit einem Berg Klamotten an ihnen vorbei.

Wie sehr sich Mara über die schönen Kleidungsstücke freute! Doch als sie in die Kabine zurückkehrte hörte Leon ihren Aufschrei:

„Meine geblümte Bluse ist weg!“ Das konnte doch nicht sein. Aber die Bluse tauchte nicht mehr auf. Enttäuscht stellte sich Mara in der Schlange vor der Kasse an. Vor ihr stand die unfreundliche Frau. Aus  ihrem Berg an Kleidungsstücken lugte ein Ärmel der geblümten Bluse hervor.

„Das ist meine Bluse!“, zischte Mara erbost und zerrte am Objekt ihrer Begierde. „Finger weg! Das ist meine Bluse. Die hab ich dort von der Stange genommen“, verteidigte sich die Frau. „Hol dir gefälligst selber eine!“

„Aber das ist meine Bluse und ich kann das auch beweisen!“, ließ sich Mara nicht abwimmeln.

„Na, das schau ich mir an, wie du mir das beweisen willst“, lachte die Frau boshaft. Doch da holte Kater Leon bereits die Verkäuferin Lore.

Warum ist es Maras Bluse? 

 

24. Der geheimnisvolle Schneemann.

Kater Leon traute seinen Augen nicht, als er am Morgen aufwachte und aus dem Fenster blickte. Draußen lag eine dicke, weiße Schneedecke.

„Es hat geschneit, es hat geschneit“, trällerte der Kater und tanzte durchs Wohnzimmer. Leon liebte diese besondere Stimmung, wenn überall frischer Schnee lag. Alles wirkte dann so still und friedlich. Gerade als er in seine Stiefel schlüpfte und nach draußen eilen wollte, um einen Schneemann zu bauen, klingelte das Handy. Tina, die wenige Häuser weiter wohnte, war dran.

„Hi Tina, hast du Lust, mit mir einen Schneemann zu bauen?“, schlug Kater Leon vor.

„Ja, gern“, antwortete Tina. „Aber apropos Schneemann: Bitte hilft mir vorher noch, ein Rätsel zu lösen.“ Das klang geheimnisvoll. Kater Leon fragte nach und staunte über das, was Tina ihm erzählte: „Stell dir vor, als ich heute Morgen aus dem Fenster schaue, steht auf dem Gehweg, unmittelbar vor meinem Zaun, ein riesiger Schneemann.“

Aber das war noch nicht alles. Obendrein, so erzählte Tina, hing auf ihrem Zaun ein Schild, auf dem ein großes rotes Herz gemalt war, in dem ihr Name stand.

„Du kannst dir vorstellen, wie sehr ich mich freue. Aber ich weiß nicht sicher, wer mir diese Liebeserklärung gemacht hat. Ich habe nur eine Ahnung oder sagen wir Hoffnung. Nur will ich mich nicht lächerlich machen, für den Fall, dass ich mich irre. Ach, Leon, bitte könntest du mir helfen herauszufinden, wer mein heimlicher Verehrer ist?“, bettelte Tina. Leons Schneemann musste warten.

„Ich bin gleich bei dir“, gab er Tina Bescheid. „Du weißt ja, wie gern ich Rätsel löse. Noch dazu, wenn es so ein nettes ist.“ Als der Katzendetektiv wenig später bei der Nachbarin eintraf, erzählte sie ihm von ihrer Vermutung.

„Ich habe vorige Woche in der Bibliothek einen sympathischen Jungen kennengelernt. Er heißt Moritz und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Er hat mich sogar nach Hause begleitet, obwohl er in der entgegengesetzten Richtung wohnt und es für ihn ein großer Umweg war. Nun hoffe ich, dass der Schneemann von ihm ist und nicht von meinem Nachbarn Theo, dem ich schon zigmal gesagt habe, dass er mir nicht nachlaufen soll. Schau, da drüben ist er und räumt den Schnee.“

Kater Leon ging zum Nachbarsjungen.

„Hallo Theo! Sag, hast du für Tina diesen hübschen Schneemann gebaut?“, fragte er ihn. Theo sah ihn im ersten Moment überrascht an. „Was für einen Schneemann? Ach so, der dort. Ähm, ja. Natürlich war ich es, der ihn für Tina gebaut hat. Ist er nicht schön geworden?“, heischte er nach Anerkennung. Tina blickte enttäuscht drein.

Kater Leon winkte ab. „Ich glaube nicht, dass Theo dir diesen Schneemann gebaut und das Schild gemalt hat. Komm, lass uns lieber in die Bibliothek gehen. Vielleicht ist Moritz auch heute wieder dort“, schlug er vor. Tatsächlich saß Moritz an einem der Tische. Als er Tina erblickte, stand er auf und begrüßte sie herzlich.

„Lass uns ein bisschen plaudern“, flüsterte sie ihm zu. Sie gingen in den Vorraum und holten sich jeder ein Getränk aus dem Automaten. Dann stellten sie sich zu einem der Fenster und blickten auf die idyllische Schneelandschaft.

„Herrlich dieser Schnee. Da müsste man doch glatt einen Schneemann bauen“, unterbrach Kater Leon die Stille.

„Ja, das stimmt“, pflichtete Tina ihm bei.

„Wieso? Reicht dir der große nicht, der vor deinem Gartenzaun steht?“, lächelte Moritz.

„Ach, du weißt von Tinas Schneemann? Hast du ihn gebaut?“, erkundigte sich Leon sofort.

„Nein, nein“, wiegelte Moritz sofort ab. „Ich könnte niemals so einen schönen Schneemann bauen und Tina hat sicher viele Verehrer, die ihr ein Herz malen. Ich habe ihn nur in der Früh gesehen, als ich auf schnellstem Weg zur Bibliothek geeilt bin. Apropos, ich muss jetzt wieder weitermachen.“

Tina sah Moritz enttäuscht nach. „Schade, dass nicht er den Schneemann gebaut hat“, murmelte sie.

„Ach, Tina. Natürlich war es Moritz“, lachte Kater Leon.

Warum ist Leon sicher, dass es Moritz war? 

 

25. Schnapp den Tortendieb!

Kater Leon und Mara hatten sich einiges für den Geburtstag ihrer Freundin Rosi einfallen lassen: Aus vielen Fotos hatten sie eine Collage gebastelt, die sie und Rosi bei verschiedenen Aktivitäten zeigten.

„Schau mal, wie lustig wir es da hatten“, sagte Leon und zeigte Mara eine Aufnahme, die sie alle bei einem Ausflug in den Tiergarten zeigte.

„Auch dieses Foto ist eine schöne Erinnerung“, sagte Mara und deutete auf einen Schnappschuss von einer gemeinsamen Reise, die sie ins sonnige Italien geführt hatte.

„Sicher wird sich Rosi über dieses Geschenk sehr freuen“, war Leon überzeugt.

Ihr wahres Meisterwerk stand jedoch in der Küche: Mara und Leon hatten eine zweistöckige Geburtstagstorte gebacken. Den Teig hatten sie zuvor mit Lebensmittelfarbe eingefärbt – Mara ihren Teil knallrosa, Leon seinen lila – und nach dem Backen mit köstlicher Nugatcreme gefüllt.

Anschließend hatte die Torte eine Glasur aus weißer Schokolade und Zuckerschrift „Für unsere Freundin Rosi“ bekommen.

Drumherum waren verschiedene Blüten aus bunter Modelliermasse drapiert. Viele Stunden hatten Mara und Leon mit den Vorbereitungen zugebracht – die Torte war ihr ganzer Stolz.

„Ich kann es kaum erwarten, Rosi die Torte zu bringen“, sagte Mara. Sie holte die bunte Schachtel, die sie extra für den Transport besorgt hatten.

„Komm, lass uns erst mal eine Pause machen. Die haben wir uns redlich verdient“, schlug Leon vor. Das Geburtstagstreffen würde erst in ein paar Stunden beginnen. Vielleicht konnte er bis dahin seinen Krimi fertig lesen und so noch erfahren, wer der Täter war.

„Gut, dann mache ich uns einen Kakao“, schlug Mara vor. Kurz danach hörte Leon einen Aufschrei. Erschrocken ließ er das Buch fallen und lief, so schnell ihn seine Beine trugen, zu Mara in die Küche. Mara stand im Türrahmen und starrte auf den Tisch mit der Torte.

Ein Stück war herausgebrochen.

„Welche Naschkatze hat da zugeschlagen? Wie dumm, dass wir vergessen haben, das Fenster zu schließen“, stammelte Mara und lief hin, um hinauszuschauen. Leon folgte ihr.

„Hallo, ihr zwei!“, riefen ihnen die Nachbarskinder Miriam und Gerhard zu. „Habt ihr Lust, mit uns Tischtennis zu spielen?“ Leon winkte ab.

„Wir sind auf der Suche nach einem Dieb. Er hat unser Geburtstagsgeschenk beschädigt und ich möchte ihm gehörig die Leviten lesen. Habt ihr vielleicht jemanden gesehen, der bei unserem Küchenfenster hinein- und wieder hinausgeklettert ist?“, fragte er.

Miriam und Gerhard schüttelten die Köpfe. „Nein, leider haben wir niemanden gesehen. Kann ich euch vielleicht helfen, den Schaden zu reparieren?“, bot Miriam an.

„Wir stehen noch nicht lange hier“, überlegte Gerhard laut. „Wahrscheinlich hat der Tortendieb davor zugeschlagen und hat sich dann schleunigst aus dem Staub gemacht, als er uns kommen sah.“

„So wird es wohl gewesen sein“, seufzte Leon. Zum Glück fehlte nur ein kleines Stück von der Torte, sodass ihre Freundin das Malheur nicht gleich bemerken würde.

„Gerhard, ich glaube, du solltest uns keinen Bären aufbinden, sondern dich lieber bei uns entschuldigen, weil du von unserer Torte genascht hast“, sagte Mara streng. Gerhard zuckte zusammen und lief rot an.

Warum glaubt Mara, dass Gerhard die Torte gekostet hat?

 

26. Tumult zum Schulstart.

Schulbeginn. Da hatte Kater Leon einen sehr schlechten Zeitpunkt ausgewählt, um sich im Papiergeschäft einen neuen Locher zu kaufen! Doch was hätte er tun sollen? Auf seinem Schreibtisch stapelte sich jede Menge Papier, das er lochen und einordnen sollte.

Als er sich am Vormittag endlich dazu aufraffen konnte, diese lästige Arbeit zu beginnen, hatte sein alter Locher den Geist aufgegeben. Ein neuer musste her, bevor Leon es sich noch anders überlegte und ihn der Arbeitseifer verließ. Also ging er los.

Im Papiergeschäft befand er sich dann in einem Vollchaos. Der Laden war mit Schülerinnen und Schülern jeden Alters überfüllt, die alle versuchten, ihre Einkäufe zu erledigen.

„Du meine Güte, es ist jedes Jahr dasselbe!“, stöhnte Martha, eine der Verkäuferinnen, die Kater Leon schon lange kannte. Genervt schüttelte sie den Kopf.

„Am Morgen haben wir hier am Tisch alle Hefte ordentlich in Stapeln nach Formaten sortiert, die linierten, karierten, glatten mit und ohne Korrekturrand. Alles war fein säuberlich geschlichtet. Sogar die Schultaschen und Rucksäcke, die sonst immer hier stehen, haben wir alle dort drüben an die Wand gehängt, damit wir mehr Platz auf dem Tisch haben. Aber es hat alles nichts geholfen, unsere ganze Arbeit war umsonst. Schau dir bitte einmal an, was da jetzt für ein Durcheinander herrscht“, beschwerte sich Martha bei Leon.

Sie deutete auf den Berg an Heften, die nun alle verstreut auf dem großen Tisch lagen.

Kein Wunder, denn die vielen jungen Leute versuchten hektisch jene Hefte zu finden, die sie brauchten und machten dadurch alles nur noch schlimmer. Dazu waren alle übel gelaunt und schimpften wie die Rohrspatzen über den, ihrer Meinung nach schlecht organisierten Laden. Dass es in den Räumen wegen der Hitze noch stickiger war als sonst, verschlechterte die Stimmung weiter.

„Die sind so unfähig hier“, jammerte die Mutter eines Schulanfängers, die eine elendslange Liste in der Hand hielt und sich damit Luft zufächelte.

„Wo sind denn die Locher?“, fragte Kater Leon. Martha deutete mit dem Zeigefinger zum Plafond. „Die sind im oberen Stockwerk, ganz hinten links.“

Leon kämpfte sich durchs Wirrwarr.

Schließlich fand er was er suchte. Leider gab es die Locher nur mehr in Knallgrün. Aber Hauptsache, das Ding funktionierte. Leon wollte nur so schnell wie möglich diesen Ort des Einkaufsschreckens verlassen.

Ihm taten alle leid: Martha und die anderen Verkäuferinnen ebenso wie die kleinen und großen Einkäufer. Leider konnte er diesmal keinem von ihnen helfen. Oder etwa doch? Als Kater Leon sich in der Schlange vor der Kasse anstellte, wurde er Zeuge eines erbitterten Streits.

„Jasmin, du hast mir meinen Rucksack aus dem Einkaufskorb geklaut!“, kreischte ein Mädchen mit blonden Haaren und Sommersprossen und zerrte an ihrem Objekt der Begierde, das in einem fremdem Einkaufskorb lag.

„Anika, spinnst du jetzt komplett? Ich würde dir doch nie irgendwas wegnehmen!“, verteidigte sich Jasmin. „Diesen Schulrucksack habe ich mir vorhin vom großen Tisch geholt. Gib ihn sofort wieder her, das ist meiner und hol dir gefälligst selber einen!“

„Aber es gab doch nur noch diesen einen. Also kannst nur du ihn mir weggenommen haben“, jammerte Anika.

„Und wie bitte willst du das beweisen?“, schimpfte Jasmin. „Gib ihn sofort her, sonst waren wir mal Freundinnen.“ Verunsichert ließ Anika den Rucksack los.

„Du kannst ihn ruhig nehmen, das ist tatsächlich deiner“, flüsterte ihr Kater Leon ins Ohr.

Warum weiß Kater Leon, dass es Anikas Schulrucksack ist?

 

27. Von Geisterhand.

Zu Halloween zog Kater Leon zusammen mit Mara und Bert von Tür zu Tür. Er war in ein tolles Geisterkostüm geschlüpft. Bert hatte sich als Skelett verkleidet, das im Dunkeln leuchtete. Mara lief als böse Hexe mit langer Nase und hässlichen, schiefen Zähnen herum. So wirklich fürchtete sich aber niemand vor den drei Gestalten. Ganz im Gegenteil.

Überall, wo sie anläuteten und im Chor schrien: „Gespenster durch die Straße zieh’n, heute Nacht ist Halloween. Das Grauen schleicht von Haus zu Haus und klingelt alle Leute raus. Süßes her, sonst gibt’s Saures!“, lachten die Leute, lobten ihre Kostüme und schenkten ihnen Süßigkeiten. Nur die alte Frau Lanner lachte nicht, als sie ihnen die Tür öffnete. „Ach ihr seid es“, sagte sie leise und überreichte den Kindern wortlos ein paar Zuckerln.

„Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Frau Lanner? Oder haben Sie jemand anderen erwartet?“, fragte Kater Leon. Normalerweise war die Nachbarin eine lustige Person, die gern plauderte und bei jedem Spaß mitmachte. So traurig wie heute hatte Leon sie noch nie erlebt.

Kater Leon Halloween

„Ach, weißt du Leon, ich habe heute meine Geldbörse verloren. Nun hoffe ich, dass sie doch noch jemand findet und mir zurückbringt. Vielleicht wurde sie aber auch von einem Taschendieb gestohlen“, seufzte Frau Lanner.

Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: „Wisst ihr, die paar Euro, die drinnen waren, sind mir egal. Aber es waren auch Ausweise von mir und einige herzige Fotos von meinen Kindern und Enkerln drinnen und um die tut es mir ganz Besonders leid.“

„Wo genau ist Ihnen denn das Geldtascherl abhanden gekommen?“, fragte Mara.

„Wenn ich das wüsste! Ich war den ganzen Tag in mehreren Geschäften unterwegs. Aber ich hab es nie herausgenommen, weil ich nicht bekommen habe, was ich gesucht habe. Die Börse könnte am Gemüsemarkt ebenso verschwunden sein wie im Blumenladen oder im Spielzeuggeschäft“, grübelte sie.

„Nun, das ist zumindest ein Anfang“, sagte Kater Leon. „Wir werden uns umhören, vielleicht haben wir Glück.“ Der Markt war um diese Uhrzeit schon geschlossen. Aber wenn sie sich beeilten, konnten sie noch in den beiden Geschäften nachfragen.

„Nein, leider ich habe keine Geldbörse gefunden“, sagte die Blumenfrau, als die drei sie fragten. „Aber kommt doch bitte morgen nochmals vorbei. Falls ich sie finde, lege ich sie auf die Seite. Viel Glück bei der Suche!“ Kater Leon, Mara und Bert bedankten sich und gingen zum Spielzeugladen.

„Ich sperre gerade zu“, bedauerte der Besitzer.

„Wir werden Sie nicht lange aufhalten. Wir wollen nur fragen, ob Sie eine Geldbörse gefunden haben“, erkundigte sich Kater Leon.

„Nein, leider. Ich habe gar nichts gefunden. Aber ehrlich gesagt war heute wegen Halloween noch mehr los als sonst. Den ganzen Tag war das Geschäft voller Kunden und die Tür ging unentwegt auf und zu“, erinnerte sich der Spielwarenhändler.

„Ihr könnt euch vorstellen, dass ich meine Augen nicht überall haben konnte. Aber falls ich ein Portemonnaie finde, dann werde ich mich verlässlich bei Frau Lanner rühren.“

Kater Leon, Mara und Bert bedankten sich beim freundlichen Spielwarenhändler. Erst als sie aus dem Geschäft draußen waren, ging dem Katzenermittler ein Licht auf.

„Der hat uns jetzt aber mit seiner Freundlichkeit ganz schön in die Irre geführt“, sagte Leon.

Warum glaubt Leon, dass der Spielzeughändler die Geldbörse hat?

 

28. Auf ein Neues!

Was für ein Spaß! Kater Leon und Mara waren auf eine ganz besondere Silvesterparty eingeladen. Da ging es vielleicht rund! Melissa, die Gastgeberin, hatte nämlich am 31. Dezember Geburtstag und so veranstaltete sie jedes Jahr zu Silvester ein großes Fest, das dann weit bis nach Mitternacht dauerte.

„Manche beklagen sich ja, wenn sie an diesem Tag Geburtstag haben, weil sie sich ärgern, dass zwar alle den Jahreswechsel feiern, aber oft auf ihren Ehrentag vergessen“, erfuhr Leon am Büffettisch von Melissa, während sie vom köstlichen Wurstsalat kosteten, den ihre Mutter zubereitet hatte.

„Ich finde es großartig. Mal ehrlich: Welches Geburtstagskind kann sich Jahr für Jahr zu Mitternacht auf ein Feuerwerk freuen, das gleich vor dem Fenster stattfindet?“

Melissa zwinkerte Kater Leon spitzbübisch zu. „Meine Eltern haben sich auch noch ein tolles Gewinnspiel für uns ausgedacht. Eine Art Schnitzeljagd, bei der aber letztlich jeder Teilnehmer gewinnt.“

Leon musste Melissa recht geben. Ein Feuerwerk konnte er seinen Geburtstagsgästen unterm Jahr nicht bieten. Das hätte er selbst bezahlen müssen. Aber Kater Leon beklagte sich nicht. Sein Geburtstag fiel alle Mal noch besser, als der seines Freundes Florian. Der hatte nämlich am 29. Februar Geburtstag. Also konnte er seine Party nur alle vier Jahre am tatsächlichen Datum seiner Geburt feiern.

Der Abend verging wie im Flug. Kater Leon, Mara und ihre Freunde lösten die Rätsel, freuten sich über ihre Gewinne, aßen köstliche Schmankerl und tanzten zu lauter Musik.

Ehe sie sich versahen, war Mitternacht.

Melissas Eltern bugsierten alle auf die Dachterrasse. Von hier aus hatten sie einen traumhaften Blick auf das Feuerwerk, stießen mit Kindersekt auf das neue Jahr an und wünschten sich gegenseitig alles Gute. Danach ging es drinnen noch eine Weile mit Spiel und Spaß weiter. Erst gegen halb zwei Uhr war Kater Leon zuhause und fiel müde aber glücklich in sein Bett. Was für eine Geburtstagsparty! Was für ein toller Jahresbeginn!

Das Telefon klingelte viel zu früh. Es war kurz nach sieben Uhr, als Leon sich schlaftrunken meldete. „Hi Leon, bist du fertig? Wir fahren jetzt gleich los und würden dich in zehn Minuten abholen“, ertönte die Stimme von Bert. „Wie? Was?“, fragte Kater Leon verdattert. „Wir wollten doch heute in die Therme fahren“, erinnerte ihn Bert. „Hast du das vergessen?“

Kater Leon war es furchtbar unangenehm, aber er war nach der ausgelassenen Silvester-Geburtstagsparty einfach viel zu müde, um mitzufahren.

„Bert, es tut mir wirklich so leid, aber ich bin fix und fertig“, entschuldigte er sich bei seinem Freund. „Bist du mir jetzt böse?“, fragte er unsicher. Kater Leon wollte das neue Jahr auf keinen Fall damit beginnen, dass er einen seiner liebsten Freunde vergraulte. Noch dazu, wo er sonst immer verlässlich und ordentlich war.

„Ach, Leon, das kann doch jedem einmal passieren, dass er einen Termin verschläft. Das ist wirklich kein Problem“, beruhigte Bert den Kater. „Klara und Max kommen eh mit. Damit habe ich jemanden zum Spielen und muss nicht allein mit meinen Eltern abhängen. Wir fahren dann das nächste Mal wieder zusammen, okay? Wir haben also in diesem neuen Jahr noch 363 Mal die Gelegenheit, etwas gemeinsam zu unternehmen.“

Leon war froh, dass Bert ihm nicht böse war und wünschte ihm und seinen Freunden viel Spaß. Glücklich kuschelte er sich in sein Bett. Es war im Moment der schönste Platz, den er sich vorstellen konnte. Noch ehe der Kater ins Traumland entglitt, fiel ihm noch ein, dass er Max korrigieren musste.

Was fällt Kater Leon auf, bevor er einschläft?

 

29. Überraschung zum Schulstart.

Kater Leons Freund Paul kam dieses Jahr ins Gymnasium. Wie aufregend das war! Leon begleitete Paul in die neue Schule. Nun wartete er vor der Klasse. Doch was war das? Aus dem Klassenzimmer hörte er plötzlich aufgeregtes Stimmengewirr. Kater Leon lugte durchs Schlüsselloch. Er erblickte den Klassenvorstand, vor dem auf dem Schreibtisch ein großer Karton stand.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, hörte Leon ihn sagen. „Da hat irgendjemand diese Schachtel für euch deponiert. Und da sind lauter Geschenke drinnen. Na, wenn das kein guter Schulstart ist!“, sagte der Lehrer.

Dann rief er jedes einzelne Kind auf. Einzeln kamen sie nach vorn und durften sich aus dem Karton ein Packerl nehmen. Jedes war in buntes Papier gewickelt und mit einer großen bunten Schleife versehen.

„Und? Was siehst du?“, erkundigte sich eine weißhaarige Dame, die plötzlich neben Leon stand. Sie rückte ihre Brille zurecht.

„Wenn ich es richtig verstehe, hat jemand den Kindern eine tolle Überraschung bereitet“, antwortete der Kater. „Aber schauen Sie selbst.“ Er ging zur Seite, damit auch die ältere Dame ins Klassenzimmer lugen konnte. Neugierig gesellten sich nun auch einige der wartenden Mamas, Papas, Omas und Opas zu ihnen und schauten ebenfalls durchs Schlüsselloch.

„Wer den Schülern wohl diese hübsche Überraschung bereitet hat?“, fragte Kater Leon.

„Vielleicht war es eine Firma, die Werbemittel verteilt?“, überlegte ein Vater.

„Oh, vielleicht sind die Geschenke von der Firma meines Mannes“, zog eine Dame mit blonden Haaren die Aufmerksamkeit der Umstehenden auf sich. „Die haben im Vorjahr so eine Aktion gemacht. Nur komisch, dass er mir nicht gesagt hat, dass sie auch heuer so etwas planen.“

„Ja, das wäre möglich“, stimmte ihr ein Opa zu und strich über seinen Schnurrbart. „Das ist aber sehr nett, dass Ihr Mann den Schülern so eine Freude bereitet.“

Die blonde Frau senkte verlegen den Blick.

„Ach, das ist doch nicht der Rede wert. Nur eine nette Geste für alle, die heute mit dem Gymnasium starten“.

„Wer auch immer diese gute Idee hatte – ich bin sicher, dass sich mein Enkel über den Müsliriegel und den Kuli freuen wird“, sagte die weißhaarige Dame von vorhin. Lächelnd stellte sie sich wieder ans Fenster und beobachtete das Geschehen im Schulhof.

Der Opa mit dem Schnurrbart vertrieb sich derweil die Wartezeit und lugte nun auch bei den anderen Klassen durchs Schlüsselloch.

„Eigenartig. In den anderen Klassen werden keine Geschenke verteilt“, murmelte er, als er wieder zurückkam. In diesem Moment ertönte die Glocke und gleich darauf strömten die Schüler aus der Klasse. Paul lief fröhlich auf Kater Leon zu.

„Stell dir vor, jemand hat für uns Geschenke in der Klasse deponiert. Ich bin schon sehr gespannt, was drinnen ist. Ich wollte es gleich aufmachen, aber der Lehrer hat gesagt, dass wir die Packerl erst nach der Schulstunde öffnen dürfen.“

Er riss das Papier auf und siehe da, ein Müsliriegel und ein Kuli kamen zum Vorschein. „Toll. Mit dem Kuli kann man ja in vier Farben schreiben“, freute er sich.

„Diese Geschenke stammen von der Firma meines Mannes. Alles Gute zum Start ins neue Schuljahr!“, sagte die blonde Dame.

„Da irren Sie sich“, widersprach Kater Leon.

Wer hat die Packerl in die Klasse geschmuggelt?

 

30. Geben ist besser als nehmen.

Mara packte voller Freude ihren Rucksack. In dieser Woche war der Unterricht dem Thema Herbst gewidmet. Sie konnte es kaum erwarten, in die Schule zu kommen.

Kater Leon teilte ihre Begeisterung nicht. Das kalte und trostlose Wetter machte ihm zu schaffen. „Alles ist so grau und die Tage werden immer kürzer“, jammerte der Kater.

„Ach Leon, der Herbst hat so viel Schönes zu bieten. Denk an die wunderschönen bunten Blätter und endlich gibt es wieder überall Maroni. Außerdem kann man so viele tolle Dinge basteln und das Lichterfest jedes Jahr macht auch eine dunkle Nacht wieder hell“, munterte Mara ihn auf.
Im Klassenzimmer angekommen, wurden sie vom gut gelaunten Lehrer Stefan begrüßt. „Wie ihr bereits wisst, werden wir diese Woche den Herbst in den Mittelpunkt stellen. Als passende Einleitung werde ich euch vom Heiligen Martin erzählen und danach dürft ihr etwas basteln.“

Die Kinder waren begeistert. Langsam freundete sich auch Kater Leon mit dem Thema an. Stefan erzählte:

Martin war der Sohn eines römischen Offiziers, der rund 300 Jahre nach Christus gelebt hat. Er war bescheiden und gütig. Seinen Sold gab er den Armen und Kranken. Für sich selbst behielt er nur das Nötigste. Eines eiskalten Tages ritt er in eine Stadt. Da kam ihm ein Bettler entgegen. Der war fast unbekleidet und bat die Vorübereilenden um Hilfe. Aber alle wendeten sich von ihm ab. Als Martin den armen Mann erblickte, wollte er ihm helfen. Nur wie?

Er selbst hatte kaum noch etwas, was er ihm geben konnte. Er besaß nur seinen Umhang, den er aber selbst brauchte, um sich zu wärmen. Doch Martin zögerte nicht lange. Er nahm sein Schwert und teilte den Mantel in zwei Hälften. Eine behielt er, die andere schenkte er dem armen Mann. Dankbar bedeckte sich der Bettler mit dem Mantelstück. Die Menschen um ihn herum blieben stehen und beobachteten, was vor sich ging. Einige machten sich über den Soldat lustig, der nun ebenfalls wie ein Bettler aussah. Andere waren beschämt, weil sie nichts gegeben hatten.

Hier beendete Stefan seine Erzählung. In der Klasse war es still. Die Kinder dachten über die Geschichte und ihren tieferen Sinn nach. Danach gingen alle an ihre Tische zurück und freuten sich auf die Bastelstunde.

Der Lehrer erklärte ihnen die Aufgabe: „Nachdem ich euch die Geschichte vom Heiligen Martin erzählt habe, basteln wir jetzt Laternen für den Umzug, der jedes Jahr zu Ehren seines Beerdigungstages am 11. November stattfindet.“

Mara flüsterte Kater Leon mit leuchtenden Augen zu: „Ich werde meine Laterne blau machen, dass schaut sicher richtig cool aus.“ Kater Leon wollte eine grüne Laterne basteln.

Plötzlich hörten sie Victoria hinter sich schluchzen.

„Heute Morgen habe ich meinen neuen Kleber ins Bankfach gelegt und jetzt ist er nicht mehr da. Meine Mama hat ihn mir geschenkt und er ist etwas ganz Besonderes. Er ist rosa und riecht nach Erdbeeren.“

Die beiden Katzenermittler wollten ihr helfen, aber auch sie konnten ihn nirgendwo entdecken. Kater Leon fragte schließlich Laura, Victorias Sitznachbarin: „Sorry, aber ich habe selbst einen tollen Kleber und wirklich keine Ahnung, wo der von Victoria sein kann. Aber vielleicht weiß Thomas etwas. Ich habe ihn heute ein paar Mal in der Nähe von Victorias Sitzplatz gesehen.“

„Hi Thomas, hast du vielleicht Victorias Kleber genommen?“, erkundigte sich Leon.

„Wie kommt ihr denn auf diese Idee? Ich würde niemals einen Erdbeerkleber nehmen! So etwas verwenden doch nur Mädchen. Aber der Jenny würde ich das sofort zutrauen.“

„Nie und nimmer würde ich etwas nehmen ohne vorher zu fragen“, wehrte Jenny sofort seine Beschuldigung ab.

„Gut, dass ich einen zweiten Kleber mithabe“, murmelte Kater Leon. So wie es der Heilige Martin gemacht hätte, gab er einen davon Victoria, damit die Freundin endlich ihre Laterne basteln konnte. In diesem Moment ging Kater Leon ein Licht auf und er wusste, wer der Dieb war.

Wer hat Victorias Kleber genommen?

 

31. Der rätselhafte Feiertag.

Kater Leon war schwer beeindruckt von der Heeresschau, die am 26. Oktober in der Wiener Innenstadt abgehalten wurde. In ganz Österreich wurde an diesem Tag der Nationalfeiertag zelebriert. Viele Leute hissten die rot-weiß-roten Flaggen und nahmen an den zahlreichen Veranstaltungen teil, zu denen sich Groß und Klein einfanden, um die eindrucksvollen Paraden anzusehen.

Kater Leon schwenkte an diesem besonderen Tag ein rot-weiß-rotes Fähnchen. Im Vorjahr war er mit Freunden am nationalen Wandertag unter dem Motto „Gemeinsam gesund bewegen“ mitgegangen. Viele Vereine und Institutionen boten am Nationalfeiertag sportliche Freizeitaktivitäten für Groß und Klein an. Kater Leon, der immer an allem interessiert war und selten still sitzen konnte, außer wenn er ein spannendes Buch las, hatte mit Begeisterung mitgemacht. Heuer gingen er, Mara und ihre Freund Bert zum großen Sicherheitsfest des österreichischen Bundesheeres am Wiener Heldenplatz, das erstmals an mehreren Stationen in der Innenstadt abgehalten wurde.

Vor der prächtigen Hofburg verfolgten die drei die Angelobung der Wehrdiener und begutachteten den Hubschrauber Black Hawk. „Habt ihr Lust die Militärhundestaffel und den Panzer am Rathausplatz anzuschauen?“, fragte Bert.

Kater Leon und Mara nickten.

„Aber wir müssen uns beeilen, damit wir die Gardevorführung auf der Freyung nicht verpassen“, drängte Moni.

„Weißt du, ursprünglich wurde ja am 25. Oktober gefeiert“, erzählte Bert, als sie in Richtung Burgtheater schlenderten. „An dem Tag hat nämlich der letzte Besatzungssoldat nach dem Zweiten Weltkrieg Österreich verlassen.“

„Wieso hat das eigentlich so lange gedauert, wenn der Staatsvertrag schon am 15. Mai 1955 unterzeichnet wurde?“, warf Mara ein.

„Nun, es brauchte halt eine Weile, bis die Besatzungsstaaten Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion und USA die Ratifizierungsurkunde unterzeichneten. Danach vergingen weitere 90 Tage, bis sie ihre Truppen abzogen“, erklärte Bert.

Er fügte hinzu, dass im Jahr darauf der „Tag der Fahne“ erstmals am 26. Oktober abgehalten wurde.

„Es wurde also nicht mehr der Tag gefeiert, an dem der letzte alliierte Soldat österreichischen Boden verließ, sondern der Beschluss der österreichischen Neutralität. 1965 machten Parlament und Bundesregierung dann den 26. Oktober zum Nationalfeiertag. Aber erst zwei Jahre später wurde er arbeits- und schulfrei, so wie wir ihn heute kennen.“

„Bert, das ist alles wirklich sehr interessant, was du uns da erzählst“, sagte Kater Leon beeindruckt. Er kratzte sich am Kopf und seufzte. „Nur hast du mich mit all deinen Informationen und Jahreszahlen etwas verwirrt. Heuer haben wir 2020. Kannst du mir jetzt bitte sagen, seit wie vielen Jahren der Nationalfeiertag am 26. Oktober stattfindet?“, fragte der Kater.

„Ach Leon, das ist doch leicht“, lachte Mara. Sie nahm ihre Finger beim Zählen zu Hilfe. „Also, 1955 war der erste, dann 1965, 1975 …“, murmelte sie. Schließlich hatte sie fertig gerechnet. Laut verkündete sie: „Genau vor 65 Jahren.“ Kater Leon sah Mara an, dachte kurz nach und schüttelte dann den Kopf.

Hat Mara richtig gerechnet?

 

32. Die unliebsame Faschingsüberraschung.

Kater Leons Freund Bert lud wie jedes Jahr zu einer tollen Faschingsparty. Heuer hatte er sich etwas Besonderes einfallen lassen und seine Freunde in die Eislaufhalle eingeladen. Schon seit Tagen überlegte Leon, in welche Verkleidung er diesmal schlüpfen wollte. Sollte er als Sternen-Prinz, Indianer oder doch besser als Super-Man seine Kreise auf dem Eis drehen? Schließlich entschied er sich für ein Cowboy-Kostüm. Seine Katzenfreundin Mara ging als Marienkäfer-Fräulein. Sie schlüpfte dazu in ein rotes Kleid mit großen schwarzen Punkten und schmückte ihr Ohr mit einer passenden Schleife.

Sie packten ihre Eislaufschuhe und ein kleines Geschenk für den Gastgeber in ihren Rucksack und machten sich auf den Weg zum Eislaufplatz. Als sie dort eintrafen, winkte Bert ihnen schon von weitem zu. Er war als Popeye der Seemann verkleidet und hatte sein blau-weiß gestreiftes T-Shirt mit überdimensionalen Muskeln ausgepolstert. Gemeinsam gingen sie in den Umkleideraum, wo die anderen Freunde bereits warteten.

Alina hatte sich in einen Papagei, Christian in einen Cowboy, Florian in einen Piraten und Manu in eine Elfe verwandelt. Die bunten Gestalten zogen sich gerade die Eislaufschuhe an.

„Wer will meine hübschen Kopfhörer mit eingebautem Radio sehen?“, trällerte Alina. Sie hielt die Verpackung in die Höhe und drehte sich im Kreis, dass die bunten Federn ihres Kostüms nur so flatterten. Niemand zeigte Interesse und keiner würdigte Alina eines Blickes. Florian flüsterte Leon zu: „Alina kann nicht anders. Jedes Mal muss sie mit irgendetwas angeben.“

„Kommt, lasst uns ein Wettrennen veranstalten!“, rief Bert dazwischen und sofort war der kurze Moment der Missstimmung vergessen. Kater Leon sah, dass Alina die Schachtel, für die sich keiner interessiert hatte, ins Fach legte, bevor auch sie den Freunden folgte, die jubelnd nach draußen stürmten. Alle stellten sich in einer Reihe auf.

„Wir machen ein Wettrennen zu der Absperrung dort vorn und wieder zurück“, gab Bert bekannt. „Auf drei geht’s los. Eins … zwei … und drei!“ Gut gelaunt rasten sie wild hin und her.

„Juhu!“ Manu, die Elfe, schaffte es als erste, ins Ziel zu kommen. Knapp vor Mara. Anschließend spielten sie Fangen und tanzten zur Musik, die aus den Lautsprechern ertönte. „Puh, bin ich jetzt müde“, schnaufte Bert nach einer Weile. „Lasst uns gehen. Meine Mutter wartet schon mit der Nachmittagsjause auf uns.“

Doch davor gab es in der Garderobe eine unliebsame Überraschung.

„Meine Kopfhörer sind weg“, kreischte Alina, als sie ins Fach schaute, wo sie ihre Utensilien aufbewahrt hatte. „Hättest halt nicht so damit angegeben, dann wäre dir das nicht passiert. Ich hab sie nicht genommen“, murmelte Christian und schüttelte den Kopf.  „Christian hat Recht. Von uns hat sicher keiner diese faltbaren Dinger geklaut. Schau her, meine sind viel besser!“, mischte sich Manu ein und hielt ihre roten Kopfhörer hoch.

„Ach, euch geht’s gut. So etwas können sich meine Eltern nicht leisten“, seufzte Florian. Kater Leon und Mara inspizierten nochmals das Fach, doch sie konnten nirgends die Schachtel entdecken. Kater Leon erinnerte sich, dass bis auf Bert jeder der Freunde zumindest einmal die Eisfläche verlassen hatte, um etwas aus dem Fach zu holen. Daher kamen alle als Täter in Frage.

„Mach dir keine Sorgen“, versuchte Bert Alina zu trösten. „Jetzt gehen wir zu mir, essen Kuchen und morgen fragen wir im Fundbüro nach. Sicher hat jemand deine Kopfhörer dort abgegeben.“

Als Kater Leon sich wenig später ein Stück Schokoladenkuchen auf der Zunge zergehen ließ, fiel ihm ein, wer der boshafte Dieb war.

Wen verdächtigt Kater Leon?

 

33. Der Weihnachtsbrief.

Kater Leon mochte die Weihnachtszeit. Glitzer, Glanz und Lichter überall. Außerdem wurde es ihm in dieser Zeit nie langweilig, weil es so viele Veranstaltungen gab.

Um sich die Zeit bis zur Bescherung zu vertreiben, bummelte der Kater zusammen mit Mara an diesem Nachmittag zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung in eine Buchhandlung.

Marina, die Besitzerin, hatte sie eingeladen und erzählt, dass die Gäste über Weihnachten plaudern und Geld für einen guten Zweck sammeln würden. So wurde neben zahlreichen großen und kleinen Besuchern auch ein Autor erwartet, der bereits drei Bücher über Weihnachten geschrieben hatte. Weiters würde ein Wissenschaftler sprechen, der seit Jahren alles rund um das Fest der Liebe erforschte. Kater Leon war schon sehr neugierig, mehr über das Christkind zu erfahren. Zur Feier des Tages trug Leon einen dunkelgrünen Schal und eine rote Mütze.

Kater Leon ermittelt zu Weihnachten

Als sie die Buchhandlung betraten, stürzte Marina auf sie zu. Sie glänzte als Christkind in einem mit Goldglitzer übersäten weißen Kleid und einer weißblond gelockten Perücke. Aufgeregt flatterten die Flügel auf ihrem Rücken.

„Wie gut, dass ihr da seid“,  empfing sie Kater Leon und Mara. Sie war den Tränen nahe. „Stellt euch vor, gerade habe ich entdeckt, dass jemand mein Kuvert mit den 1.500 Euro gestohlen hat, das ich bei dieser Veranstaltung für den guten Zweck spenden wollte.“

Die Katzenermittler sahen sich um.

Bis auf die beiden Redner, die Buchhändlerin und eine Mitarbeiterin war noch niemand da. „Marina, bist du sicher? Hast du vielleicht schon einen Verdacht?“ Marina schüttelte bedauernd den Kopf. Da blieb Leon und Mara nichts anderes übrig, als wieder einmal zu ermitteln.

Sie begrüßten zunächst den Autor, der sich als Rudolf, das Rentier mit der roten Nase präsentierte. Diese leuchtete besonders hell, was entweder daran lag, dass er sehr aufgeregt war oder schon einiges vom hochprozentigen Beerenpunsch getrunken hatte.

„Wir sind auf der Suche nach einem Kuvert. Haben Sie vielleicht eines gesehen?“, fragte ihn Kater Leon. Rudolf schüttelte den Kopf. „Leider kann ich dir nicht helfen, so gern ich auch möchte. Es ist ja nicht zu fassen: da sind wir alle hier, um ein karitatives Projekt zu unterstützen und dann klaut wer das gesammelte Geld!“ Er schüttelte den Kopf und trank sein Häferl in einem Zug leer.

Als nächstes befragten die Katzendetektive den Wissenschaftler. Der saß da, in einem plüschigen roten Weihnachtsmann-Anzug mit weißen Kunstfellbesätzen.

„Die Leute haben heutzutage einfach keinen Respekt mehr vor Weihnachten“, murmelte er in seinen weißen Bart. „In meiner Kindheit war das alles anders. Da haben wir uns nicht einmal getraut, durchs Schlüsselloch zu schauen. Die Mutter hat immer gesagt, dass das Christkind alles sieht und dann die Geschenke wieder mitnimmt.“

„Sie haben das Kuvert also nicht gesehen?“, fragte Mara. Der Weihnachtsmann verneinte vehement.

Eine Elfe schwebte auf Kater Leon zu. Statt eines Zauberstabs trug Marinas Mitarbeiterin ein Tablett. „Möchtet ihr etwas trinken oder Kekse? Selbst gebacken, alles bio“, bot sie beflissen an. Mara und Leon griffen beherzt zu.

„Sie haben nicht zufällig ein Kuvert gesehen?“, fragten sie zwischen zwei Bissen.

„Eines?“, die Elfe lachte hell auf. „Schau mal dort auf meinen Schreibtisch. Da liegen zig Kuverts. Die Überbleibsel meiner Weihnachtspost. Vielleicht ist das, was du suchst darunter?“ Rasch steckte sich Kater Leon noch ein Vanillekipferl in den Mund, bevor er Marina von seinem Verdacht erzählte.

Wen verdächtigt Kater Leon?

 

34. Füttern verboten!

Kater Leon und seine Freundin, die Katzendame Mara gingen oft und gern in den Zoo. Das machte ihnen jedes Mal großen Spaß und es war so interessant, den Tieren zuzusehen.

Besonders gern beobachteten sie die Elefanten, Giraffen, Robben und Pinguine. Und natürlich standen jedes Mal die Jungtiere auf ihrem Besichtigungsprogramm. In einem Gehege hüpften kleine Kängurus, in einem anderen schlief der kuschelige Wolfsnachwuchs, die Baby-Erdmännchen klammerten sich an ihre Mütter und die Affenkinder sprangen übermütig umher.

Im Aquarien- und Terrarienhaus dösten die Beulenkrokodile faul vor sich hin. Aber was war denn das plötzlich für eine Hektik? Mara und Leon beobachteten, wie ein Mann aufgeregt mit einer Frau sprach und mit seinem Schirm immer wieder aufs Becken deutete. Sie sahen zu der Stelle hin, auf die er zeigte.

„Das darf ja nicht wahr sein, da hat jemand eine Alufolienkugel hineingeworfen“, schimpfte Mara und sah sich nach einem Tierpfleger um. Aber gerade war keiner zu sehen.

„Wer macht denn so etwas Dummes?“, schüttelte auch Leon den Kopf.

„Da hat sicher ein Kind seine Jause gegessen und dann die Alufolie ins Becken geworfen. Wahrscheinlich eines von der Schulgruppe, die gerade vorbeigegangen ist. Als ich zuvor ins Becken geschaut habe, ist mir noch nichts aufgefallen“, teilte der Herr mit dem Schirm mit.

Mara beschloss daraufhin, sofort aktiv zu werden und den Übeltäter auszuforschen. „Komm, Leon, wir gehen gleich zu den Schulkindern und befragen sie.“

Leon hätte weiterhin lieber die Krokodile beobachtet.

Sie lagen von allem völlig unbeeindruckt da. Aber wenn Mara einmal loslegte, dann musste Leon wohl oder übel mit. „Ob die- oder derjenige sich bewusst ist, wie gefährlich so eine dumme Aktion für die Tiere sein könnte?“, fragte Mara. Leon zuckte nur mit den Schultern. Gleich im übernächsten Raum holten sie die Schulklasse ein. In den Terrarien wanden sich verschiedenste Schlangen und die Kinder standen staunend davor.

Als sie Mara und Leon erblickten, schauten sie sich neugierig an. „Hallo, ich wollte euch immer schon einmal persönlich kennenlernen“, sagte ein Mädchen. „Ich heiße Nina.“

Mara und Leon schüttelten ihr die Hand. „Sag, Nina, ist dir aufgefallen, dass einer aus eurer Gruppe eine Alufolienkugel ins Krokodilbecken geworfen hat?“

„Nein, mir ist nichts aufgefallen. Aber ich bin auch mit meiner Freundin Klara vorausgegangen, weil uns Schlangen so faszinieren. Vielleicht war es der Hans. Der ist bei jedem Unfug dabei.“

Hans blickte Mara und Leon entgeistert an, als sie ihn befragten. „Also das weiß doch jeder, dass man nichts in Tiergehege wirft“, lenkte er jeden Verdacht von sich. „Aber ich habe gesehen, dass der Florian eine mit Alufolie eingewickelte Jause in der Schultasche hatte. Vielleicht war er es? Da drüben steht er.“

Florian beteuerte vehement, dass er niemals so etwas Dummes machen würde, und ließ Mara und Leon einen Blick in seine Schultasche werfen, in der noch immer die eingepackte Jause lag. Die beiden Katzenermittler sahen sich ratlos an.

„Können wir endlich weitergehen? Mir gruselt vor Schlangen. Ich will da nicht länger als unbedingt nötig sein“, jammerte ein Mädchen.

„Ach, Klara, sei nicht albern. Das sind doch so wunderschöne Tiere“, wurde sie vom Lehrer gerügt. Mara und Leon sahen den Kindern nach, die nun durch das Tunnelaquarium bummelten und neben und über sich die vorbeischwimmenden Fische bestaunten.

„Irgendetwas stimmt da nicht“, murmelte Mara.

„Du hast völlig recht“, bestätigte Leon.

Wen verdächtigen Mara und Leon?

 

35. Achtung, Papierflieger!

Endlich Schulferien! Kater Leon wachte an diesem Tag dennoch besonders früh auf. Er und das Katzenfräulein Mara waren in eine Sommerschule eingeladen worden, um gemeinsam mit einer Kindergruppe einen interessanten Kurs zu besuchen. Sie würden lernen, wie man die „Nassfilztechnik“ anwendete und Leon war schon sehr neugierig.

„Jetzt wach doch endlich auf, Mara!“ Leon rüttelte die Freundin. Mara schlief noch immer tief und fest. Wie konnte sie nur, dachte Leon, wo so ein spannender Tag vor ihnen lag. Neben Mara lag ein aufgeschlagenes Buch. Wahrscheinlich hatte sie die halbe Nacht gelesen und nun war sie nicht aus dem Bett zu bekommen.

Leon überlegte kurz, Mara mit der Wasserpistole nass zu spritzen. Endlich schlug sie die Augen auf und blickte verdattert um sich. Sie versuchte sich wieder zuzudecken und weiterzuschlafen.

„Nichts da! Raus aus dem Bett! Die Kinder warten schon auf uns. Das wird ein wunderschöner Tag!“ Mara brummelte vor sich hin. Sie war ein Morgenmuffel. Wenn sich jemand schon in aller Herrgottsfrüh so laut gebärdete, war ihr das ein Gräuel. „Da, trink den Kaffee, damit du in die Gänge kommst.“

Leon reichte Mara ein Häferl mit dem dampfenden Muntermacher. Eine halbe Stunde später näherten sich die beiden der Sommerschule. Aber was war das? Auf dem Gehsteig lagen jede Menge Papierflieger. Zwei kleine Mädchen weinten. „Was ist da los?“, fragte Leon.

„Wir sind so erschrocken“, erzählte eines der beiden schniefend. „Als wir hier entlanggingen, fielen plötzlich ganz viele Sachen auf uns herab. Wir wussten im ersten Moment ja nicht, dass es nur Papierflieger waren, die nicht wehtun.“

Leon hob einen der Flieger auf und faltete ihn auseinander. Es war eine Seite aus einem Englisch-Lehrbuch. Er und Mara blickten zum Gebäude hinauf. Ein Fenster im zweiten Stock erregte ihre Aufmerksamkeit. Es stand offen. Als sie hinsahen, verschwanden die Köpfe, die zuvor herausgeschaut hatten, und das Fenster wurde prompt geschlossen.

Zu spät.

Leon und Mara vermuteten, dass sie die Übeltäter dort finden würden. Die Kinder des Filzkurses, bei dem sie eingeladen waren, würden noch etwas auf ihren Besuch warten müssen. Die Papierfliegerattacke ging für die beiden Katzen-Ermittler vor. Wie hieß es so schön? Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.

„Macht euch keine Sorgen, das war nur ein dummer Streich, der nichts mit euch persönlich zu tun hat“, tröstete Mara die Mädchen. „Wir werden uns darum kümmern, dass so etwas nicht nochmals vorkommt.“

Die beiden Mädchen bedankten sich und setzten ihren Weg fort. Als Leon und Mara die Treppe in den zweiten Stock hochgingen, kamen sie gehörig ins Schnaufen. Was für ein Tag, dachte Mara. Zuerst durfte sie nicht ausschlafen, und dann musste sie auch noch Morgensport betreiben. Und das in den Schulferien!

Als die beiden Katzen den Raum betraten, war es mucksmäuschenstill. Zehn Kinder saßen auf ihren Plätzen und sahen drein, als könnten sie kein Wässerchen trüben.

„Machen wir es kurz. Wer von euch hat die Papierflieger auf die kleinen Mädchen geworfen? Ist euch nicht klar, dass man so etwas nicht macht? Zum einen haben sich die beiden erschreckt, zum anderen habt ihr die Straße zugemüllt.“ Kater Leon sah sich streng um.

„Welche Papierflieger?“, stellte sich ein Bub namens Peter unwissend.

„Wir haben doch nicht einmal Papier, um welche zu falten“, bekam er sofort Unterstützung von seiner Banknachbarin Clara.

„Genau! Wir würden doch keine Seiten aus unseren Lernbüchern reißen für so einen Blödsinn“, bestätigte Stefan. „Außerdem hat uns unser Nachhilfelehrer eingebläut, dass wir keine Dummheiten anstellen dürfen.“

„Warum?“, hakte Leon sofort nach.

„Weil sie uns sonst nach Hause schicken. Dann wäre das Geld für den Englischkurs futsch und unsere Eltern würden uns die Leviten lesen. Das will bestimmt keiner“, erklärte Peter. Alle nickten zustimmend.

„So glaubt uns doch, dass wir nichts angestellt haben. Sicher waren es die Kinder im unteren Stockwerk, die einen Bastelkurs machen“, mutmaßte Stefan.

Leon konnte den Argumenten der Kinder etwas abgewinnen. In diesem Moment betrat ein Betreuer den Raum und sah die beiden Katzen verduzt an. Leon erklärte ihm, was auf der Straße vorgefallen war, und dass sie die Kinder im Visier gehabt hatten. „Aber wir haben uns wohl geirrt“, gab Leon kleinlaut zu.

„Haben wir nicht“, widersprach Mara und erklärte, warum sie dieser Meinung war.

Wen verdächtigt Mara? 

 

36. Wer hat die Ski geklaut?

So ein Winterurlaub war etwas Feines. Mit dem Lift ging es auf den Berg hinauf, oben dann die fulminante Aussicht und schon ging es auf Skiern die glitzernden Pisten wieder hinunter.

Nach mehreren Abfahrten kehrten Leon und Mara müde bei einem Pistenwirt ein, streckten genüsslich die Beine von sich, tranken Kinderpunsch und genossen die Sonnenstrahlen auf dem bisschen Fell, das nicht dick vermummt war.

„Was gibt es Schöneres als Skifahren“, schwärmte Mara und summte „Schifoan is des leiwandste, was ma si nur vurstölln kann …“ vor sich hin.

Leon nickte zwar, doch insgeheim gefielen ihm die Pausen auf der Sonnenterrasse noch besser.

Zum einen, weil er keine so schönen Bogen fahren konnte wie die sportliche Mara, zum anderen, weil er hier die schöne Aussicht auf die umliegenden Berge genießen und die vielen Skifahrer in ihren bunten Outfits beobachten konnte.

„Ich mach noch eine Abfahrt“, kündigte Mara an. „Kommst’ mit?“ Leon schüttelte den Kopf und griff zu seinem Krimi. Seitdem er lesen gelernt hatte, war er zu einem Bücherwurm geworden.

„Ich bleib hier in der Sonne sitzen und lese ein paar Seiten. Es ist gerade so spannend …“ Gerade als Mara aufsprang und ihre Skibrille aufsetzte, hörten sie aufgeregte Stimmen am Eingang zum Lokal. Eine Frau in einem grünen Skianzug war außer sich. Immer mehr Leute versammelten sich um sie.

„Komm, Leon, lass uns nachschauen, was da los ist“, sagte Mara und lief los. Leon überlegte noch, ob er seinen gemütlichen Platz an der Sonne verlassen und sich in den Tumult begeben sollte.

Seine Neugierde siegte schließlich.

„So eine Unverschämtheit! Da mache ich mir extra die Mühe, meine Ski in den Skistall zu stellen, und dann werden sie ausgerechnet dort geklaut“, fauchte die Frau wütend. „Nagelneu waren sie. Und jetzt sind sie weg!“

„Vielleicht haben Sie nur vergessen, wo Sie sie abgestellt haben?“, versuchte Leon die Frau zu beruhigen.

„Ich bin doch nicht blöd“, schnauzte die Frau ihn an. „Ich war nur einen Sprung auf dem WC und jetzt sind die Bretter nicht mehr da.“ Leon und Mara schielten besorgt zu den eigenen Skiern, die sie vor dem Eingang des Lokals in den Schnee gesteckt hatten. Beruhigt stellten sie fest, dass sie noch alle da waren.

„Kommt nur mit“, sagte die Bestohlene. „Dann zeige ich euch, wo sie gestanden sind.“ Mara und Leon folgten der Frau in den Skistall.

„Genau hier habe ich meine Ski abgestellt.“ Sie deutete auf eine leere, blitzsaubere Stelle im Raum.

„Na, haben S’ dir deine alten Bretteln geklaut?“ Ein Mann, der seine Ski abholte, grinste übers ganze Gesicht. Die Frau blickte ihn grantig an. „Wehe, wenn ich draufkomme, dass einer von euch wieder einen seiner blöden Späße mit mir treibt. So wie das letzte Mal, als Hans meine Brille versteckt hat.“

„Was soll ich schon wieder gemacht haben?“ Hans erschien wie gerufen.

„Hast du meine Ski geklaut?“, fuhr ihn die Frau an.

Hans lachte lauthals. „Was soll denn ein Snowboarder mit deinen alten Bretteln anfangen? Und was machst du überhaupt so ein Theater? Die sind doch ohnehin versichert.“

„Mir ist der Tag verdorben“, schimpfte die Frau. „Ich gehe jetzt zur Polizei und erstatte Anzeige.“ Die beiden Männer wechselten einen belustigten Blick und verließen den Skikeller.

Mara stieß Leon an. „Die Frau hat ihre Ski selbst verschwinden lassen, um die Versicherungssumme zu kassieren“, flüsterte sie ihm zu. 

Warum ist Mara so sicher, dass die Frau einen Versicherungsbetrug begehen will? 

 

37. Einen Bären aufbinden.

„Im Frühtau zu Berge wir zieh’n, vallera, es grünen die Wälder, die Höh’n, vallera. Wir wandern ohne Sorgen singend in den Morgen noch ehe im Tale die Hähne krähn …“, sang Mara laut vor sich hin, während sie voller Elan den Wanderweg entlanglief. Weil sie die Stärkere von ihnen war, trug sie den Rucksack mit dem feinen Essen, das die beiden Katzen für ihr Picknick vorbereitet hatten: faschierte Laibchen, Kartoffelsalat und Kuchen. Leon hatte alle Mühe, mit seiner Freundin Schritt zu halten. Beim Hinuntergehen würde es leichter sein. Da würde er einfach von oben hinunterrollen …

Aber vorher wollten Kater Leon und Mara den Bärenwald besuchen. Dort konnten sie die Bären in einem natürlichen Umfeld beobachten. Weil die am späten Morgen ihre Höhlen verließen, waren die beiden Katzen schon zeitig aufgestanden, um nur nichts von so einem Tag in einem Bärenleben zu verpassen.

Als erste Aufgabe mussten die pelzigen Gesellen ihr Frühstück finden, das die Pfleger für sie versteckt hatten, damit es ihnen nicht langweilig wurde. Auf dem Speiseplan standen süße Äpfel, Wassermelonen, Gurken, Nudeln, Trockenfutter, Huhn und Fisch. Danach beobachteten Mara und Leon von der Fußgängerbrücke namens Skywalk, die hoch über den Baumwipfeln schwebte, die Bären. Sie planschten in einem großen Schwimmbecken, schleppten Äste und tollten miteinander herum. Im Ausstellungsbereich lernten die beiden Katzen einiges über den Bärenalltag, anschließend stand der Wanderweg auf dem Programm. „Komm, lass uns den Spurenpfad nehmen“, sagte Mara und zog Leon mit sich. An verschiedenen Stationen konnten sie sehen, welche Spuren Bären und andere Tiere im Wald hinterließen. Nach all den Stunden an der frischen Luft bemerkten Mara und Leon, dass sie ganz schön hungrig waren. Schließlich hatten sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen.

„Hab ich einen Bärenhunger“, sagte Mara und machte es sich auf einem Baumstumpf gemütlich. „Komm, lass uns picknicken. „

Leon kam diesem Vorschlag nur zu gern nach. Sein Magen knurrte bereits seit einer Weile.

Doch als Mara den Rucksack öffnete, war von den köstlichen Schmankerln, die sie eingepackt hatten, nichts mehr zu finden. Irgendjemand musste sie herausgenommen haben. „Das gibt’s doch nicht“, ärgerte sich Leon. „Mara, du hast doch nicht etwa …?“ Mara schüttelte vehement den Kopf.

„Wann kann denn das passiert sein?“, grübelte Leon.

„Vielleicht hat jemand unsere Jause geklaut, als du auf der Toilette warst“, überlegte Mara.

„Aber du hast doch auf den Rucksack aufgepasst“, gab Leon zu bedenken. Mara senkte schuldbewusst den Blick und seufzte: „Ich war derart mit meinem Handy beschäftigt, dass ich nicht weiß, ob die zwei Mädchen, die in der Nähe des Rucksacks gestanden sind, etwas herausgenommen haben.“

„Würdest du die zwei wiedererkennen?“, fragte Leon. Mara nickte. Mit knurrenden Mägen gingen sie zum Ausstellungsbereich zurück.

„Dort drüben stehen sie!“ Mara zeigte auf zwei Mädchen. Ehe sie sich versah, stürmte Leon los. Er hatte einen Riesenhunger und war entsprechend schlecht gelaunt.

„Wer von euch hat unsere Jause aus dem Rucksack genommen?“, fiel er gleich mit der Tür ins Haus. Die beiden Mädchen, Tina und Valerie, sahen den Kater erschrocken an. „Was für eine Jause meinst du denn?“, fragte Tina. „Ich hab gar nichts genommen. Meine Eltern haben mir eine große Portion Pommes mit Ketchup gesponsert. Ich bin davon so voll, dass ich kein einziges Fleischlaiberl mehr verdrücken könnte. Das kannst du mir glauben“, versicherte sie überzeugend und strich über ihren Bauch.

„Hm, also ich bin schon sehr hungrig“, gestand Valerie, „aber ich würde niemals jemandem seine Jause stehlen.“ Als sie das sagte, sah sie besonders treuherzig drein. Leon blickte von Tina zu Valerie und dann von Valerie zu Tina und weiter zu Mara. Wer war verdächtiger? Jemand, der bereits satt war, oder jemand, dessen Magen ebenso knurrte wie seiner, überlegte er.

„Ich glaube, da will uns wer einen Bären aufbinden“, flüsterte Mara.

Wer hat die Jause geklaut? 

 

38. Auf großer Fahrt.

Kater Leon und seine Freundin Mara saßen im Zug nach Venedig und genossen den Ausblick auf die vorüberziehenden Wiesen und Felder. Sie freuten sich schon sehr auf die Lagunenstadt, über die sie schon so viel gelesen hatten.

„Wie schön die eleganten Paläste am Canale Grande sind und dann die vielen Brücken. 398 sollen es angeblich sein. Da, schau mal, die Rialtobrücke …“ Mara konnte sich an den Fotos im Bildband, den ihnen eine Freundin geschenkt hatte, nicht sattsehen.

„Und wie toll: In Venedig fahren keine Autos. Statt Straßen wie bei uns haben die dort über 170 Kanäle, in denen sie mit Booten fahren“, las sie vor. „Ich bin ja schon so neugierig …“, kam sie aus dem Schwärmen nicht heraus.

Leon war noch ein wenig skeptisch. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, wie so eine große Stadt auf Millionen von Holzpfählen errichtet werden konnte. Die Pfähle waren vor Jahrhunderten in den lehmigen Meeresgrund gerammt worden, dann hatte man nach und nach all die imposanten Gebäude darauf errichtet. Die Vorfreude der beiden auf ihren Venedig-Besuch wurde durch das Kreischen eines Mädchens unterbrochen.

„Mein Handy wurde geklaut“, beklagte sie sich lauthals. „Es muss passiert sein, als ich kurz zu meinen Eltern ins Zugrestaurant gegangen bin“, jammerte sie, bevor Leon und Mara sich genauer erkundigten.

„Und da hast du das Handy nicht mitgenommen?“, fragten die beiden ungläubig.

„Nein, ich musste auch noch aufs Klo und da wollte ich es nicht mitnehmen, damit es mir nicht reinfällt“, antwortete das Mädchen. Das klang logisch. Dennoch kam es den Katzen komisch vor, dass jemand, dessen Ohr mit dem elektronischen Gerät geradezu verwachsen schien, dieses unbeaufsichtigt auf seinem Platz zurückließ.

Ihnen war das Mädchen bereits vorhin aufgefallen.

Seitdem der Zug aus dem Bahnhof gefahren war, hatte sie pausenlos in ihr Handy gequatscht. Dabei stand auf den Info-Monitoren, dass es verboten war, im Zug zu telefonieren, weil man dadurch die anderen Fahrgäste störte.

Aber das hatte Patrizia, wie sie sich am Telefon meldete, nicht gewusst oder hatte es ignoriert.

„Leider hat es länger gedauert, bis ich zurückgekommen bin, weil mir mein Vater noch rasch so eine Wetter-App für Italien installiert hat.“

Patrizia war knapp davor, in Tränen auszubrechen. „Wenn meine Eltern mitbekommen, dass mein Handy weg ist, schimpfen sie sicher mit mir. Wo es doch so teuer war … Bitte helft mir, den Dieb zu finden!“, flehte sie Mara und Leon an.

Ein Bub lugte schon eine ganze Weile zu ihnen herüber und hörte interessiert zu.

„Ich glaube ja, dass es der dort war.“ Patrizia deutete mit dem Zeigefinger auf ihn. Als er bemerkte, dass über ihn gesprochen wurde, wandte er den Blick ab und starrte aus dem Zugfenster.

„Hallo“, sagte Leon zu ihm. „Darf ich dich etwas fragen?“ Der Bub sah den Kater verunsichert an.

„Hast du bemerkt, dass jemand dort drüben ein Handy an sich genommen hat, während das Mädchen weg war?“

Der Bub schüttelte den Kopf. „Nein, da war keiner. Und ich hab auch nichts genommen, auch wenn sie mich gerade beschuldigt hat. Was sollte ich mit zwei Handys anfangen?“, fragte er und hielt seines hoch. Leon und Mara fielen da schon einige Sachen ein, wozu man ein zweites Handy gebrauchen konnte.

Die beiden überlegten, ob der Bub die Wahrheit sprach. Schließlich hakten sie nochmals bei Patrizia nach: „Bist du wirklich sicher, dass dein Handy gestohlen wurde?“ Das Mädchen warf den beiden einen bitterbösen Blick zu.

„Wollt ihr mir unterstellen, dass ich lüge?“, fauchte sie. Mara und Leon sahen sich an. Dann nickten beide.

Warum glauben Mara und Leon, dass Patrizias Handy nicht gestohlen wurde? 

 

39. Patschnasse Ermittlungen.

Die Regentropfen klopften gegen die Fensterscheiben. Leon hatte es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, nippte an einem heißen Kräutertee und war in ein spannendes Buch vertieft. Kurzum, er fühlte sich so richtig wohl.

Mara konnte dem tristen Wetter so gar nichts abgewinnen. Ungeduldig lugte sie ständig aus dem Fenster oder streckte ihre Nase zur Tür hinaus, um zu sehen, ob es demnächst zu regnen aufhören würde.

„Ich wollte heute mit Karin und Jakob in den Kletterpark gehen. Aber bei diesem Wetter können wir das vergessen“, murrte Mara vor sich hin. Leon unterbrach seine Lektüre.

„Regenwetter ist doch super. Viel besser als diese Affenhitze im Sommer, wo einem das Fell am Körper klebt“, blaffte er. „Wieso geht ihr nicht ins Thermenbad? Da könnt ihr rutschen und euch austoben. Aber jetzt gib bitte endlich Ruhe, damit ich weiterlesen kann.“

„Super Idee“, sagte Mara und schon hing sie am Telefon, um ihren Freunden die Programmänderung mitzuteilen.

„Tut mir leid, Mara“, sagte Jakob. „Unsere Eltern wollen Fliesen fürs neue Bad aussuchen und haben uns dazu vergattert mitzufahren.“

So ein Pech, dachte Mara.

Aber der Gedanke an die vielen Attraktionen in der Therme ließ sie nicht mehr los. Es war nämlich ein Irrglaube, dass alle Katzen das Wasser scheuten. Die meisten Katzenrassen und auch Tiger konnten schwimmen. Am türkischen Van-See lebte gar die Van-Katze, die eine richtige Wasserratte war. Ebenso wie die indische Fischkatze. Beide schwammen gern und fingen Fische.

„Leon, was hältst du von der Idee, wenn wir zusammen in die Therme fahren?“

Leon schlug das Buch zu und seufzte laut. „Okay, ich komme mit. Lesen kann ich ohnehin nicht, solange du hier ständig herumquengelst.“

Wenig später trafen die beiden in der weitläufigen Badelandschaft ein. Leon machte es sich gleich auf einer Liege bequem. Endlich konnte er in Ruhe weiterlesen, während Mara quietschvergnügt im Wasser herumtollte und sich immer wieder die Rutschen hinunterstürzte, die sich wie Riesenwürmer durch die Halle schlängelten.

Aber es dauerte nicht lange, bis die triefnasse Mara schon wieder vor Leon stand.

„Du musst mitkommen“, sagte sie. „Wir haben da ein Problem.“

„Wer ist ›wir‹?“, fragte Leon.

Dann erzählte Mara, dass sie sich beim Wasserrutschen mit einem Bub namens Florian angefreundet hatte. Danach hatten sie ein gemeinsames Wetttauchen veranstaltet. Währenddessen hatte jemand dem Buben seinen neuen E-Book- Reader aus dem Rucksack gestohlen.

„Du kannst uns sicher helfen, diesen Fall aufzuklären“, schmierte Mara dem Kater Honig ums Maul. Seufzend erhob sich Leon und ging mit ihr mit.

„Als ich vom Wetttauchen zurückgekommen bin, ist er weg gewesen“, bestätigte Florian wenig später.

Sein Freund Gerry, der angeblich gerade aus dem Umkleideraum zurückgekommen war, zuckte nur mit den Schultern, als Leon in fragte, ob er etwas aus Florians Rucksack genommen hatte.

„Ehrlich gesagt wusste ich nicht mal, dass Florian einen Kindle hat. Er hat mir wohl nichts davon erzählt, weil er weiß, dass mich das nicht interessiert. Meine Eltern kaufen mir nur Bücher.“

„Stimmt“, gab Florian zu. „Ich hab Gerry nichts von meinem E-Book-Reader erzählt.“

Mara und Leon blickten sich um. Doch bis auf ein Mädchen, das die ganze Zeit eifrig in sein Smartphone tippte, befand sich niemand in der Nähe des Rucksacks. Erst als die beiden Katzenermittler direkt vor der Liege der Kleinen standen, blickte sie zu ihnen auf.

„Ja?“, fragte sie mürrisch.

„Wir sind auf der Suche nach einem E-Book-Reader.“

„Schön für euch. Und was hab ich damit zu tun?“ Kopfschüttelnd wandte sie sich wieder ihrem Gerät zu.

„Und? Hast du einen Verdacht?“, fragte Mara. Leon nickte. „Und ob!“

Wen verdächtigt Leon? 

 

40. Das rätselhafte Päckchen.

„Puh, ob wir jemals alles in unsere Koffer bekommen?“, seufzte Mara, als sie sich im Zimmer umsah. Neben Bekleidung für jede Wetterlage, stapelten sich alle möglichen Utensilien, Tuben und Behälter von denen die beiden glaubten, dass sie sie in ihrem bevorstehenden Urlaub benötigen würden.

Die letzten Tage hatten Mara und Kater Leon damit zugebracht, alles Notwendige zu besorgen. Nun zermarterten sie sich die Köpfe, wie sie die vielen Dinge in den Koffern und Taschen unterbringen konnten.

Beide waren froh, als die Türglocke läutete und sie für eine Weile von diesem Problem abgelenkt wurden. Es war ihr Schulkollege Bert, der kurz darauf das Wohnzimmer betrat und sich umsah.

„Na bumm“, sagte er, als er das Chaos begutachtete.

„Ihr wisst aber schon, dass eure Koffer einem Gewichtslimit unterliegen?“, fragte er und grinste. „Wenn ihr das alles einpackt, was hier noch herumliegt, dann müsst ihr garantiert einen hohen Aufschlag fürs Übergepäck bezahlen.“ Kater Leon und Mara seufzten unisono, weil ihnen das bewusst war.

[caption id="attachment_2770" align="aligncenter" width="640"]Kater Leon ermittelt in den Ferien „Was ist denn da drinnen? „ Neugierig zog Bert ein Päckchen aus dem Chaos hervor, das in silbernes Papier eingepackt und mit einer blauen Schleife verziert war. Kater Leon und Mara zuckten die Schultern.[/caption]

„Das sehe ich zum ersten Mal“, sagte Leon.

„Gestern ist es noch nicht da gelegen. Das weiß ich sicher.“ Mara nahm das Packerl, schüttelte es sacht vor ihrem rechten Ohr, dann beschnupperte sie das Paket.

„Macht es schon auf“, forderte Bert die beiden ungeduldig auf. „Sicher steht drinnen, von wem es ist.“

Gesagt, getan. Kater Leon riss das Papier herunter und zum Vorschein kam ein Kugelschreiber. Aber kein gewöhnlicher, sondern einer mit eingebauter Kamera und Mikrofon.

„Wow, das ist ein tolles Geschenk“, raunte Leon. Dann las es den beigelegten Zettel: „Dieser Kugelschreiber soll euch überall hin begleiten und Zeuge eurer Reiseabenteuer werden. Alles Gute von eurem Fan“, stand darauf. „Und von wem ist es?“, fragte Mara neugierig.

„Keine Ahnung. Es steht kein Name dabei“, sagte Kater Leon, nachdem er den Zettel nochmals genau begutachtet hatte.

Bert versuchte es mit Logik. „Überlegt mal. Wenn ihr es nicht dorthin gelegt habt, dann kann es nur jemand gewesen sein, der euch gestern besucht hat.“

Mara und Leon dachten nach. „Dann kann es nur von der Gerti-Oma oder von Tante Maria sein.“

Zunächst rief Leon die Großmutter an. „Na, ihr zwei Weltenbummler, wie geht es euch denn?“, fragte Oma Gerti.

Leon erkundigte sich bei ihr, ob sie das Geschenk mitgebracht hatte. „Nein, Leon, ich wüsste gar nicht, was ich euch schenken sollte, bei den vielen Sachen, die ihr schon habt. Aber gut, dass du anrufst. Wann genau reist ihr denn ab? Ich möchte noch eine große Torte zum Abschied backen.“

Tante Maria wunderte sich, dass Leon sich nach so kurzer Zeit schon wieder bei ihr meldete: „Hallo, Leon! Ist was passiert?“, fragte sie besorgt.

Kater Leon gab Entwarnung: „Alles okay, Tante Maria. Wir haben hier nur etwas gefunden und wollten wissen, ob das vielleicht von dir ist.“

„Nein, leider. Ich hab euch kein Geschenk mitgebracht, weil ich ja nicht wusste, was ihr noch brauchen könnt. Aber falls ihr etwas benötigt, dann bitte gebt mit Bescheid, okay?“, bot Tante Maria an.

„Eigenartig“, murmelte Kater Leon, als er auflegte. Dann erzählte er Mara und Bert, was die beiden geantwortet hatten.

„Aber von wem außer den beiden könnte das Geschenk sonst stammen?“, grübelte Mara.

Nach einer Weile schnippte Kater Leon mit dem Finger. „Aber sicher doch! Natürlich war es eine der beiden“, sagte er und präsentierte Mara und Bert des Rätsels Lösung. 

Von wem ist das Geschenk? 

 

41. Abschiedsparty!

Es waren nur noch wenige Tage bis zum heiß ersehnten Urlaub. Als erstes würden Kater Leon und Mara nach Mailand fliegen. Danach standen Florenz und Rom auf ihrem Programm, anschließend würden die beiden mit dem Schiff die Küste entlang fahren.

Eigentlich hätten sie allen Grund zur Freude gehabt, doch Mara zappelte noch mehr herum als gewöhnlich und Leon war ebenfalls sehr aufgeregt. Anstatt Mara beim Packen zu helfen, saß er die meiste Zeit auf dem Sofa und las spannende Krimis.

„Bald geht es los und wir haben noch immer so viel zu tun“, jammerte Mara und raufte sich die Haare. Sie schaute sich um und schüttelte erschöpft den Kopf. „Das schaffen wir nie“, jammerte sie. „Und du sitzt da und liest.“

„Aber wir haben doch bereits alle Reiseunterlagen zusammen“, verteidigte sich Leon. „Mal ehrlich, wir haben doch die Reise schon seit Wochen gut vorbereitet. Wir haben die Tickets und Unterkünfte gebucht, viele Bücher besorgt und aus dem Internet wichtige Infos ausgedruckt. Wir haben die Akkus der Kameras aufgeladen, Sonnenbrillen, Regenzeug und gutes Schuhwerk eingepackt und sogar an Medikamente gedacht für den Fall, dass wir uns irgendwo einen Darmvirus oder einen Sonnenbrand einfangen“, leierte der Kater herunter.

Leon war zuversichtlich, dass sie an alles gedacht hatten und nichts fehlte.

„Du hast gut reden“, konterte Mara. „Aber all dieses Zeug muss jetzt auch verstaut werden und ich weiß einfach nicht mehr, wo ich was hineinstopfen soll.“

Es war sonst gar nicht Maras Art, ein Glas halb voll zu sehen. Aber diesmal war das anders. Sie war schon sehr müde und ärgerte sich, dass Leon es sich gemütlich machte, während sie sich abrackerte. Kater Leon hingegen war schon etwas genervt von Maras Gejammer. Zum Glück kam ihm eine gute Idee.

„Mara, mach dir keine Sorgen: Wir bekommen alles locker in die Koffer und sie werden auch nicht zu schwer sein, weil wir doch alles schon zuvor abgewogen haben. Erinnerst du dich nicht mehr?“ Mara nickte.

Leon fuhr fort: „Und weißt du was? Um uns von allen Freunden zu verabschieden, machen wir eine Abschiedsparty im Garten. Dann haben wir eine schöne Zeit miteinander ohne viel vorbereiten zu müssen“, schlug der Kater gut gelaunt vor.

Mara überlegte nicht lang und umarmte ihn.

„Was bist du doch für ein kluger Kopf!“, sagte sie und schon lief sie zum Computer und schrieb eine E-Mail. „Liebe Freunde! Ihr wisst, dass es bei uns bald losgeht. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn wir euch alle nochmals treffen könnten. Darum veranstalten wir am 31. Juni in unserem Garten eine große Abschiedsparty. Bitte gebt uns rasch Bescheid, ob ihr kommen könnt, damit wir genug zum Essen und Trinken einkaufen. Ganz liebe Grüße von Leon und Mara“, schrieb sie und schickte die Nachricht los.

„Ich bin schon gespannt, wer als Erster zusagen wird“, sagte Leon. Doch keiner meldete sich.

„Hast du die richtigen Adressen angeschrieben?“, fragte Leon, als drei Stunden vergangen waren, ohne, dass sich jemand auf ihre Nachricht gemeldet hatte. Mara kontrollierte alle und nickte. Da klingelte das Telefon. Ihre Freundin Nina war dran.

„Na ihr beiden Weltenbummler. Habt ihr schon viele Zusagen erhalten?“, kicherte sie. „Nein, komischerweise hat sich bis jetzt noch niemand bei uns gemeldet“, antwortete Mara. „Es werden an dem Tag doch hoffentlich nicht schon alle auf Urlaub sein?“

Nina lachte. „Nein, das denke ich nicht. Ich schlage vor, dass ihr eure Einladung nochmals in Ruhe durchlest. Ich komme auf jeden Fall zu eurer Abschiedsparty. Und sicher kommen auch die andern, sobald ihr das Missverständnis aufgeklärt habt“, sagte sie.

Mara druckte die Einladung aus und gab sie Leon. Der las den Text aufmerksam durch, dann war ihm alles klar.

Von welchem Missverständnis ist die Rede? 

 

42. Sommergrüße!

„Lieber Leon! Wir sind gut in Griechenland angekommen. Wir schicken dir viele Sonnengrüße. Deine Freunde Biene und Bert.“ Kater Leon freute sich über die Ansichtskarte.

In Zeiten von WhatsApp und Facebook kam es nur noch selten vor, dass im Postkasten etwas anderes als Werbeinformationen oder Rechnungen zu finden waren. Darum freute er sich umso mehr über diese „altmodischen“ Grüße.

Er heftete die Karte auf das Pinboard im Vorzimmer, um sich noch lange an den weißen Häusern mit den blauen Türen und Fenstern zu erfreuen, hinter denen sich das endlos scheinende Meer ausdehnte. Die Farben waren typisch für Griechenland wie man auch auf der Nationalflagge mit den neun horizontalen Streifen und dem Kreuz im linken oberen Eck sehen konnte, die auf einem der Häuserdächer im Wind wehte.

„Wie hübsch es dort ist“, seufzte Kater Leon. „Da wäre ich jetzt auch gern.“ Aber der Kater durfte sich nicht beklagen. Ganze drei Wochen waren er und Mara in Italien auf Urlaub gewesen.

Kaum zurück, zeigte sich der Sommer auch hier von der schönsten Seite. Es war wolkenlos und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Was für ein herrlicher Tag. Das Telefon klingelte.

„Wo bist du?“, hörte er Mara. „Komm doch ins Schwimmbad, es ist herrlich hier.“

Das ließ sich Kater Leon nicht zweimal sagen. Er verlor keine Zeit. Ruckzuck war der Rucksack gepackt und schon ging es los. Im Bad suchte sich Leon ein schattiges Plätzchen in der Nähe von Mara und ihren Freundinnen Margit und Lene. Dort machte er es sich gemütlich und genoss das bunte Treiben. Ins kühle Nass wollte er erst später eintauchen. Er gähnte.

Kater Leon musste eingedöst sein, denn plötzlich wurde er von lautem Gezänke geweckt. Worüber ärgerte sich Margit nur so? Leon erhob sich langsam und ging zu den beiden Streithennen.

„Was ist los?“, fragte er.

„Margit will mir ernsthaft erklären, dass die Flagge von Griechenland gestreift ist. Und das erzählt sie mir, wo ich seit Jahren mit meinen Eltern dort die Ferien verbringe“, fauchte Lene. „Ich sag euch, auf der Fahne ist ein blaues Kreuz auf weißem Grund abgebildet. Punkt.“

„Du bist immer so eine Besserwisserin. Man muss nicht unbedingt irgendwo Urlaub machen, um zu wissen, dass die griechische Flagge aus neun Streifen in blau und weiß besteht“, konterte Margit verärgert. „Aber nur so nebenbei: Auch ich war vor zwei Jahren in Griechenland und ich weiß noch ganz genau, dass ich am Strand eine Fahne gesehen habe und die war nun mal hellblau-weiß gestreift! Aus basta.“

„Na, dann schauen wir halt mal im Internet nach, wer von uns beiden recht hat“, schlug Lene bissig vor und tippte auf ihr Handy. „Mist, mein Akku ist aufgebraucht“, stellte sie gleich darauf fest.

„Und ich hab mein Handy zuhause gelassen. Ich will doch nicht, dass es mir irgendwer im Bad klaut“, maulte Margit. „Aber ich sag dir, ich hab recht!“

„Nein, ich!“, schimpfte Lene. Dann stopfte sie demonstrativ ihre Badesachen in den Rucksack. „Ich such mir jetzt einen anderen Platz, der möglichst weit von dir entfernt ist. Du gehst mir mit deiner Rechthaberei echt auf den Nerv“, zischte sie zornig.

Mara versuchte die Freundin zurückzuhalten, aber Margit konnte den Mund nicht halten: „Ja, bitte, tu das. Ich will mir den schönen Tag doch nicht von dir verderben lassen.“ Margit drehte sich um und zeigte ihrer Freundin die kalte Schulter.

Kater Leon fand es an der Zeit, sich einzumischen. „Jetzt hört doch auf zu streiten!“, sagte er. „Vertragt euch bitte wieder und lasst uns ein paar Runden schwimmen. Der Tag ist zu schön, um sich wegen solchen Kleinigkeiten in die Haare zu bekommen. Schließlich habt ihr beide recht.“ Margit und Lene sahen Leon verwundert an.

Warum weiß Kater Leon so genau, dass sowohl Margit als auch Lene recht haben? 

 

43. Findet den Schokoladedieb.

Auf dieses Abenteuer in der Natur hatte sich Kater Leon schon den ganzen Sommer gefreut: er nahm mit Mara und seinen Freunden Peter und Olivia an einer dreitägigen Waldwanderung teil. Mit dabei waren zwei weitere Kinder. die Theresa und Stefan hießen.

Am ersten Tag wanderten sie über Wiesen, Felder und durch Wälder. Um einen Bach zu überqueren, mussten sie von einem Stein zum nächsten springen. Das war gar nicht so einfach, weil die Steine vom Wasser abgerundet und sehr glitschig waren. Doch es gelang allen, trocken auf die andere Seite zu kommen. Immer wieder erzählte ihnen die Wanderführerin Jasmin Wissenswertes über die Pflanzen, die sie ihnen am Weg zeigte.

„Da schaut her, ein Steinpilz“, sagte sie. „Hier ist noch einer“, rief Olivia. „Am besten, wir sammeln sie, dann haben wir schon unser Abendessen“, sagte Jasmin.

„Puh, ob das ausreicht?“, fragte Olivia und drehte das gefundene Schwammerl zwischen Daumen und Zeigefinger. „Jetzt mach halt die Augen auf“, wies Theresa sie zurecht und zeigt auf den Waldboden. „Da schau, da stehen noch ganz viele.“

Stefan nickte und zeigte auf eine andere Stelle: „Genau. Und dort drüben auch.“ Ehe sie sich versahen, war ein Leinenbeutel mit Speisepilzen gefüllt. Den hatte Jasmin extra mitgenommen, weil Plastiksackerl für den Transport von Schwammerl nicht geeignet waren. Ohne Luft schwitzten sie und verdarben rasch.

„Wow, seht mal“, rief Peter.

„Da sind ja auch jede Menge Brombeeren.“ Kater Leon und die anderen staunten nicht schlecht, wie viele Früchte in der Natur auf sie warteten. Eifrig sammelten die Kinder die Beeren ein, wobei sie aufpassen mussten, dass sie sich im dornigen Gestrüpp nicht verletzten.

„Nur blöd, dass ich gegen diese Früchte allergisch bin“, sagte Olivia. „Gut, dass ich sicherheitshalber Schokolade in meinen Rucksack gepackt habe.“

„Hm, Schokolade … Gibst mir nachher ein Stück?“, fragte Stefan und lächelte Olivia ganz lieb an. „Schokolade würde mir auch schmecken, aber leider werde ich davon immer so müde“, bedauerte Theresa.

Nach einer spannenden Wanderung, bei der sie viele Tiere beobachtet und viel Wissenswertes erfahren hatten, trafen sie bei der Holzhütte ein, in der sie übernachten wollten.

Außen war das Häuschen aus dunklem Holz, innen war alles hellbraun und bestand nur aus einem einzigen Raum, in dem ein Matratzenlager aufgebaut war. Die Küche bestand aus einem Herd mit zwei Platten und einer Abwasch. Das Wasser mussten die Kinder draußen vom Brunnen holen.

Endlich war das Abendessen fertig. Sie hatten Schwammerlsuppe zubereitet und zum Nachtisch gab es frische Waldbeeren.

„Kommt, lasst uns Verstecken spielen“, sagte Theresa. Alle waren einverstanden. Während sie langsam von 20 bis 1 zählte, liefen die Kinder in alle Windrichtungen davon. Kater Leon und Mara kauerten hinter einem Busch und warteten. Doch niemand kam, um sie zu suchen.

„Wo nur Theresa bleibt?“, wunderten sie sich. Irgendwann wurde es ihnen zu fad und sie kehrten ins Haus zurück. Dort fanden sie Peter und Stefan, die kopfschüttelnd vor Theresa standen, die tief und fest auf dem Matratzenlager schlief.

Kurz nach Kater Leon und Mara betrat auch Olivia die Hütte. Auch sie hatte es aufgegeben, in ihrem Versteck auszuharren.

Als sie Theresa sah, lachte sie. „Na, da ist ja eine müde gewesen“, stellte sie fest. Dann ging sie zu ihrem Rucksack. „Wer von euch hat meine Schokolade aufgegessen?“, fragte sie streng, nachdem sie in ihren Rucksack geschaut hatte.

Kater Leon überlegte kurz, dann wusste er, wer der Dieb war.

Wen verdächtigt Kater Leon und warum?

 

44. Der Farbteufel.

Die Sonne strahlte mit Martha, der Wirtin im rosa Dirndl, um die Wette. Sie begrüßte Kater Leon, Mara und alle anderen Besucher herzlich und hieß sie mit einem Becher aufgespritzten Marillensaft willkommen.

Danach stand ein Rundgang auf dem Programm, der durch den idyllischen Garten mit unzähligen großkronigen, weiß und rosa blühenden Marillenbäumen führte.

Anschließend würde im Wirtshaus und im angrenzenden Hofladen all das verkostet und verkauft werden, was aus der Ernte des Vorjahres hervorgegangen war: Wachauer Marillenmarmelade, Marillenkuchen, Marillenknödel, Marillennektar, Marillenkracherl …

„Wir haben drei Stationen eingerichtet, wo wir euch interessante Informationen rund um die Marille geben werden. Wir gehen in zwei Gruppen.“

Die Wirtin deutete auf die Menschentraube zu ihrer Linken: „Ihr seid Gruppe 1 und geht mit mir.“ Dann zeigte sie auf die rechts Stehenden, unter denen sich auch Kater Leon und Mara befanden: „…ihr seid Gruppe 2 und geht mit Bernhard.“

Leon sah dem Besuchergrüppchen sehnsüchtig nach, das mit Martha zwischen den Marillenbäumen verschwand. Die Wirtin machte diese Wanderungen seit Jahren und war eine begnadete Unterhalterin. Bernhard war zwar gut vorbereitet, aber er machte zum ersten Mal eine solche Führung und war entsprechend unsicher. Sie kamen zur ersten Station.

In seinem Vortrag erzählte Bernhard, dass die Marille aus China kam. Neuere Forschungen belegten, dass sie nicht erst, wie bisher angenommen, in der Römerzeit, sondern schon lange davor in der Wachau angebaut wurde.

Bei der zweiten Station erzählte Bernhard über die Bedeutung der Marille für Tier und Mensch. Bei der dritten Station verschlug es ihm die Sprache. Jemand hatte die umstehenden Bäume, den Wegweiser und die Infotafel mit knallblauer Farbe verwüstet. „Wer macht denn so etwas“, stotterte Bernhard, als er seine Sprache wieder fand.

„Das kann nur jemand aus der ersten Gruppe gewesen sein“, stellten Kater Leon und Mara fest.

Dann entdeckten sie ein gelbes Stück Papier am Boden.

„Das soll euch eine Lehre sein! Armin“, stand darauf. Diese Nachricht behielten die Katzenermittler vorerst für sich. Bernhard rief die Wirtin an und bat sie mit ihrer Gruppe zur dritten Station zurückzukehren.

„Du meine Güte, wie schauts denn hier aus?“, fragte Martha schockiert, als sie sich umblickte.

„Haben Sie einen Verdacht?“, fragte Kater Leon. Die Wirtin dachte angestrengt nach. Dann schüttelte sie den Kopf. „Beim besten Willen nicht. Ich bin immer ganz vorn gegangen und habe geplaudert. Drum kann ich nicht sagen, ob jemand eine Zeitlang nicht bei meiner Gruppe war.“

„Kennen Sie einen Armin?“, fragte Leon. Die Wirtin nickte. „Oh ja, den kenne ich! Und er ging in meiner Gruppe. Dem traue ich so etwas sofort zu. Der macht ja oft so dumme Streiche. Wo ist er überhaupt?“

Martha sah sich um, aber von Armin war weit und breit nichts zu sehen. Hatte er es vorgezogen, sich in Sicherheit zu bringen? Die Wirtin bat alle ihre Taschen zu öffnen, aber in keiner befand sich ein Farbspray.

„Was soll das?“, fragte ein Mädchen namens Silvia empört. „Auf dem Zettel steht doch ohnehin schon drauf, dass es der Armin war.“ Sie deutete auf den Zettel in Leons Hand. Die Wirtin sah die beiden Katzenermittler fragend an, woraufhin Leon ihr den Zettel gab. „Dann haben wir ja den Täter“, stellte Martha fest.

„Allerdings“, bestätigten Kater Leon und Mara.

Ist Armin der Täter? 

 

45. Ausflug in die Schokoladefabrik.

Davon hatte Kater Leon schon immer geträumt: Schokolade in allen möglichen Variationen zu verkosten – ohne jegliche Beschränkung.

Darum freute er sich auf den Ausflug mit Mara und Bert in die Schokoladenfabrik. Aufgeregt stellten sie sich in der langen Schlange vor der Kasse an und lösten das Ticket für den Rundgang.

Zunächst stand ein Kinofilm auf dem Programm. Darin erzählte der Inhaber der Fabrik, dass die Urväter der Schokoladenkultur die Olmeken waren, ein Indianervolk, das bereits 1500 v. Chr. In Mittelamerika lebte. Von ihnen übernahmen die Mayas und später die Azteken das Kakaogetränk.

„Jetzt pass doch auf!“, flüsterte Mara, als sie sah, dass Bert wieder einmal seine ganze Aufmerksamkeit seinem Smartphone widmete anstatt zuzuhören.

„Ach Mara, sei doch nicht so zickig. Ich kann sehr wohl zuhören und gleichzeitig meine neuen Nachrichten lesen“, verteidigte sich Bert. Nach dem Film war es endlich soweit: die Drei erhielten nicht nur ein Audiogerät, mit dem sie bei den einzelnen Stationen Informationen abrufen konnten sondern auch einen Probierlöffel.

„Puh, das schmeckt aber bitter“, stellten die drei beim ersten Schokobrunnen fest, aus dem die Grundsubstanz zur Schokoladenherstellung herauskam. Die schmeckte noch so gar nicht nach der süßen Versuchung, die sie sonst so gern mochten.

Anschließend gingen sie durch die Fabrik. Bert war begeistert: „Schaut euch die riesigen Geräte und Laufbänder an.“ Er interessierte sich für alles Technische und so begutachtete er durch eine Glasscheibe die Maschinen zur Schokoladenherstellung.

Das hätte er stundenlang machen können.

„Bert, wir gehen jetzt weiter“, sagten Kater Leon und Klara nach einer Weile. „Wir können es nämlich nicht mehr erwarten, endlich in den Bereich zu kommen, wo es ans Verkosten der unterschiedlichen Schokoladen geht.“

Das ließ sich Bert nicht zweimal sagen und schloß sich den Freunden an. Schließlich erreichten sie das Paradies für Naschkatzen: In den Gefäßen wartete Nugat in den verschiedensten Geschmacksrichtungen auf sie, das sich die Drei sofort auf der Zunge zergehen ließen.

„Hm, das schmeckt köstlich“, stellte Kater Leon zufrieden fest und schon hielt er seinen Probierlöffel unter den nächsten Auslass. Im angrenzenden Raum kam es gleich noch besser! Dort stand ein Behälter neben dem anderen und in jedem befanden sich Schokoladen aller Art, von denen sich die Besucher kleine Stücke herunterschneiden und verkosten konnten.

„Was für eine Geschmacksexplosion“, lachte Mara. Nach und nach ließen sie sich die weißen, milchigen und dunklen Schokoladen, Trinkschokoladen und Kuvertüren mit den unterschiedlichsten Fruchtgeschmäckern, mit Nüssen oder Gewürzen und sonst so Allerlei schmecken.

Auch Bert war vom Verkosten derart begeistert, dass er nicht einmal mehr auf das Piepen seines Handys reagierte, das ihm ständig neue Nachrichten ankündigte. „Bin ich froh, dass die Azteken die Schokolade erfunden haben“, stellte er lachend fest.

Er fischte die nächste Kostprobe aus einem Behälter. Dann ergänzte er grinsend: „Nur gut, dass meine Mutter nicht sehen kann, wie viel Schokolade ich hier esse. Sonst würde sie mir sicher einen Vortrag über gesunde Ernährung halten.“

„Ach, Bert. Du hättest vorhin weniger auf dein Smartphone schauen und stattdessen besser zuhören sollen“, rügte Mara den Freund und schüttelte den Kopf. Kater Leon lachte. 

Warum soll Bert besser zuhören?

 

46. Wo ist der Krimi?

Kater Leon wachte an diesem Tag besonders früh auf. Und das obwohl Sommerferien waren. Heute fand ein Ferienworkshop mit einer Krimiautorin statt und Leon war schon neugierig, was sie so alles erzählen würde.

Als besonderes Highlight war angekündigt, dass alle Teilnehmer des Workshops eine Geschichte erfinden und diese dann anschließend inszenieren würden. Darauf freute sich Kater Leon, der gern schauspielerte, ganz besonders. Es würde ein spannender Ferientag werden. Da war er ganz sicher. Ruckzuck machte er sich fertig, packte seine Jause und die Wasserflasche in den Rucksack und düste los. „Ach, jetzt hab ich das Buch vergessen“, fiel ihm am Gartentor ein und rasch lief er zurück, um den Krimi der Autorin zu holen. Leon wollte sich eine persönliche Widmung von ihr hineinschreiben lassen.

Aber wo war das Buch? „Ich habe es doch vorgestern auf die Kommode gelegt“, murmelte Leon. Er schaute überall nach, doch das Buch war nirgends zu finden.

„Vielleicht hat es Pauli mitgenommen?“, überlegte der Kater. Der Nachbarjunge war gestern einen Sprung vorbeigekommen, weil seiner Mutter das Salz ausgegangen war.

„Hi Pauli, hast du eins meiner Bücher mitgenommen ohne mir Bescheid zu sagen?“, erkundigte sich Kater Leon kurz darauf am Telefon.

„Ach Leon, jetzt hast du mich aufgeweckt. Was faselst du da von einem Buch? Ich hab keins gesehen und auch keine Ahnung, wo das gelegen sein soll“ Pauli gähnte. „Und wieso glaubst du eigentlich, dass ich es war? Du weißt doch, dass ich nur Fantasy-Geschichten lese und keine Krimis“, murrt er.

„Entschuldige, ich hoffe, du kannst nochmals einschlafen. Aber ich musste dich jetzt anrufen, weil ich das Buch dringend brauche und schon spät dran bin“, entschuldigte sich Kater Leon bei ihm.

Es blieben ihm nur noch zehn Minuten, um das Buch zu finden.

Da läutete sein Handy. „Guten Morgen lieber Leon“, tönte es laut. Es war Mara, die sich wie immer energiegeladen anhörte. „Leon, du vergisst eh nicht, das Buch der Autorin einzupacken? Vielleicht liest sie uns etwas draus vor.“

„Leider ist der Krimi verschwunden. Ich such ihn schon überall und hab keine Ahnung, wo er sein könnte“, bedauerte Kater Leon.

„War nicht gestern Barbara bei dir?“, erkundigte sich Mara. „Die liebt doch Krimis über alles. Wäre doch gut möglich, dass sie ihn eingepackt hat.“

„Das ist eine gute Idee! Ich ruf sie gleich an.“ Barbara meldete sich nach dem ersten Läuten mit fröhlicher Stimme. Sie ging abends früh schlafen und wachte immer frisch und munter in aller Frühe auf. Aber was den Krimi anbelangte, hatte Kater Leon kein Glück.

„Leider, lieber Leon, ich hab dein Buch nicht mitgenommen. Ich halte dir die Daumen, dass du es noch rechtzeitig findest.“ Damit hatte sich Leons letzte Hoffnung in Luft aufgelöst.

„Du meine Güte, schon so spät“, entfuhr es ihm, als er auf die Uhr sah. Jetzt musste er sich beeilen. Wenn er die ganze Strecke lief, konnte er es gerade noch rechtzeitig zum Workshop schaffen.

„Wie gut sich die kühle Morgenluft anfühlt.“ Kater Leon atmete tief ein, als er sich neuerlich auf den Weg machte. Er sprintete quer durch den Park, wo die Eichhörnchen von Ast zu Ast sprangen und die Vögel laut zwitscherten. Und wie Leon so dahinhinlief wurde ihm klar, dass ihn einer seiner Freunde angeschwindelt hatte. 

Wer hat Kater Leon angeschwindelt? 

 

47. Kater Leon geht Campen.

Was für ein Abenteuer: Zum ersten Mal war Kater Leon bei einem Campingausflug in der freien Natur dabei. Zusammen mit seiner Freundin Mara und den anderen Pfadfindern Elisa, Martin, Robert und Jakob ging es zunächst mit festem Schuhwerk und voll bepackten Rucksäcken über Stock und Stein.

Leon hatte Kleidung für Sonne, Kälte und Regen eingepackt, um für jedes Wetter bestens gerüstet zu sein und auch Isomatte, Schlafsack, Plastikbecher, -teller und -besteck, Taschenlampe sowie Sonnen- und Insektenschutz hatte er dabei.

Die Gruppenleiter und Robert trugen die Zelte, den Gaskocher und die Notfall-Apotheke.

Alle waren bester Laune und stapften singend über Wiesen und durch den Wald. Die Sonne blinzelte zwischen den Blättern hindurch, die Vögel zwitscherten. In der Ferne rauschte ein Bach. Nach dem Fußmarsch gelangten sie schließlich an eine Lichtung.

„Geschafft“, freute sich Leon und kramte in seinem Rucksack nach dem Gelsenspray. Während die Campingprofis die Zelte aufbauten, suchten Leon, Mara und Elisa Brennholz fürs Lagerfeuer und pflückten Beeren für den Nachtisch. Danach rollten sie in den Zelten die Schlafsäcke aus und verstauten ihre Rucksäcke.

„Fertig! Kommt, lasst uns zum nahegelegenen See gehen und ein paar Runden schwimmen“, schlug Gruppenleiter Ralf vor, nachdem alle Arbeiten erledigt waren. Es war ein heißer Tag. Da bot ein Sprung ins kühle Nass die ideale Erfrischung. Abends versammelten sich alle ums Lagerfeuer, spielten, sangen und brieten auf Holzspießen Würstchen und Marshmallows.

„Was für ein schöner Tag“, murmelte Kater Leon, als er sich in seinen Schlafsack kuschelte. Mara war bereits eingeschlafen. Ein Schrei von Elisa weckte Leon am nächsten Morgen. „Meine Wanderschuhe sind weg! Ich wollte vor dem Frühstück einen Spaziergang machen und jetzt finde ich sie nicht mehr und hab auch keine Ersatzschuhe dabei.“

„Vielleicht hast du nur vergessen, wo du sie hingestellt hast?“, fragte Leon gähnend.

Mara rieb sich die Augen.

„Ich hab meine Schuhe vorm Schlafengehen vors Zelt gestellt“, versicherte Elise. „Sicher hat mir jemand einen Streich gespielt!“ Kater Leon und Mara krochen aus den Schlafsäcken.

„Mach dir keine Sorgen, wir helfen dir sie zu finden. Zieh einstweilen meine Badeschuhe an“, bot Mara an. Dankbar schlüpfte Elise hinein. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es einer der Burschen war“, flüsterte sie.

Kater Leon nickte. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Robert, Martin und Jakob einen dummen Streich ausheckten.

„Wer von euch hat Elisas Schuhe versteckt?“, frage der Katzenermittler, als alle beim Frühstück versammelt waren.

Robert, Martin und Jakob blickten überrascht drein.

„Ich bin abends als Erster eingeschlafen und heute Morgen als Letzer aufgewacht“, wies Jakob sofort jeden Verdacht von sich.

„Was ja nichts sagt“, grinste Martin. „Vielleicht bist du ja in der Nacht aufgewacht und hast sie genommen?“ Er zwinkerte seinem Freund fröhlich zu.

„Blödsinn“, wiegelte der sofort ab.

„Ich hab in der Nacht was gehört“, erinnerte sich Robert.

„Irgendwann bin ich aufgewacht und da kam mir vor, als würde draußen jemand herumschleichen. Als ich nachgeschaut habe, war aber keiner da.“

„Wer weiß, vielleicht war es eine Waldelfe. Die mögen garantiert hübsche Mädchenschuhe mit rosa Einlegesohlen“, lachte Martin. Dann wurde er wieder ernst und wandte sich an Elisa: „Von uns Dreien hat sicher keiner deine Schuhe genommen. Aber wir helfen dir natürlich bei der Suche.“

Robert und Jakob nickten. „Genau. Wir werden sie schon finden.“

„Da bin ich mir sicher und ich weiß auch schon, welcher Scherzbold deine Schuhe versteckt hat“, sagte Kater Leon. 

Wer hat Elisas Wanderschuhe versteckt?

 

48. Wer rettet die wilden Tiere?

„Puh, heute ist es wieder heiß“, seufzte Kater Leon. Seine Freundin Mara nickte. „Ich habe eine Idee“, sagte Leon. „Wir gehen in den kühlen Wald und besuchen den Verein zur Rettung von Wildtieren. Danach machen wir ein Picknick im Schatten der Bäume.“

Kater Leon und Mara bereiteten Jausenbrote zu, füllten ihre Wasserflaschen und wuschen zwei Äpfel. Dann setzten sie Sonnenbrillen auf und zogen mit den Rucksäcken los. Leon hatte außerdem noch eine Decke eingepackt, Mara ein Kartenspiel, Rätselheft und Stifte.

Die Fahrt im stickigen Bus mussten sie noch überstehen. Von der Ausstiegsstelle waren es dann aber nur wenige Schritte in den kühlen Wald.

„Da ist es.“ Leon deutete auf eine hölzerne Eingangstür. Die beiden traten ein und wurden von einem jungen Mann namens Moritz begrüßt. Er führte sie herum, erzählte ihnen, dass pro Jahr rund 4000 verwaiste oder verletzte Tierfindlinge hier landeten.

„Tiere aus ganz Österreich werden zu uns gebracht und wir ziehen sie auf, pflegen sie gesund und wildern sie dann wieder aus.“ Vögel, Rehe, Igel, Waschbären und andere tummelten sich in den Volieren und Gehegen.

„Leider landen auch Tiere bei uns, die gar keine Hilfe benötigt hätten“, fuhr Moritz fort. „Viele Helfer machen den Fehler, dass sie Jungtiere für hilflos halten, die es gar nicht sind. Jungvögel zum Beispiel verlassen oft das Nest bevor sie richtig fliegen können. Sie werden aber von ihren Eltern weiterhin versorgt. Bei Hasen, Rehen und anderen Waldtieren ist es ebenfalls normal, dass sie ihre Jungen stundenlang allein lassen.“

Mara sah Moritz skeptisch an.

„Aber das ist doch gefährlich“, warf sie ein.

Moritz klärte sie auf: „Ganz im Gegenteil. Das Alleinlassen der Kitze etwa ist ein guter Schutz. Dank ihres gefleckten Fells sind sie gut getarnt und es fehlt ihnen jeglicher Eigengeruch. Ihre Mütter kommen nur für rund eine halbe Stunde zum Säugen, damit keine Feinde auf sie aufmerksam werden. Wen nun ein Mensch so ein Kitz oder ein anderes Jungtier angreift, nimmt es dessen Geruch an. Wenn Tiereltern Menschengeruch wahrnehmen kann es sein, dass sie ihr Kleines nicht mehr versorgen.“ Kater Leon und Mara bedankten sich für die interessanten Informationen und zogen weiter.

„Ach, wie süß!“ Mara zeigte auf ein kleines Eichhörnchen, das einen Baumstamm hinaufjagte. Es war so schön im Wald. Nur die Vögel zwitscherten und die Insekten surrten. Weder Autolärm noch Menschenlaute waren zu hören.

„Das war eine gute Idee“, sagte Mara und hüpfte fröhlich den Waldweg entlang. „Jetzt suchen wir uns irgendwo ein schönes Plätzchen, okay?“ Leon nickte und versuchte mit Mara Schritt zu halten. Tief atmete er die gute Waldluft ein. Er liebte Bäume. Ganz besonders liebte er ihren Schatten in den heißen Sommermonaten.

„Jetzt freu ich mich auf unsere Jause. Mir knurrt der Magen“, stellte Leon fest und steuerte einen schattigen Baumstumpf an. Dort breiteten sie die Decke aus. Doch was war das für ein Rascheln? Mara fuhr erschrocken herum. Dann lächelte sie. Mara deutete auf ein gefiedertes Kerlchen, das unter einem Busch kauerte.

„Schau mal, wie hilflos der kleine Vogel aussieht. Ob er aus dem Nest gefallen ist? Am besten, wir bringen ihn gleich in die Tierstation, damit er nicht verhungert.“

Schon ging Mara auf den kleinen Vogel zu. „Er ist nicht verletzt und sieht auch gut genährt aus“, sagte Kater Leon und hielt die Freundin zurück. „Bevor wir ihn anfassen und wegbringen, lass uns zunächst aus einiger Entfernung beobachten, ob er von den Altvögeln versorgt wird.“

Warum stoppt Kater Leon Maras Hilfsaktion? 

 

49. Im Wald verirrt.

Nach der Sommerhitze kam der Regen. Kater Leon schaute aus dem Fenster und sah, wie die Tropfen den Garten in eine glitzernde Landschaft verwandelten.

„Dumm, dass heute unser Ausflug stattfindet“, sagte er zu Mara. „Viel lieber würde ich es mir auf dem Sofa gemütlich machen, ein gutes Buch lesen und Tee trinken.“

„Aber versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen“, antwortete Mara. Leon seufzte. Sie packten die Rucksack, zogen ihre Regenmäntel und Gummistiefel an und gingen los. Bei der Bushaltestelle wartete schon Susi mit einem rosaroten Schirm auf sie.

Sie stapften und sprangen durch Regenpfützen, bis sie zu der Hütte kamen, von der aus die Waldwanderung losging. Ralf, der Führer, begrüßte sie herzlich und erklärte, dass er ihnen vor allem verschiedene Vogelarten zeigen wolle. Außer Kater Leon, Mara und Susi nahmen noch ein Mädchen und ein Junge, Daisy und Tom, an der Veranstaltung teil.

„Schade, dass Ralf die Führung macht“, flüsterte Daisy Kater Leon zu.

„Wieso?“ fragte der Kater neugierig nach.

„Weil er ein Angeber ist und sich garantiert im Wald verläuft“, äzte Daisy. Ralf hatte von ihrer bissigen Bemerkung nichts mitbekommen. Er schaute gen Himmel. Der würde auch die nächste Zeit noch grau bleiben. Aber wenigstens regnete es nicht mehr.

Dann ging es endlich los. Ralf machte sie auf Tierspuren aufmerksam, zeigte ihnen wie versprochen verschiedene Vogelarten und Nester und erzählte viel Wissenswertes über den Wald als Lebensraum für Tiere und Menschen.

„Ach, ist das eine hübsche kleine Holzhütte!“, rief Kater Leon begeistert und schon quetschte er sich hinein und steckte seinen Kopf durchs kleine Fenster. Susi machte einen Schnappschuss. Danach half sie ihm lachend wieder heraus, weil Leon feststeckte.

Die anderen waren bereits zur nächsten Station spaziert, wo sie die Kletterwände und Baumschaukeln ausprobierten. „Gut, dass ihr da seid“, sagte Ralf, als Kater Leon, Mara und Susi wieder zur Gruppe stießen. „Ich erkläre nämlich gerade einen Fuchsbau.“

„Wann kommen wir endlich zum Klangspiel?“, fragte Mara ungeduldig.

„Das befindet sich bei der nächsten Station. Noch ein wenig Geduld. In fünf Minuten sind wir da.“ Ralf deutete auf einen Wegweiser, der nur lose mit Draht auf einem Baumstamm montiert war. Zügig stapften sie alle in die Richtung, in die der Pfeil zeigte. Nach einer Viertelstunde war vom Klangspiel noch immer weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen führte der Weg direkt ins Dickicht und nasse Zweige schlugen ihnen ins Gesicht.

„Bist du sicher, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind?“, fragte Kater Leon. Ralf strich sich verlegen über den Kopf. „Das frage ich mich auch gerade. Aber wir können uns nicht verlaufen haben, weil wir immer den Wegweisern gefolgt sind.“

„Verstehst du jetzt, was ich gemeint habe?“, flüsterte Daisy Leon schadenfroh zu. Schließlich entschuldigte sich Ralf bei der Gruppe.

„Es tut mir leid, aber wir müssen die ganze Strecke wieder zurückgehen. Wir sind irgendwie auf einem falschen Weg gelandet.“

„Na, das ist ja ein schöner Führer“, maulte Daisy und Tom schüttelte den Kopf. „Tja, man sollte sich halt im Wald auskennen und sich nicht nur auf den Richtungspfeil verlassen.“ Ralf senkte verlegen den Blick. Erst da ging Kater Leon ein Licht auf.

Welchen Verdacht hegt Kater Leon? 

 

50. Die geheimnisvolle Eisprinzessin.

Kater Leon lag nun schon seit Tagen auf dem kuscheligen Sofa und las ein Buch nach dem anderen. Es schien, als würde er sich erst wieder erheben, wenn die Frühlingssonne zurückkehrte.

„Du musst endlich an die frische Luft“, entschied Mara eines Tages und baute sich vor dem Sofa auf. „Es tut keinem gut, wenn er nur im Haus herumsitzt. Komm lass uns heute Eislaufen gehen.“

Kater Leon hielt von diesem Vorschlag rein gar nichts. „Geh doch allein“, schlug er vor. „Ich hab keine Lust, dass meine Nase abfriert.“ Aber er hatte keine Chance. Mara schleppe Mütze, Schal, warme Socken und die Eislaufschuhe an und störte Leon so lange, bis sich dieser genervt vom Sofa erhob. „Aber nur eine halbe Stunde“, murrte er.

„Wirst schon sehen, wenn du mal draußen bist, dann macht es dir so viel Spaß, dass du gar nicht mehr ins Haus zurück willst“, war Mara überzeugt. Also gingen die beiden Katzen mittags auf den Eislaufplatz. Dort flitzten bereits ihre Freunde über die Eisfläche und wiegten sich zur Musik.

„Hallo Mara, hallo Leon! Schön dass ihr da seid“, begrüßte sie Nico. „Ihr kommt gerade recht. Ihr müsst mir helfen, herauszubekommen, wer die geheimnisvolle Eislaufprinzessin ist.“ Das Wort geheimnisvoll ließ Kater Leon sofort die Ohren spitzen. Der aufmerksame Katzenermittler fragte nach, was es mit dem Mädchen auf sich hatte.

„Seit ein paar Tagen kommt um 13 Uhr ein Mädchen auf den Eislaufplatz. Immer hat sie eine rote Mütze tief ins Gesicht gezogen und sie trägt einen Schal, der ihr Gesicht bis auf ihre blauen Augen komplett verhüllt. Nie spricht sie mit jemandem und keiner von uns weiß, wer sie ist. Sie tanzt so wunderschön, dreht ihre Pirouetten. Aber kurz nach zwei ist sie wieder verschwunden. Ich möchte unbedingt wissen, wer sie ist, aber ihr dürft keinem davon erzählen.“

Kater Leon verstand Nicos Neugier nicht.

Jeder hatte seiner Meinung nach ein Recht auf Privatsphäre, und wenn das Mädchen nicht erkannt werden wollte, dann hatte es wohl seinen guten Grund.

„Aber sie hat mir gestern einen Zettel zugesteckt, auf dem steht, dass sie mich mag“, gestand Nico. Nun war Kater Leon klar, warum sich der Freund so anstellte: er war verliebt. Einerseits wollte Nico wissen, wer das Mädchen war, das ihn mochte, andererseits traute er sich nicht, es anzusprechen.

„Ich habe Angst, dass sie dann nicht mehr auf den Eislaufplatz kommt und ich niemals erfahren werde, wer sie ist.“

Kater Leon und Mara versprachen, Nico zu helfen. Schließlich waren sie gute Ermittler. Es wurde ein Uhr, viertel zwei, aber an diesem Tag erschien keine Eislaufprinzessin.

„Hallo“, begrüßte sie stattdessen ihre Freundin Anna. Sie schleifte sich auf ihren Kufen mit einer eleganten Drehung vor den Dreien ein. „Soll ich euch ein paar Figuren beibringen?“, fragte sie.

Mara und Leon waren sofort Feuer und Flamme. Nur ihr Freund Nico zögerte und sah sich um.

„Wartest du auf jemanden?“, fragte Anna.

„Nein, eigentlich nicht“, murmelte Nico und sah verstohlen auf die Uhr. Es war bereits halb zwei.

„Mach dir nichts draus, vielleicht hat sie nur die rote Mütze und den Schal nicht gefunden“, zwinkerte Anna ihm mit ihren blauen Augen schelmisch zu.

„Ja, vielleicht“, murmelte Nico und man merkte ihm die Enttäuschung an.

Wenig später verabschiedete sich Anna. „Ich muss jetzt leider los. Mein Bruder kommt jeden Tag um halb drei von der Schule nach Hause und da muss ich für ihn immer etwas kochen“, erklärte sie und weg war sie.

„Vielleicht kommt die geheimnisvolle Eisprinzessin nie mehr wieder?“, seufzte Nico traurig. Kater Leon schüttelte verwundert den Kopf: „Ich glaube, du solltest mal deine Traumwelt verlassen und mehr darauf achten, was unmittelbar vor deiner Nase passiert. Die geheimnisvolle Eisprinzessin war auch heute hier. Du hast gerade mit ihr gesprochen.“ Nico und Mara sahen Leon verdutzt an.

Warum vermutet Kater Leon, dass Anna die geheimnisvolle Eisprinzessin ist?
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 51. Wo ist der Schokokuchen?

„Das Wandern ist des Müllers Lust“, sangen Mara, Kater Leon und ihre Freundin Flora laut vor sich hin. Im Gleichschritt stapften die beiden den Weg entlang, der sie durch Wiesen und Wälder führte. Mit einigem Abstand folgten ihnen Floras Eltern, Nora und Bernd. Vor allem Bernd, der nicht gerade sportlich war und obendrein den schweren Rucksack trug, hatte sichtlich Mühe, ihnen zu folgen.

Kater Leon sah sich um. Viele Blätter waren nun bereits gelb und rot gefärbt. „Ich liebe den Herbst mit all seinen schönen Farben“, sagte er.

„Komm, lass uns ein paar Fotos machen. Die schicken wir deiner Oma, weil sie uns so gute Sachen fürs Picknick eingepackt hat“, sagte Mara und schon knipste sie los.

Floras Magen knurrte. „Was meint ihr, sollen wir hier an diesem schönen Platz Rast machen?“

Mara und Leon nickte. Von hier hatten sie eine wunderbare Aussicht auf dn See, der vor ihnen lag. Floras Eltern waren auch froh, eine Pause einlegen zu können. Bernd nahm seufzend den schweren Rucksack ab. Sie breiteten die Decken aus. Dann ließen sie sich die kleinen Wienerschnitzel und den Kartoffelsalat schmecken. Alle diese guten Sachen hatte ihnen Floras Oma in den Rucksack gepackt.

Was Floras Eltern nicht wussten war, dass Oma ihnen auch noch einen Gugelhupf mit Schokostückchen mitgegeben hatte. Aber den verwahrte Flora sicher in ihrem Rucksack.

„Den heben wir uns für später auf“, flüsterte sie Leon und Mara zu.

„Wir haben ja noch einiges vor und dann brauchen wir eine Stärkung.“

„Ich bin schon so gespannt auf den Kletterpark“, sagte Mara, als sie sich wieder auf den Weg machten.

„Es wird euch gefallen. Und du Leon brauchst keine Angst haben. Meine Mama klettert mit uns mit, weil wir ja noch nicht alleine dürfen. Ich war schon im Frühjahr mit ihr dort und es war ein großartiges Erlebnis, so hoch über dem Boden zu schweben“, erzählte Flora begeistert.

Nach einer halben Stunde standen sie am Eingang des Kletterparks und registrierten sich. Wenig später setzten Mara, Leon, Flora und Nora die Helme auf und starteten mit der Einschulung. Franz, ein erfahrener Trainer, zeigte ihnen am Bodenparcour, wie sie klettern sollten und übte das so lange mit ihnen, bis sie sich sicher fühlten. Danach ging es zum zweiten Einschulungsparcour, wo sie das Erlernte bereits in luftiger Höhe umsetzen mussten.

Mara war ganz in ihrem Element.

Kater Leon hingegen fühlte sich zunächst ein wenig mulmig. Aber bald wich die Unsicherheit dem großartigen Gefühl, sich mehrere Meter über dem Waldboden schwebend fortzubewegen – von einem Baum zum nächsten.

„Schau, dort unten sitzt dein Papa auf einer Bank und liest Zeitung“, rief Kater Leon Flora zu. Sie winkten, aber Bernd sah sie nicht.

„Das war großartig! Aber jetzt hab ich einen Bärenhunger“, stellte Leon fest, als die Klettertour beendet war.

„Gut so. Wir müssen ja noch den Gugelhupf von Oma aufessen“, lachte Flora und lief zu ihrem Vater, der alle Rucksäcke gehütet hatte, während sie klettern waren. Doch als Flora ihren Rucksack öffnete, war nichts Essbares darin.

„Papa, hast du den Kuchen aufgegessen?“, schimpfte sie.
„Was für einen Kuchen? Ich hab nicht einmal in deinen Rucksack geschaut“, stritt Bernd sofort alles ab.
„Aber das gibt’s doch nicht“, murmelte Flora. „Haben wir ihn etwa zu Hause vergessen?“

Kater Leon schüttelte vehement den Kopf. „Nein, sicher nicht. Ich habe gesehen, wie Oma ihn eingepackt hat.“
„Vielleicht hat ihn jemand geklaut“, überlegte Bernd.
„Aber du hast doch die ganze Zeit auf die Rucksäcke aufgepasst“, gab Flora zu Bedenken.

„Nun, ich hab mir kurz mal die Beine vertreten und hab sie auf der Bank stehen lassen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass jemand einen Schokogugelhupf klaut, von dem ich nicht mal etwas wusste. Hm, vielleicht war es der Herr, der da drüben auf der Bank sitzt?“

Die Katzenermittler und Flora gingen zu ihm hin. „Entschuldigen Sie bitte, aber haben Sie unsere Jause aus dem Rucksack genommen?“, fiel der hungrige Kater Leon mit der Tür ins Haus. Der Mann sah die Drei belustigt an.

„Ich bin tatsächlich hungrig“, gestand er und schaute treuhrzig drein. „Aber ich klaue niemals jemandem seine Jause.“ Kater Leon glaubte ihm.

Wen verdächtigt Kater Leon?  

 

52. Hoppe, Hoppe, Reiter!

Eigentlich wollten Kater Leon und Mara nach Klagenfurt fahren. Aber dann mussten ihre Freunde Christian und Moni zu einer Familienfeier und so verschoben die beiden ihren Ausflug in die südlichste Hauptstadt Österreichs aufs darauffolgende Wochenende.

„Willst du uns zur Rennbahn begleiten?“, fragte ihre Nachbarin Edith. Gern nahmen Leon und Mara das Angebot an. Keine Wolke trübte den Himmel und sie waren noch nie bei einem Pferderennen gewesen.

„Komm, lass uns das Gelände durchstreifen“, schlug Edith vor. „Wie anmutig die Pferde sind“, staunte Kater Leon. Edith nickte. „Schau mal, wie bunt die Trikots der Jockeys sind. Und siehst du dort auf der Tribüne die Frau mit dem großen Hut?“ Die Freunde kamen aus dem Schauen nicht heraus.

Vor dem Wettschalter standen viele Personen an, die ihr Glück versuchen wollten. Auch Edith setzte fünf Euro auf den Favoriten namens Black Devil. Ihre Chancen standen bestens, denn als sie vorhin beim Führring vorbeigeschlendert waren, hörte Kater Leon, wie einige der Umstehenden das Pferd für seinen großartigen Trainingszustand lobten.

Dann endlich war es soweit. Die nervös tänzelnden Pferde wurden zur Bahn gebracht. Als der Startschuss ertönte, machte Black Devil seinem Namen alle Ehre und führte sich wie der leibhaftige Teufel auf. Er scherte aus und rannte los. Nur leider in die falsche Richtung. Weder sein Jockey noch der Pferdeführer konnten ihn bändigen. Erst nach dem Rennen ließ er sich erschöpft und schweißüberströmt einfangen. Was für ein Pech für Edith und alle, die auf ihn gewettet hatten.

„Da hat wohl jemand nachgeholfen“, ärgerte sich ein Mann.

Er warf seine wertlosen Wettscheine in den Müllkorb. „Wie meinen Sie das?“, fragten die Katzenermittler neugierig. „Ich glaube, dass jemand nicht wollte, dass das Pferd gewinnt“, bekamen sie zur Antwort.

Grübelnd setzten sich Leon, Mara und Edith auf eine Bank. Die drei Personen am Nebentisch nahmen keine Notiz von ihnen. Wie sich bald herausstellte, hießen sie Walter, Marie und Oliver und redeten über Black Devil. Oliver war klein und schlank. Kater Leon vermutete, dass er als Jockey arbeitete.

„So wie der Gaul ausgerastet ist, hat ihm heute wohl jemand etwas verabreicht. Aber unser Schaden ist es ja nicht gewesen“, grinste Oliver und klopfte auf seine pralle Geldtasche.

„Hast Recht, für uns ist es immer besser, wenn Black Devil nicht an den Start geht“, lachte Walter mit der blank polierten Glatze und zählte sein Geld, das er beim Wetten gewonnen hatte. „Ich bin gespannt, was bei der Untersuchung rauskommt.“

Die junge Frau namens Marie nickte ebenfalls zufrieden und fächerte sich mit ihren Geldscheinen Luft zu. „Tja, ein schlechter Tag für Black Devil ist halt immer ein guter für uns. Mir tun nur die Tierärzte leid, die jetzt die Untersuchung durchführen müssen und wieder einmal nichts finden werden, weil sich das Coffein zu rasch abbaut“, erklärte sie.

Walter blickte zufrieden auf die Geldscheine, die vor ihm lagen. „Mir ist das eigentlich egal. Hauptsache, dass ich wieder einmal aufs richtige Pferd gesetzt hab.“

Misstrauisch beobachteten Kater Leon und Mara die drei. „Was, wenn einer von den Dreien Black Devil absichtlich ausgetrixt und ihm vor dem Rennen eine verbotene Substanz gegeben hat, die ihn so toben ließ?“, flüsterten sie Edith zu.

Verdächtig waren alle, weil jeder von ihnen nur wegen des Ausscheidens von Black Devil gewonnen hatte.

Plötzlich war Kater Leon klar, wer von der Tat gewusst hatte. „Komm Edith, gehen wir zur Rennleitung und überführen wir den Übeltäter.“

Wen will Kater Leon bei der Rennleitung anzeigen und warum?

  

53. Kater Leon und die Mozartkugel

Wie schön. Nach dem rauen Winter war endlich der Frühling ins Land gezogen und die Krokusse und Schneeglöckchen steckten ihre Köpfchen aus der Erde. Kater Leon und Mara hatten sich heuer etwas Besonderes vorgenommen: Sie wollten viele Freunde besuchen, die außerhalb von Wien wohnten. Als Erste standen Felix und Julian auf ihrer Reiseliste. Die beiden Freunde lebten in Salzburg.

Kater Leon Reisen

„Hattest du eine gute Fahrt?“, begrüßte Felix Leon und Mara, als sie aus dem Bus stiegen. „Ja, ich habe die meiste Zeit geschlafen“, gähnte Leon.

„Das ist gut. Wir haben nämlich ein tolles Programm für euch zusammengestellt“, lachte Julian und schon ging es los. Bald spazierten die Freunde den Fluss Salzach entlang in Richtung Altstadt.

„Das, was ihr da vorn seht, ist die Festung Hohensalzburg.“ Felix deutete auf einen Berg vor ihnen. „Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und zählt mit ihren 7000 Quadratmetern bebauter Fläche zu den größten Burgen Europas. Morgen gehen wir hinauf.“

Julian streckte den Daumen nach oben. „Ihr werdet schon sehen, von dort ist der Ausblick auf die Stadt wunderschön.“

„Mögt ihr eine Mozartkugel?“, fragte Julian.

Er hielt Mara und Kater Leon die berühmten Schokoladenkugeln hin. Das Angebot ließen sich die beiden nicht entgehen. Sie wickelten die süßen Spezialitäten aus dem silbernen Stanniolpapier mit dem blauen Mozart-Aufdruck und bissen herzhaft hinein.

„Das ist eine Original-Salzburger-Mozartkugel aus der Konditorei Fürst“, erklärte Felix stolz.

„Wieso gibt’s auch andere Mozartkugeln?“, fragte Kater Leon und betrachtete jene Hälfte der Leckerei, die er noch in der Pfote hielt. Sie hatte einen grünen Kern aus Pistazien-Marzipan, der von Nougat umgeben war. Die andere Hälfte löste sich gerade auf seiner Zunge auf.

„Klar. Zwar bestehen alle aus Pistazien-Marzipan und Nougat aber es gibt industriell hergestellte und sogar welche, die nicht einmal aus Salzburg kommen. Aber die da ist nach dem Original-Rezept des Salzburger Konditor-Meisters Paul Fürst, das er 1890 zu Ehren Wolfgang Amadeus Mozarts kreiert hat. Auch heute noch wird dort jede Kugel von Hand gemacht, auf ein Holzstäbchen gesteckt und in dunkle Konfitüre getaucht“, klärte sie Felix auf.

Kater Leon mochte die Musik des berühmten Komponisten und summte ein paar Takte seiner Serenade Eine kleine Nachtmusik. „Später besuchen wir Mozarts Geburtshaus, wo ihr einige interessante Objekte und Instrumente von ihm sehen werdet“, verriet Julian einen weiteren Programmpunkt der Besichtigungstour.

Kater Leon war froh, dass er sich während der Busfahrt gut ausgeruht hatte.

Auch Felix hatte schon ein weiteres Ausflugsziel parat: „Ein anderes bekanntes Wahrzeichen ist das Schloss Mirabell mit seinen wunderschönen Gärten, die mitten in der Stadt liegen. Dort gehen wir auch hin. Zwar ist es schöner, wenn alles blüht, aber wer weiß, wann ihr wieder Zeit habt, uns zu besuchen.“

Sie bogen in die Getreidegasse ein, die berühmteste historische Gasse in der Salzburger Altstadt.

„Das mit den Mozartkugeln geht mir nicht aus dem Kopf“, murmelte Kater Leon. „Ob ich sie von anderen Schokoladen unterscheiden kann?“

Julian lachte. „Warte kurz.“ Er kramte in seinem Rucksack. „Mach deine Augen zu. Jetzt machen wir ein Testessen.“ Das ließ sich Leon nicht zweimal sagen. „Da, koste mal“, sagte Julian und schob ihm ein Stück Schokolade in den Mund. „Hm, köstlich. Wahrscheinlich weil ich Karamell so gern mag“, murmelte er.

„Und, ist das eine Mozartkugel?“, fragte Felix
„Nein, ist sie nicht.“
„Bravo Leon, du hast unseren Salzburgtest bestanden.“

Warum weiß Kater Leon, dass es keine Mozartkugel ist? 

 

54. Rätselhafter Lindwurm.

Bei strahlendem Sonnenschein trafen Kater Leon und Mara in Klagenfurt, der südlichsten Landeshauptstadt Österreichs, ein. „Schön, dass ihr da seid“, riefen ihre Freunde Christian und Moni, die hier wohnten. „Lasst uns gleich einen Stadtbummel machen. Wir möchten euch einiges zeigen. Zum Beispiel unseren Lindwurm.“

Kater Leons Magen knurrte. „Bitte können wir zuerst etwas essen, bevor wir mit der Stadtbesichtigung beginnen?“, bat er. „Wenn ich so hungrig bin, kann ich mich nur schlecht konzentrieren.“

„Ich kenn hier in der Nähe ein Gasthaus, wo wir köstliche Kärntner Kasnudel essen können. Die werden euch schmecken“, schwärmte Christian. „Sag, was hat es mit eurem Lindwurm auf sich?“, erkundigte sich Mara auf dem Weg zum Wirt und sogleich erzählte ihr Moni die Sage von der Entstehung Klagenfurts:

Früher wohnten die Menschen in den umliegenden Bergen, weil sie sich vor einem gefährlichen Lindwurm fürchteten, der in der sumpfigen Wildnis im Tal lebte. Immer, wenn er hungrig war, brüllte er laut und stieß giftige Dämpfe aus. Als er eines Tages nicht mehr genug Nahrung fand, kam er auch auf die hochgelegenen Almen, fraß Kühe und andere Tiere und versetzte die Bewohner in Angst und Schrecken. So konnte es nicht weitergehen. Schließlich stiegen ein paar mutige Männer mit Schilden und Lanzen ins Tal.

Der Lindwurm empfing sie mit glühenden Augen und breitete drohend seine Flügel aus. Schon wollten die Männer aufgeben, da kam ihnen eine Idee. Sie warteten bis er eingeschlafen war. Dann bauten sie aus Steinen einen Turm. An den banden sie einen Stier, an dessen Hörnern sie eiserne Widerhaken befestigten. Als der Lindwurm erwachte und den Stier verschlingen wollte, verbiss er sich in den Haken und konnte sich nicht mehr befreien. Die Männer kamen aus ihren Verstecken und töteten das Untier. Danach machten die Menschen endlich den Sumpf bewohnbar und bauten hier die ersten Hütten.

Kater Leon und Mara liebten solche Geschichten. Sogar wenn sie hungrig waren.

„So, da sind wir“, sagte Christian und steuerte auf einen Tisch im Freien zu. Bald saßen sie vor einem Teller Kärntner Kasnudln. Die Teigtaschen mit der Topfen-Kartoffelfüllung waren eine Spezialität, die sie sich schmecken ließen.

„Was möchtet ihr heute lieber machen? Eine Schifffahrt auf dem Wörthersee oder eine Weltreise in Minimundus?“, fragte Christian, als sie das Lokal verließen. Mit vollem Bauch auf einem schwankenden Schiff? Kater Leon überlegte nicht lange: „Fahren wir morgen mit dem Schiff und besuchen wir heute die kleine Welt am Wörthersee.“

„Dann müssen wir uns beeilen. Der Bus fährt gleich ab“, drängte Christian.
„Schade“, murmelte Mara. „Ich hätte gern den steinernen Lindwurm auf dem Hauptplatz gesehen. Aber da müssten wir einen Umweg machen.“
„Der steht auch am Abend noch dort.“

Christian scheuchte die Freunde zur Haltestelle.

Leon und Mara hatte schon viel von den berühmten Miniaturen gehört. Als sie den Park betraten und die vielen Sehenswürdigkeiten von allen fünf Kontinenten sah, waren sie begeistert.

„Die Modelle werden alle in der Minimundus-Bauwerkstatt im Maßstab 1 zu 25 und bis aufs kleinste Detail nachgebaut“, erzählte Christian. „Da schau hier diese Verzierungen oder dort die Fensterläden und die Beleuchtungen.“ Kater Leon und Mara bummelte von einem Gebäude zum nächsten und kam aus dem Schauen nicht heraus. Sie bewunderte den Pariser Eiffelturm, die New Yorker Freiheitsstatue, den Schiefen Turm von Pisa und vieles mehr. „Da ist ja auch der Wiener Stephansdom“, stellte sie fest. Nach dem Rundgang setzten sich die drei Freunde auf eine Bank.

„Bist du müde?“, fragte Moni, weil Kater Leon so nachdenklich dreinschaute.
„Nein. Mir ist nur gerade deine Sage eingefallen. Da stimmt was nicht. Ein so großer Lindwurm hätte doch nie auf hochgelegene Almen klettern können“, grübelte er.„Oh, da hast du nicht aufmerksam zugehört“, lachte Christian.

Wie kam der Lindwurm auf die hochgelegenen Almen?

 

55. Das Grazer Zeiträtsel.

Die Geschwister Florian und Amelie hatten Kater Leon und Mara eingeladen, ein paar Tage in ihrer Heimatstadt Graz zu verbringen. Nur zu gern hatten die beiden zugesagt. Sie wollten der zweitgrößten Stadt Österreichs schon lange einen Besuch abstatten. Bereits die Zugfahrt von Wien nach Graz, die sie über den Semmering führte, war ein beeindruckendes Erlebnis gewesen.

Nach ihrer Ankunft am Bahnhof, wo Florian und Amelie bereits auf die beiden warteten, fuhren sie mit der Straßenbahn zum Schloss Eggenberg. Dort bewunderten sie bei einer Führung durch die Prunkräume auch den berühmten Planetensaal.

Beim ausgedehnten Spaziergang durch den Schlosspark erfreuten sie sich an den ersten Blüten. Sie beobachteten verschiedene Vögel und ein Eichhörnchen, das flink von Ast zu Ast sprang. Danach gönnten sie sich ein großes Eis mit Schlag.

Heute kletterten die Freunde über die 260 Stufen des Felsensteigs auf den Grazer Schloßberg hinauf. 123 Meter ist dieser Berg hoch und er erhebt sich inmitten der Alttadt. Keuchend kamen sie oben an. Die sportliche Leistung lohnte sich: vor ihnen erhob sich der imposante Uhrturm, das weit sichtbare Wahrzeichen der steirischen Landeshauptstadt. Mara machte jede Menge Schnappschüsse.

„Aber wieso zeigt er die falsche Zeit an?“, fragte Kater Leon.

Er war rund um den Turm gegangen und hatte jedes der vier Ziffernblätter genau begutachtet. Die Zeiger zeigten auf jedem 7 Minuten vor 6 Uhr an. Tatsächlich war es aber halb zehn.

„Der Uhrturm zeigt die richtige Zeit an, nur sind die Zeiger in der Größe vertauscht. Ursprünglich hatten die vier Uhren des Turms nämlich nur jeweils einen großen Stundenzeiger. Die Minutenzeiger wurden erst nachträglich angebracht und mussten darum kleiner gestaltet werden“, klärte Florian das Missverständnis auf.

„Für Nicht-Grazer ist das ein bisschen verwirrend.“ Kater Leon nickte. Ebenso verwirrend, wie die Schreibweise des Grazer Schloßbergs, der noch immer mit scharfem „s“ geschrieben wurde. Da es sich um einen Eigennamen handelte, war auch nach der letzten Rechtschreibreform die alte Schreibweise beibehalten worden. Die Freunde spazierten auf das Plateau des Berges, wo ein großer bronzener Löwe thronte.

„Das ist der Hackher-Löwe“, sagte Amelie und erzählte, dass die ehemalige Festung niemals eingenommen werden konnte. „Die Burg steht im Guiness-Buch der Rekorde, als stärkste Festung aller Zeiten. Nicht einmal Napoleon konnte sie 1809 erobern, weil Major Franz Hackher mit seinen Männern so tapfer kämpfte.“ Amelie machte eine Pause bevor sie fortfuhr.

„Der Franzose war darüber so wütend, dass er nach seinem Sieg über die Wiener drohte, die Hauptstadt zu zerstören, wenn sie ihn nicht die Grazer Burg schleifen ließen. Daraufhin wurden die Steirer zur Aufgabe gezwungen. Um wenigstens den Uhrturm und den Glockenturm vor dem Abriss zu retten, sammelten die Grazer Bürger Geld und kauften ihn von Napoleon frei.“

Nach dem lehrreichen Spaziergang kehrten die Freunde zum Uhrturm zurück. Sie wollten dort die steinernen Stufen wieder hinabzusteigen, die sie mitten in die Grazer Altstadt bringen würden.

„Die Zeit ist aber schnell vergangen“, sagte Kater Leon als er auf die Schloßberguhr schaute. „Jetzt ist es bereits fünf vor 12 Uhr. Sollten wir uns da nicht mit euren Eltern zum Mittagessen treffen?“ Amelie und Florian lachten. „Keine Sorge, wir haben noch ausreichend Zeit.“

Wie spät ist es?

 

Lösungen

Lösungen Ratekrimis 1 bis 20

1. Konrad erzählt, dass das neugeborene Panda-Baby ein kuscheliges Fell hatte. Aber Kater Leon weiß aufgrund seiner Recherchen, dass Pandas nackt auf die Welt kommen.

2. Max hat Kater Leon versichert, dass er mit niemandem über die Geschenke gesprochen hatte. Daher konnte Sabine von den Krokussen nur wissen, weil sie sie selbst vor die Tür gelegt hat.

3. Der Bauer sprach nur von Schinken. Die Hundebesitzerin verriet sich dadurch, dass sie genau wusste, dass es sich dabei um eine große Schinkenkeule gehandelt hatte.

4. Mara glaubt, dass Fritz das Ei kaputtgemacht hat. Fritz hat gelogen, um den Verdacht von sich abzulenken. Er sagte, dass er in der Pause nicht in der Klasse war. Doch woher weiß er dann, dass die Mädchen Ball spielten und wo sie den Ball versteckten?

5. Es handelt sich um den 1. April. Leon ist auf Maras Aprilscherze hereingefallen!

6. Sie sind sicher, dass Georg der Täter ist und nur von sich ablenken will, indem er Trixi die Schuld in die Schuhe schiebt. Wie hätte er hören können, was sie zu ihrer Freundin gesagt hat, wenn er beim Buffet gestanden ist, wo es immer so laut ist?

7. Lisa hat den Pullover genommen. Leon und Mara hatten ihr nicht erzählt, welches Kleidungsstück aus Sophies Garten gestohlen wurde. Trotzdem wusste sie, dass die beiden wegen des gestohlenen Pullis zu ihr gekommen waren. Das konnte nur der Dieb wissen.

8. Leon verdächtigt die ältere Dame. Woher sonst wusste sie, dass es sich bei den verschwundenen Kinderbüchern um Krimis gehandelt hatte?

9. Patrizia muss es gewesen sein. Als Ortsunkundige wäre ihr nie aufgefallen, dass der Pfeil in die falsche Richtung weist, wenn sie ihn nicht selbst verdreht hätte.

10. Jakob weiß, dass die Blumen per Boten gebracht wurden. Zwar tut er so, als wüsste er nicht, was es für einen Anlass gäbe, um Linda einen Blumenstrauß zu schicken, doch dann erwähnt er ihre Geburtstagsfeier.

11. Es kann noch niemand im Dorf von dem Diebstahl wissen, weil ihn Vroni eben erst entdeckt hat. Also muss Michael der Dieb sein, weil er davon weiß.

12. Tina wusste, dass es sich bei den Blüten um Sonnenblumen gehandelt hatte. Niemand außer dem Täter konnte das wissen, weil noch niemand das fertige Tutu von Martha gesehen hatte.

13. Peter ruft Leon auf seinem Handy an. Da das verschwundene Stück nur im Haus sein kann, wird es laut läuten und Mara und Leon zu seinem Platz führen.

14. Leon verdächtigt den Bursch. Er sagt, dass er keinen einzigen Clown gesehen hat. Leon vermutet, dass er sie nicht bemerkt hat, weil er selbst als Clown verkleidet mit seinen Taschendiebstählen so beschäftigt war.

15. Luisa hat dem Meerschwein die Haare abgeschnitten. Mara und Leon haben sie nur gefragt, wo sie zur Tatzeit war und ihr nicht gesagt, was geschehen war. Sie aber wusste von den abgeschnittenen Haaren.

16. Miriam hat die Extraportion geklaut. Sie wusste, dass es sich diesmal um Tintenfische handelte, die der Wärter ins Wasserbecken geworfen hatte.

17. Giacomo ist es gewesen. Er kann in der Pause kein Punschkrapferl beim Büffet gekauft haben, weil an diesem Tag keine geliefert worden waren.

18. Resi hat die Urkunde genommen. Bert sagte nicht, was verschwunden war. Resi wusste aber sofort, dass es sich dabei um die Urkunde handelt.

19. Ja. Patrick verplappert sich. Kater Leon sagte nur, dass Veronikas Jausengeld weg sei. Patrick sprach sofort von einem rosaroten Geldbeutel.

20. Der Welpe Arthur war es. Seine Futterschüssel ist noch voll, dennoch liegt er mit prallem Bauch im Garten und macht sein Verdauungsschläfchen.

 

Lösungen Ratekrimis 21 bis 35

21. Er verdächtigt Lorenz, das Tier in Marlenes Rucksack gesteckt zu haben. Hätte er es nicht in der Hand gehabt, wüsste er nicht, dass die Augen schief angepickt sind.

22. Der Kutscher Clemens ist der Dieb. Keiner weiß, wann genau der Schmuck gestohlen wurde. Er macht sich verdächtig, weil er beteuert, dass er zur Tatzeit ein festes Alibi hat. Die Tatzeit kann in diesem Fall nämlich nur der Täter wissen.

23. Weil Lore weiß, dass es von der Bluse nur noch ein Stück im Geschäft gibt.

24. Der schnellste Weg in die Bibliothek führt Moritz nicht an Tinas Haus vorbei sondern ist vielmehr ein großer Umweg. Zudem wusste Moritz vom Herz auf dem Schild. Beim Vorbeigehen hätte er aber nur die Rückseite des Schildes sehen können.

25. Mara und Leon haben mit keinem Wort erwähnt, dass es sich bei dem Geburtstagsgeschenk um eine Torte handelt. Woher wusste Gerhard dann, dass ein Tortendieb zugeschlagen hatte?

26. Weil die Schultaschen an diesem Tag nicht auf dem großen Tisch gestanden sind. Also kann Jasmin den Rucksack nicht von dort genommen haben.

27. Kater Leon fragte ihn nur, ob er eine Geldbörse gefunden habe. Der Spielzeughändler wusste aber, dass diese Frau Lanner gehörte. Er muss also hineingeschaut und die Ausweise mit ihrem Namen gesehen haben.

28. Ein Jahr hat 365 Tage. Wenn man diesen Tag abzog, blieben noch immer 364 Tage, an denen sie etwas gemeinsam unternehmen konnten.

29. Es war die weißhaarige Dame. Obwohl die Kinder die Geschenke erst nach der Schulstunde öffnen durften, wusste sie bereits, was sich darin befand. Das konnte sie nur wissen, weil sie die Packerl selbst gemacht hatte.

30. Thomas hat Victorias Kleber genommen. Obwohl ihm das keiner gesagt hatte, wusste er, dass es sich dabei um einen speziellen Kleber handelt, der nach Erdbeeren riecht.

31. Kater Leons Frage war, seit wann der Nationalfeiertag am 26. Oktober stattfindet. Da das Parlament und die Bundesregierung das erst 1965 beschlossen haben, sind es im Jahr 2020 erst 55 Jahre. Davor wurde der „Tag der Fahne“ gefeiert.

32. Manu hat sich verraten, weil sie weiß, dass die Kopfhörer faltbar sind. Alina erwähnte nichts davon. Manu muss es auf der Verpackung gelesen haben, als sie diese entwendete.

33. Leon glaubt, dass der Autor das Geld gestohlen hat. Er hat ihn nämlich nur nach dem Kuvert gefragt, aber er wusste sofort, dass sich Geld in dem Umschlag befand.

34. Nina sagt, dass sie mit ihrer Freundin Klara schon zu den Schlangen gegangen ist, weil sie beide diese Tiere so faszinierend finden. Aber später sagt Klara, dass sie sich vor Schlangen gruselt. Mara und Leon glauben, dass Nina gelogen hat, weil sie es war, die die Alufolienkugel ins Becken geworfen hat.

35. Stefan wusste, dass die Papierflieger aus Lehrbuchseiten gebastelt wurden. Das konnte nur der Täter wissen.

 

Lösungen Ratekrimis 36 bis 55

36. Die Bestohlene gibt an, dass ihre Ski neu gewesen waren, während alle ihre Bekannten von alten Bretteln reden. Außerdem: Wenn sie ihre Ski dort tatsächlich abgestellt hätte, wäre nach so kurzer Zeit noch ein Wasserfleck zu sehen gewesen, Leon und Mara bemerkten aber, dass die Stelle „blitzsauber“ war.

37. Tina hat die Jause aus dem Rucksack genommen. Woher wüsste sie sonst, dass faschierte Laibchen darin waren?

38. Patrizia sagt, dass sie das Handy am Platz vergessen hat. Aber wie hätte ihr Vater ihr dann ein Wetter-App installieren können? Wahrscheinlicher ist, dass ihr das Handy ins Klo gefallen ist.

39. Gerry ist der Dieb. Er weiß, dass es sich bei dem verschwundenen E-Book-Reader um einen Kindle handelt, obwohl ihm sein Freund nichts davon erzählt hat.

40. Von Tante Maria. Kater Leon hatte nur gesagt, dass sie etwas gefunden hätten. Tante Maria wusste aber sofort, dass es sich dabei um ein Geschenk gehandelt hat.

41. Die Party sollte am 31. Juni stattfinden. Der Juni hat aber nur 30 Tage.

42. Auf der Ansichtskarte, die er von Biene und Bert bekommen hat, ist auch die griechische Flagge zu sehen, die aus neun horizontalen Streifen und einem Kreuz im linken Eck besteht. Also haben sowohl Margit als auch Lene recht.

43. Theresa sagte, dass sie von Schokolade immer müde wird. Außerdem hatte sie während des Zählens genug Zeit, sie aufzuessen.

44. Nein. Silvia war es. Sie wollte mit dem Zettel absichtlich eine falsche Spur legen. Da aber außer Leon, Mara und dem Schreiber niemand wissen konnte, was darauf stand, hat sie sich verraten.

45. Nicht die Azteken sondern die Olmeken haben die Schokolade erfunden. Hätte Bert während des Films nicht auf sein Smartphone geschaut sondern aufgepasst, wüsste er das.

46. Pauli hat ihn angeschwindelt. Leon fragte ihn nur nach einem Buch, doch Pauli wusste sofort, dass es sich um einen Krimi handelte. Das kann er nur wissen, weil er das Buch in der Hand hatte und daher – entgegen seiner Aussage – sehr wohl wusste, wo es lag.

47. Martin war es. Er wusste, dass die Schuhe eine rosa Einlegesohle haben. Das konnte nur jemand wissen, der die Schuhe aus allernächster Nähe gesehen hat.

48. Werden Jungtiere von einem Menschen berührt, nehmen sie seinen Geruch an und werden dann oft von ihren Eltern nicht mehr versorgt.

49. Es könnte viele Gründe geben, weshalb sich Ralf verlaufen hat. Doch Daisy spricht bereits zu Beginn der Wanderung davon, dass Ralf sich verlaufen wird und später steht für sie fest, dass der Richtungspfeil die falsche Richtung angezeigt hat. Kater Leon vermutet daher, dass sie ihn verstellt hat.

50. Anna hat blaue Augen und kann sehr gut Eislaufen. Zudem wusste sie, dass Nico auf jemanden wartet, der sein Gesicht mit einer roten Mütze und einem roten Schal verhüllt.

51. Bernd hat den Kuchen aufgegessen. Es war immer nur von Kuchen die Rede, aber Bernd wusste, dass es ein Schokogugelhupf war.

52. Marie, die junge Frau hat gewusst, dass dem Pferd Coffein verabreicht wurde. Das konnte zu diesem Zeitpunkt nur der Täter wissen.

53. Für eine Mozartkugel werden Pistazien-Marzipan und Nugat verwendet, aber kein Karamell.

54. Mit seinen Flügeln.

55. Da die Minutenzeiger auf den Uhren des Schloßbergs kleiner sind als die Stundenzeiger, war es noch nicht fünf vor 12 Uhr sondern erst 11 Uhr.

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