Jahrgang 1978 – Alles Gute und 55 Inspirationen

Jahrgang 1978 – Alles Gute und 55 Inspirationen

1978er landeten in der Alpenrepublik inmitten einer Zeit des wachsenden Wohlstands, umgeben von wild gemusterten Tapeten und Flokatiteppichen.

Als ob das nicht schon aufregend genug gewesen wäre, versetzte Österreichs Fußball-Nationalmannschaft das Land 1978 in einen Freudentaumel. Sie erzielte bei der WM in Córdoba in Argentinien gegen Deutschland ein 3:2. Außerdem wurden die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf durch eine Volksabstimmung verhindert und das Atom-Sperrgesetz erlassen.

Eine umfassende Familienrechtsreform fand ebenfalls 1978 statt. Aus dem Radio ertönten ABBA, Boney M. und Smokie. Saturday Night Fever kam aus Amerika zu uns und löste auch hierzulande die Disco-Ära aus.

Turbulente Geschichte

Die folgenden 55 Inspirationen sind einige Sätze aus dem illustrierten Band Wir vom Jahrgang 1978 – Kindheit und Jugend in Österreich. Die turbulente Zeitreise geht von 1978 bis 1996. Historische Fotos, Musikvideos und weiterführende Links ergänzen die Lesekostproben in diesem Artikel.

Kindheit und Jugend in Österreich: Wir vom Jahrgang 1978

1978 (bis 1996) Kindheit und Jugend

Für diesen Jahrgangsband habe ich viele 1978er  interviewt. Sie waren Mädchen und Buben, die in österreichischen Städten oder am Land aufwuchsen und in ihrer Jugend Lehrlinge oder Schüler waren. Sie alle erlebten die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen in dieser Zeit. Ihren Erinnerungen ist dieser Jahrgangsband gewidmet.

Viel Vergnügen auf einer spannenden Zeitreise!

 

Jahrgang 1978 – 55 Inspirationen

1978 bis 1980 – Wir starten durch!

1. Im Jahr 1978 erblickten 85.402 Kinder das Licht der österreichischen Welt. Die meisten in Spitälern.

2. Im Kreißsaal wimmelte es von Ärzten, Hebammen, Krankenschwestern und moderner Medizintechnik.

3. Viele erhielten Namen wie Christine, Julia, Stefanie, Andreas, Michael und Thomas, weil die den Eltern damals am besten gefielen.

4. Das durchschnittliche Erstheiratsalter lag bei unseren Müttern bei 21,7 und bei unseren Vätern bei 24,5 Jahren.

5. Nach der Tauf-Zeremonie wurden farbige Erinnerungsfotos geschossen oder der Onkel zückte seine Super-8-Kamera.

6. Die österreichischen Extrembergsteiger Reinhold Messner und Peter Habeler besteigen am 8. Mai 1978 als erste Menschen den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät.

7. Die Familienrechtsreform wurde 1978 beschlossen. Männer durften nicht mehr allein sämtliche Entscheidungen treffen und ihrer Ehefrau u.a. verbieten, berufstätig zu sein, wie das bis dahin der Fall gewesen war.

8. Österreichs Fußball-Nationalmannschaft erzielt am 21. Juni bei der Fußball-WM in Córdoba in Argentinien ein 3:2 und besiegt damit nach 47 Jahren erstmals wieder den Erzrivalen Deutschland.

Schlag auf Schlag

9. Am 26. August 1978 wird Johannes Paul I. zum Papst gewählt. Da er im selben Jahr am 28. September stirbt, geht das Jahr 1978 als Dreipäpstejahr in die Geschichte ein. Sein Nachfolger, Johannes Paul II., wird am 16. Oktober gewählt.

10. Die Inbetriebnahme des ersten und einzigen kommerziellen Kernkraftwerks Zwentendorf wird am 5. November 1978 durch eine Volksabstimmung verhindert: 50,47 Prozent der Österreicher stimmen dagegen.

11. Der US-amerikanische Tanzfilm „Nur Samstag Nacht“ (Saturday Night Fever) kam in die deutschsprachigen Kinos und löste eine Discowelle aus, die eine eigene Musikgattung und Mode schuf und für die Eskimo sogar einen „Disco-Nogger“ kreierte.

12. Hits der Bee Gees wie „Stayin’ Alive“und „Night Fever“ wurden unsterblich. Der Film wurde als „Bester Film“, die Filmmusik und der Song „How Deep Is Your Love“ wurden für den Golden Globe Award nominiert.

13. Im Jahr 1978 herrschte in Österreich Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenquote lag bei 2 Prozent.

14. Weniger friedlich ging es in der großen weiten Welt zu: Mordanschläge, Entführungen, Banküberfälle – ab den 1970er Jahren wurde Terrorismus zunehmend für politische und ideologische Zwecke eingesetzt.

15. Der erste Walkman von Sony kommt im Juli 1979 auf den Markt.

16. Schlaghosen waren noch der Modetrend schlechthin. Leuchtendes Orange, Gelb, Grün, Beige, Rot, Karos, Tupfen und geometrische Formen dominierten Westen, Pullis, Kniestümpfe, Hosen und Röcke, die ihre Träger manchmal gehörig zum Schwitzen brachten, weil vieles aus Kunstfasern war.

17. Der Journalist Alfred Worm deckt 1980 den „AKH-Skandal“ auf, den bislang größten Bauskandal Österreichs und machte zudem zahlreiche Schmiergeld- und Betrugsaffären in Österreich publik.

18. Zu den prominenten 1978ern zählt auch die österreichische Skispringerin und Sportwissenschaftlerin Eva Ganster, die 1997 als erste Frau über eine Flugschanz springen und damit im Guinnessbuch der Rekorde landen wird.

 

 1981 bis 1983 – Viel Neues

19. Die meisten 1978er besuchten einen Kindergarten. Alle Experten waren sich einig, dass man im Kindergarten wichtige Erfahrungen fürs Leben macht.

20. Obwohl die meisten unserer Mütter berufstätig waren, kochten sie selbst. Da es nach dem Heimkommen oft schnell gehen musste, schätzte unsere Mutter den Kelomat (Anm.: Schnellkochtopf) sehr.

21. Der erste offizielle AIDS-Fall wird am 5. Juni 1981 dokumentiert.

22. Die Reisewelle wuchs in den 80ern weiter an. Urlaub in Österreich war nach wie vor sehr gefragt, schließlich hatten wir hier alles, was es für Ferien brauchte: Wir fuhren zur Sommerfrische in die Berge, badeten in klaren Seen oder fuhren mit dem Schiff.

23. Italien blieb noch lange eines der beliebtesten Reiseziele. Lange Staus in unklimatisierten Fahrzeugen an den Grenzen gehörten zu den Ferien dazu wie ein Sonnenbrand.

24. Am 17. August 1982 begann die Massenfertigung der ersten Compact-Disc. Mit der silbernen Scheibe sollte eine Revolution im Bereich der Tonträger einsetzen.

25. Die heimische Filmproduktion erfuhr mit dem Neuen Österreichischen Film in den 80er-Jahre einen Aufschwung. Regisseur Niki List lieferte mit „Malaria“ eine ungewöhnliche Komödie, die 1983 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde.

26. Im Jahr 1981 startete Peter Patzak mit dem Film „Den Tüchtigen gehört die Welt“ die kongeniale Filmreihe rund um den Wiener Kriminalkommissar Kottan, der ab 1984 als Serie „Kottan ermittelt“ vom ORF ausgestrahlt wurde und Kultstatus erreichte.

 

1984 bis 1987 – Fürs Leben lernen

27. Wir lernten mit Mimi, Ami und Mia lesen und freuten uns über den Besuch der kleinen Handpuppe, die im mannshohen, aufklappbaren Setzkasten unserer Frau Lehrerin wohnte, in dem sie alle Buchstaben aufbewahrte.

28. Wir hopsten mit dem Balancegerät Moonhopper herum.

29. Für die meisten von uns zählten die Barbapapas zu den absoluten Lieblingssendungen.

30. Da es damals nur zwei Fernsehsender gab – FS 1 und FS 2 – und die meisten unserer Eltern noch keinen Videorekorder besaßen, mussten wir unsere Freizeit entsprechend den Sendezeiten einteilen.

31. Am liebsten sahen wir die „Schlümpfe“, „Tom & Jerry“, die Abenteuer von „Biene Maja“, „Heidi“, „Wickie und die starken Männer“, „Pinocchio“, „Tao Tao“, „Hallo Spencer“ und natürlich die Streiche des „Rosaroten Panther“ sowie den außerirdischen„Alf“.

32. Wir ließen die „Rockstar-Barbie“ mit dem dauergewellten Haar auf dem Barbie-Pferd mit der bodenlangen Mähne reiten oder mit dem neuen Barbie-Motorrad, das wir zu Weihnachten geschenkt bekommen hatten, eine Runde drehen.

Proteste und Skandale

33. Saurer Regen, Waldsterben und Umweltschutz generell waren ab Anfang der 80er-Jahre die großen Themen. Am 7. Mai 1984 fand die „Pressekonferenz der Tiere statt“ zu der sich namhafte Publizisten, Künstler, Ökologen und Umweltaktivisten wie Günther Nenning als „Auhirsch“, Bernd Lötsch, Peter Turrini und Freda Meissner- Blau teilweise kostümiert einfanden, um gegen die Pläne zur Errichtung eines Kraftwerks bei Hainburg zu protestieren.

34. Im Sommer 1985 erschütterte der Glykolwein-Skandal Österreichs Weinwirtschaft. Einige Winzer hatten Weine geringer Qualität mit Diaetylenglykol, einem süßen, öligen Alkohol, der vor allem in Frostschutzmitteln vorkam, „aufgewertet“.

35. Am 26. April 1986 kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat zur Explosion eines Reaktors. Die „Katastrophe von Tschernobyl“ gilt als größter Nuklearunfall in der Geschichte der Kernenergie-Nutzung.

 

1988 bis 1991 – Es geht voran

36. Bei der XV. Winterolympiade im kanadischen Calgary von 13. bis 28. Februar 1988 erzielen die österreichischen Sportler mit zehn Medaillen das beste Ergebnis seit 20 Jahren: 3 Mal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze.

37. Im November 1989 fällt nach 28 Jahren  die Berliner Mauer, die die DDR von der Bundesrepublik Deutschland und dem Westen getrennt hat.

38. Der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee stellt im August 1991 das Projekt World Wide Web als Hypertext-Dienst im Internet vor.

39. Im Gymnasium stand etwas ganz Neues am Programm: Wir bekamen IT-Unterricht – an riesigen Computern. IT war damals eine vollkommen undurchsichtige Sache – langweilige DOS-Programmierungen mit grüner Schrift auf schwarzem Hintergrund wurden da gelehrt. Das wenig aufschlussreiche Ergebnis unseres „Getippses“ wurde vom Drucker auf seitlich gelochtem Endlospapier ausgespuckt.

40. Michail Gorbatschow wird im März 1990 zum Präsidenten der UdSSR gewählt. Er leitet das Ende des Kalten Krieges ein und erhält im Dezember den Friedensnobelpreis.

41. Im Winter ließen wir keine Gelegenheit aus Ski zu fahren. Chip- bzw. Magnetkarten gab es noch nicht, sondern Skikarten aus Papier, bei denen bei jeder Fahrt mit einem Locher ein Punkt weggestanzt wurde.

42. Uns gefielen die „Police Academy“-Filmreihe ebenso wie die „Nackte Kanone“.

Medien und Musik

43. Ein praktisches Medium war natürlich auch der Videorekorder, den unser Vater vor Kurzem gekauft hatte, und der sein ganzer Stolz war. Schließlich hatte er ein kleines Vermögen gekostet.

44. Wir hörten „Thriller“ von Michael Jackson, Madonnas „Like a Prayer“ oder die Songs von Milli Vanilli (oder zumindest dachten wir das damals), Elton John und Queen.

45. Die EAV, Erste Allgemeine Verunsicherung, hatte 1978 ihre erste Platte „Allgemeine Verunsicherung“ herausgebracht. Viele von uns sparten unser Taschengeld, um nach und nach alle Schallplatten der Comic-Rock-Band zu kaufen.

46. Die Beiträge von Doktor Sommer im Jugendmagazin Bravo rezitierten wir zur allgemeinen Erheiterung im Bus.

47. Auf der Tanzfläche näherten wir uns bei Bryan Adams „Everything I do I do it for You“, „Nothing compares to you“ von Sinead O’Connor” und „Stay“ der Shakespeares Sister langsam an.

48. Auch wenn wir ein Telefon zuhause hatten, hieß das nicht, dass wir jederzeit telefonieren konnten. Bis in die 90er gab es Halbanschlüsse oder Vierteltelefone, wo sich zwei oder vier Haushalte eine Telefonleitung teilten.

 

1992 bis 1996 – Erwachsen werden

49. Österreich tritt am 1. Jänner 1995 als Mitglied der Europäischen Union bei.

50. Was die Mode anbelangte waren die 90er-Jahre eines der wildesten Jahrzehnte. Extrem und schrill lautete die Devise: wildgemusterte Hosen, die den Schritt bei den Knien hatten, Leggins, Skaterhosen, dicke Steppjacken, verschiedenfarbige Schuhe, riesige Pullover in den knalligsten Farben. Besonders angesagt waren weite Kleidungsstücke in Neonfarben.

51. Mitte der 90er öffnete das World Wide Web auch Amateuren das Netz.

52. Bis weit in die Neunziger hinein regierte Whitney Houston die Charts. Mit über 200 Gold-, Platin-, Silber-, und Diamantschallplatten und über 170 Millionen verkauften Tonträgern sowie sechs Grammys gehörte sie zu den erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten.

53. Anfang der 90er-Jahre kam es zu einer Serie von Kriegen auf dem Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien, die letztendlich zum Zerfall des Staates führten.

54. Der erste MiniDisc-Walkman kam auf den Markt.

55. Das GSM (Global System for Mobile Kommunikation) wurde in Österreich eingeführt und hatte zur Folge, dass die mobilen Telefone, bis dahin schwere Riesendinger mit großer Antenne, zu immer kleineren und handlicheren „Handys“ wurden.

Noch wussten die 1978er nicht, was die Zukunft für sie bereithielt. Technische Neuerungen wie Farbkopierer, Fax-Geräte, Scanner und digitale Anrufbeantworter würden ihr Leben vereinfachen und gleichzeitig beschleunigen. Und sie würden statt Briefe zu schreiben immer öfter E-Mails und SMS versenden und im Internet surfen.

Fest stand, dass wir das Gefühl hatten, uns stünde die ganze Welt offen. Wir hatten große Pläne, wollten unsere Karriere starten, ein Studium beginnen, Expeditionen in die ganze Welt, Sprachferien und noch so vieles mehr machen. Wir hatten die Qual der Wahl.

Weiterhin das Allerbeste!

 

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Die Texte in diesem Artikel stammen aus meinem Buch „Wir vom Jahrgang 1978 – Kindheit und Jugend in Österreich“. Es ist eines von fünf illustrierten Bänden, die im Wartberg Verlag erschienen sind. Die schön gestalteten und illustrierten Geschenkbücher erhalten Sie bei Ihrem Lieblingsbuchhändler. Falls Sie diese Möglichkeit nicht haben, genügt ein Klick aufs gewünschte Cover und Sie werden auf den portofreien Onlinebuchshop von Morawa weitergeleitet.

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