Inspiration Döbling – 55 Sätze aus „Ruckerlbahn, Reben und Rekorde“

Inspiration Döbling – 55 Sätze aus „Ruckerlbahn, Reben und Rekorde“

„Warum sollten sich Nicht-Wiener für Döbling interessieren?“, fragen Sie. Ich verspreche Ihnen: Gleich nach den nächsten Zeilen wird Ihnen klar werden, wie viel aus dem 19. Wiener Gemeindebezirk auch in Ihrem Leben steckt.

So wurden in Döbling zum Beispiel der erste Fußballverein Österreichs gegründet, der Text für die österreichische Bundeshymne geschrieben und Produkte, die heute jeder kennt, erfunden.

Hier vergnügte man sich im Winter bereits beim Schneeschuhfahren, während man in Westösterreich noch durch den Schnee stapfte. Beethoven schrieb an seiner Eroica und in verschiedensten Bereichen wurden spannende Rekorde aufgestellt.

Ruckerlbahn, Reben und Rekorde: Geschichten aus Döbling

 

„Beute-Wienerin“

Als gebürtige Grazerin mit Hang zur grünen Idylle gefiel mir die beschauliche Gegend Döblings auf Anhieb. Was sicher auch daran lag, dass mich mein späterer Mann zum ersten Date ins urig-romantische „Häuserl am Stoan“ einlud 🙂

Die schönen Villen, das viele Grün und der idyllische Charakter der Gegend erinnerten mich sofort an die Murmetropole.

Als mich dann der Wartberg Verlag bat, einen Anekdotenband über Döbling zu schreiben, sagte ich gern zu. Ich begab mich auf eine inspirierende Zeitreise in vergangene Jahrzehnte, ließ mir von Ansässigen und Bezirks-Experten spannende „Gschichterln“ erzählen.

Herausgekommen ist der Anekdotenband „Ruckerlbahn, Reben und Rekorde  und das Buch wurde zu einem meiner besonderen Buch-Lieblinge.

Ruckerlbahn, Reben und Rekorde
Geschichten aus Döbling

 

55 Sätze aus Ruckerlbahn, Reben und Rekorde

Willkommen in Döbling

1. Döbling, der fast 25 Quadratkilometer große 19. Wiener Gemeindebezirk, reicht vom Abhang des Wienerwaldes bis zur Donau und zum Donaukanal.

2. Es ist ein grüner Bezirk, denn nur 18,5 Prozent der Gesamtfläche sind dicht verbautes Stadtgebiet, während mehr als die Hälfte aus reiner Grünfläche besteht.

3. Davon werden rund 380 Hektar für den Weinbau genutzt, was Döbling und gleichzeitig Wien im Vergleich zu anderen Metropolen weltweit einzigartig macht.

4. Wer hier einen Spaziergang macht, kommt an vielen Häusern vorbei, in denen bekannte Persönlichkeiten lebten, wie die Walzerkönige Joseph Lanner und Johann Strauß, der Komponist Franz Lehar und der größte Physiker Albert Einstein.

5. Publikumslieblinge wie Peter Alexander, Hans Moser und die „Hörbiger-Familie“ wohnten hier ebenso wie Herbert von Karajan, der für sein Zitherspiel zum Film „Der dritte Mann“ international bekannt gewordene Anton Karas oder der Regisseur Billy Wilder.

Ruckerlbahn, Reben und Rekorde: Der Pfarrwirt in Döbling
Der Pfarrwirt in Döbling

 

Rebensaft hat Tradition

6. Der Wein wird in „Heurigen“ ausgeschenkt, kleinen Lokalen in den weltberühmten Gegenden Grinzing, Nussdorf, Sievering, Neustift am Walde und Salmannsdorf, die in vielen Liedern besungen werden.

7. Während seiner Zeit in Heiligenstadt komponierte Beethoven große Teile seiner dritten Symphonie, der „Eroica“, sowie Teile seiner neunten Symphonie.

8. Gern wird auch gemunkelt, dass viele Details des österreichischen Staatsvertrags beim Mayer am Pfarrplatz „ausgehandelt“ wurden.

 

Wie der Fußball nach Österreich kam

9. Der erste Fußballverein Österreichs wurde am 22. August 1894 in Döbling von englischen Gartenarbeitern gegründet, die in den Rothschildgärtnereien auf der Hohen Warte tätig waren.

10. Seit Juni 1921 trägt die „Vienna“ ihre Spiele auf der Hohen Warte in Döbling aus, die damals das größte Heimstadion Europas war.

11. Als Spieltag mit den meisten Zuschauern ging der 15. April 1923 in die Annalen ein: Eine Rekordzahl von 85.000 Zuschauern versammelte sich in Döbling, um das Spiel der österreichischen Nationalmannschaft gegen Italien zu sehen.

12. Der First Vienna Football Club 1894 ist nicht nur der älteste Fußballklub Österreichs, sondern war viele Jahrzehnte auch der erfolgreichste.

13. Das Stadion wurde als Freiluftbühne für außergewöhnliche Theatervorführungen genutzt, wie im Sommer 1924 für die Festaufführungen von Giuseppe Verdis „Aida“.

14. Tausend Personen wirkten an dieser Inszenierung mit, bei der auch echte Elefanten übers Grün trabten.

 

Auf dem Cobenzl

15. Ab 1841 widmete sich der „Zauberer vom Cobenzl“, Karl Ludwig Friedrich von Reichenbach, der Untersuchung der sogenannten Lebenskraft „Od“.

16. Für seine Forschungen errichtete er im Schloss Laboratorien á la Frankenstein, in denen er mit Versuchspersonen experimentierte.

17. Johann Karl Freiherr von Sothen starb angeblich am 10. Juni 1881 eines gewaltsamen Todes, womit seine Todesdaten mit jenen Glückszahlen übereinstimmten, deren Gewinn er vorenthalten hatte.

18. Hier enthüllte sich am 24. Juli 1895 dem Dr. Sigmund Freud das Geheimnis des Traumes.

19. Freuds frühes Hauptwerk „Die Traumdeutung“ erschien 1900 und zählte zu den einflussreichsten Büchern des zwanzigsten Jahrhunderts und zum grundlegenden Werk der Psychoanalyse.

20. Das Schloss Cobenzl überdauerte Wirtschaftskrisen, zwei Weltkriege und Nachkriegszeiten und manch wichtige Entscheidung wurde von den Alliierten an der Cobenzl Bar besprochen.

Ruckerlbahn, Reben und Rekorde: Döbling Cobenzl
Der Cobenzl inspirierte Sigmund Freud zur Traumdeutung.

Am Kahlenberg

21. Gebaut wurde die „Ruckerlbahn“, wie die Kahlenbergbahn aufgrund ihrer ruckartigen Bewegungen genannt wurde, anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 nach Plänen des Oberingenieurs Carl Maader.

22. An schönen Wochenenden hatten im „Kahlenberger-Prater“ die sogenannten „Hutschenschleuderer“ – Männer, die Schaukeln in Schwingung versetzten – Hochbetrieb.

 

Automobile auf Siegeskurs

23. Denn wer etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, der war nun ein „Autler“ und fuhr Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem Automobil.

24. Zu dieser Entwicklung in Österreich trugen die Gebrüder Gräf, die 1904 ihr Werk nach Döbling verlegten, maßgeblich bei und bald galten die großen Gräf&Stift-Limousinen als die „österreichischen Rolls-Royce“.

25. Bald nach der Eröffnung der „Höhen- und Aussichtsstraße“ wurde sie zu einer Lieblingsstrecke der Wiener Automobilisten, die mit ihren „Benzinfiakern“ nun problemlos auf den kleinen Berg gelangten und die Döblinger Höhenstraße gern mit der berühmten Dolomitenstraße verglichen.

26. Um die Arbeitslosigkeit zu lindern, setzte die Bundesregierung zwischen 1934 und 1937 den Bau der Wiener Höhenstraße fort.

27. Das bis dato größte Sportereignis in Wien wurde zur Völkerwanderung: 120.000 Fans, die alle die Superstars der Rennsportszene hautnah miterleben wollten, pilgerten auf die Höhenstraße.

 

Kulturjuwel im Dornröschenschlaf

28. Der Währinger Jüdische Friedhof im Stil des Biedermeiers errichtet, ist ein einzigartiger Zeitzeuge der Wiener Kunst, Kultur, Wirtschaft und Sozialgeschichte.

29. An die 30.000 Personen fanden hier ihre letzte Ruhestätte: Angesehene Familien wie etwa von Arnstein, von Epstein und von Königswarter wurden hier ebenso begraben wie Bettler oder die damals geächteten Schnapsbrenner.

30. Es wird erzählt, dass der Währinger Jüdische Friedhof seine Rettung angeblich einem Magistratsbeamten verdankt, der das Areal kurzerhand zum Vogelschutzgebiet erklärte.

Ruckerbahn, Reben und Rekorde: Die Elisabeth-Kapelle in Döbling
Die Sisi-Kapelle in Döbling war Wiens erstes neugotisches Bauwerk.

 

Besondere Werke

31. In der Nachkriegszeit sollte der staatliche Neuanfang durch eine neue Bundeshymne dokumentiert werden und die Döblinger Schriftstellerin Paula von Preradovic schickte ihr „Land der Berge, Land am Strome“ ein.

32. Im Maturajahrgang 1918 am damaligen „k. k. Staatsgymnasium“ – dem heutigen Döblinger Gymnasium 19 – drückten gleich zwei spätere Nobelpreisträger in ein und derselben Klasse die Schulbank.

33. Seit über 150 Jahren befindet sich in Döbling die österreichische Niederlassung der Schwestern vom armen Kinde Jesus.

34. Die Meisterinnen bedienten sich einer Vielfalt von Motiven, Themen, Stilen und Formen, um religiöse Inhalte visuell darzustellen.

 

Döbling entdeckt den Schneeschuhsport

35. Am 31. Oktober 1891 wurde der „Erste Wiener Schiclub“ gegründet.

36. Vor allem Döblings Hausberge wie Kahlenberg, Hermannskogel und Cobenzl zählten zu den bekanntesten Skigebieten.

37. Während man in den westlichen Regionen Österreichs noch schimpfend und mühsam durch den Schnee stapfte, hatten die Wiener bereits ihr Vergnügen beim winterlichen „Schneeschuhfahren“.

 

Unternehmertum

38. Ein Unikum der Wiener Baulandschaft stellt die sogenannte „Zacherlfabrik“ in der Nußwaldgasse in Döbling dar.

39. Johann Zacherl ließ sich 1870 in Unterdöbling nieder und stellte Tonnen des Mottenpulers „Zacherl’s Insecten tödtende Tinktur“ her, die er in der gesamten k.u.k. Monarchie, in Paris, Amsterdam, London, Konstantinopel, New York und Philadelphia verkaufte.

40. Mitte des 19. Jahrhunderts siedelte sich Johann Kattus an, der zwischen 1880 und 1918 zum bedeutendsten Kaviarhändler der Welt wurde.

41. Das berühmte Flaggschiff der k. u. k. Kriegsmarine „Viribus Unitis“, das seinen Namen dem Wahlspruch „mit vereinten Kräften“ des Kaisers verdankte, wurde am 20. Juni 1911 in Triest durch Erzherzogin Maria Annunziata mit Kattus Sekt getauft.

42. Als kleiner Junge hatte Janos Kotányi aus Szeget in Ungarn von der Entdeckung ferner Länder geträumt und in seiner Fantasie die weite Welt bereist.

43. Später faszinierte ihn die Vorstellung, mit exotischen Kräutern und Gewürzen zu handeln und damit den heimischen Speisen mehr Würze zu verleihen.

44. 1843 begann Robert Alwin Schlumberger mit der Sektherstellung in Österreich nach dem französischen Verfahren der Champagnermethode und bald wurde der „Schlumberger Champagner“ zum Lieblingsgetränk der Wiener Gesellschaft.

 

Blutige Szenen

45. Der größte und bekannteste Gemeindebau im bürgerlichen Döbling  war der monumentale Karl-Marx-Hof, der über 1100 Meter lang ist und damit noch heute als das längste zusammenhängende Wohngebäude der Welt gilt.

46. In den gewaltsamen Auseinandersetzungen des Österreichischen Bürgerkriegs wurde der Karl-Marx-Hof zum Zentrum des Widerstandes gegen den Austrofaschismus und zu einem Kampfschauplatz, auf dem sich blutige Szenen abspielten.

47. Am 2. August 1960 um 16 Uhr 45, geschah die größte Straßenbahnkatastrophe in Wien und die zweitgrößte in Europa.

 

Filmstadt Döbling

48. Einer der bedeutendsten Filmpioniere war Alexander Joseph Graf Kolowrat-Krakowsky, besser als Sascha Kolowrat-Krakowsky bekannt, der 1916 in Döbling das erste Großfilmstudio, die Atelierstadt „Sacha-Film“, errichten ließ.

49. Der Streifen „Sodom und Gomorrah  – Die Legende von Sünde und Strafe“ wurde zur opulentesten und teuersten Produktion der österreichischen Filmgeschichte mit mehreren Tausend Darstellern.

50. Der erste österreichische Film aus dem „Friedensjahr“ 1946 kam aus Döbling: Der Streifen mit dem Titel „Glaube an mich“ mit Marte Harell und Ewald Balser wurde anlässlich der Feierlichkeiten des 950-jährigen Österreichs uraufgeführt.

51. Mit dem berühmten Nachkriegsfilm „Der dritte Mann“ und der international bekannten Filmmusik des Zithervirtuosen Anton Karas wurde in Döbling erneut österreichische Filmgeschichte geschrieben.

Ruckerlbahn Reben und Rekorde: Gans Lilli
Bezirks-Berühmtheit: Gans Lilli blieb stur auf den Schienen sitzen.

 

Amüsantes Döbling

52. Meist verpackten „Die 3 Spitzbuben“ aktuelle Pointen zum Tagesgeschehen in ihr Programm und ihre derb-deftigen Parodien waren nicht immer jugendfrei.

53. Man kann sagen, dass die Döblinger Bezirksgilde dafür verantwortlich war, dass der Fasching in den 80er-Jahren wieder nach Wien kam.

54. Mit ein Grund war sicher das Männerballett, das Jahr für Jahr das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt.

55. Hier war die Gans Lilli zu Hause und musste vom Straßenbahnführer von den Schienen getragen werden.

 

Döbling-Buch

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Ruckerlbahn, Reben und Rekorde
Geschichten aus Döbling

 

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